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Schwing- und Älplerfest: So vermeiden Zuger Abfallberge

Depotsystem und Abfalltrennung sollen am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest den Abfall in Grenzen halten.
Andrea Muff
Solche Bilder vom «Züri Fäscht» am Samstag soll es in Zug nicht geben. Bild: Keystone/Walter Bieri

Solche Bilder vom «Züri Fäscht» am Samstag soll es in Zug nicht geben. Bild: Keystone/Walter Bieri

Über 2 Millionen Besucher hinterliessen am «Züri-Fäscht» rund 250 Tonnen Abfall, heisst es in den Medien. Mehrweggeschirr sei für den Veranstalter aber kein Thema, da ein solches System bei dieser Festgrösse nicht möglich sei. Ein bisschen kleiner, aber mit erwarteten 300000 Besucherinnen und Besuchern an drei Tagen, vom 23. bis 25. August, findet in der Stadt Zug der grösste Sportevent dieses Jahres statt: Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf). Und das Organisationskomitee (OK) des Esaf 2019 in Zug hat sich zum Ziel gesetzt, das nachhaltigste «Eidgenössische» durchzuführen. Dies verkündete das OK bereits Anfang dieses Jahres.

Bilder wie nach diesem Wochenende aus Zürich soll es nach dem sportlichen Grossevent nicht geben. Zum ersten Mal überhaupt wurde an einem «Eidgenössischen» ein Depotsystem eingeführt. «Wir rechnen mit ungefähr 600000 Flaschen am ganzen Wochenende», weiss Andreas Lustenberger, Leiter Stabstelle Nachhaltigkeit. «Wir gehen davon aus, dass am Wochenende kein Glas herumliegen wird.» Damit es keine Verwechslungen gibt, werden eigens fürs Esaf markierte Flaschen verkauft. Für ein Depot auf Geschirr und Besteck wird aber wie am «Züri-Fäscht» verzichtet. «Es ist schwierig, zu kontrollieren, welches Geschirr von Esaf-Essständen, und welches selber mitgebracht wird», so Lustenberger. Dass das Festgelände offen zugänglich sei, mache es sehr kompliziert. Er schränkt aber ein: «Wir probieren so wenig Geschirr wie möglich zu benutzen.» Die Standbesitzer werden etwa dazu angehalten, die Bratwurst direkt auf dem Brot zu servieren, macht Andreas Lustenberger ein Beispiel. Und das Geschirr sei aus nachwachsenden biologischem Material.

Die Public-Viewing-Zone ist «glasfrei»

Beim Public-Viewing auf der Bossard Arena ist Glas grundsätzlich verboten, aus Sicherheitsgründen. Da es sich um einen abgeschirmten öffentlichen Bereich handelt, werde am Eingang entsprechend kontrolliert, weiss Lustenberger. Innerhalb der Public-Viewing-Zone werden daher Mehrwegbecher gegen ein Depot verkauft.

Nicht nur das Depot soll das Esaf nachhaltig machen: Grosse Abfallsäcke, in denen der Abfall getrennt – nach Pet, Alu und Restabfall – entsorgt werden kann, werden auf dem ganzen Gelände aufgestellt. Dominik Iten vom Ressort Entsorgung weiss Genaueres: «Das sind insgesamt rund 700 Gebinde in allen Variationen und Grössen.» Um diese zu leeren und auch das Gelände vom auf dem Boden liegenden Abfall zu reinigen, sind während der drei Tage rund 1000 Arbeitsschichten eingeplant. «Alleine für die Reinigung der Arena werden 100 Helfer eingesetzt», sagt Iten weiter.

Rund 18 Tonnen 
Papier werden eingespart

Als Zeichen der Nachhaltigkeit wurde auf den Druck des traditionellen mehrseitigen Festführers verzichtet, damit werden rund 18 Tonnen Papier eingespart. Sägemehl und Werbeblachen werden weiter verwendet und die Sponsoren angehalten, auf ein flächendeckendes Sampling zu verzichten. Auch sei eine Partnerschaft mit der Stiftung myclimate eingegangen, so Lustenberger, und einen Nachhaltigkeitsfonds eingerichtet worden. Das Depot beispielsweise könne auch gespendet werden. «Mit diesem Fonds wollen wir auch regionale Projekte fördern», erklärt Lustenberger. Momentan werde noch nach geeigneten Umweltprojekten gesucht. Interessierte können sich beim OK melden.

Ein zweites Leben für Werbeblachen und Sägemehl

Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Esaf) in Zug werden weit über 10000 Quadratmeter Werbeblachen aus Kunststoff zur Verkleidung der Arena, der Absperrgitter und der Eingangstürme eingesetzt. Diese sollen danach nicht weggeworfen werden. Die Blachen landen nämlich auf den Tischen der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug (GGZ) und der Halle 44. In den beiden sozialen Institutionen werden sie zu Einkaufstaschen, Umhängetaschen, Etuis verarbeitet und mit dem Esaf-Logo bestückt. Das Ziel des OKs bestehe darin, dass mindestens 80 Prozent der Werbeblachen wiederverwendet werden, heisst es in einer Mitteilung. Wie nach einem Esaf üblich findet das Sägemehl eine neue Verwendung: In Zug werden rund 40 Kubikmeter auf den Zugerberg gebracht und im Winter zur Regeneration des Moors im Eigenried gebraucht. Laut Mitteilung braucht es für das Esaf rund 300 Kubikmeter Sägemehl, dies entspricht ungefähr 300 bis 400 Bäumen. Das restliche Sägemehl kommt zu verschiedenen Zuger Landwirten, welche es zum Einstreuen nutzen werden. Seit Jahren bezieht der Zuger Schwingerverband das Sägemehl von Schilliger Holz in Haltikon.

Die Stabsstelle Nachhaltigkeit wurde bereits vor vier Jahren ins Leben gerufen. «Es ist wichtig, dass ‹Nachhaltigkeit› an oberster Stelle angesiedelt ist. Damit zeigen wir, dass sie nicht nur Nebensache ist», erklärt der Vorsteher und fügt hinzu: «Natürlich kann man immer noch mehr machen. Aber bei einem Event dieser Grössenordnung muss man einen guten Mix finden und auch mal verzichten können.» Man habe sich schliesslich für die Durchführung des Megaevents entschieden. Dass es in Zürich aber nicht möglich gewesen sei, weniger Abfall zu produzieren, sei für ihn schon ein wenig überraschend.

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