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SCHWINGEN: «Lasse es auf mich zukommen»

Marcel Bieri darf beim Eidgenössischen Schwingfest antreten. Mit 18 Jahren wird er einer der Jüngsten sein. Nervös ist er deswegen nicht.
Marco Morosoli
Der Edlibacher Marcel Bieri hofft, beim Eidgenössischen so weit wie möglich zu kommen. Erreicht er gar bei der Premiere einen Kranz? (Bild Werner Schelbert)

Der Edlibacher Marcel Bieri hofft, beim Eidgenössischen so weit wie möglich zu kommen. Erreicht er gar bei der Premiere einen Kranz? (Bild Werner Schelbert)

278 Schwinger treten zum Eidgenössischen Schwingfest vom 31. August bis am 1. September in Burgdorf an. Der 18-jährige Edlibacher Marcel Bieri vom Schwingklub Ägerital ist einer von ihnen. Wer ihm begegnet, ist froh, dass er mit ihm nicht im Sägemehlring stehen muss. Mit einer Körpergrösse von 188 Zentimetern und einem Kampfgewicht von genau 100 Kilogramm verfügt der gelernte Zimmermann über eine richtige Schwingerstatur. Bieri steht aber nicht nur im Ring, sondern macht auch beim Nationalturnen mit. Und das sehr erfolgreich: Bieri holte in seiner Kategorie 2011 und 2012 den Schweizer-Meister-Titel.

Schwinger mit dieser Herkunft werden als Turnerschwinger bezeichnet. Sie tragen beim Kampf ein weisses T-Shirt und eine lange weisse Hose. Dass seit 15 Jahren immer ein Sennenschwinger das Eidgenössische gewonnen hat – diese tragen ein farbiges, nicht zu grelles Hemd und dunkle Hosen –, stört Bieri nicht. «Ich schwinge nicht, um ein Eidgenosse zu werden, sondern weil es mir Spass macht.» Aus dieser Aussage zu schliessen, der Jungspund sei nur schon einfach froh, in Burgdorf an den Start gehen zu können, greift zu kurz. «Ich will im Bernbiet mindestens sechs Gänge machen.» Das heisst, er will den ersten Cut im Teilnehmerfeld überstehen. Der Schwingerkönig muss bis zu seinem Titel acht Mal in den Ring steigen.

Training nicht speziell angepasst

Eine Woche vor seiner Premiere an einem Eidgenössischen – den Olympischen Spielen der Schwinger – gibt sich einer der jüngsten Teilnehmer in Burgdorf gelassen: «Ich spüre keinen Druck. Wenn ich dann einmal in Burgdorf sein werde und in die Arena einlaufe, kann ich mir gut vorstellen, dass ich nervös werde», sagt Bieri.

Dass das alle drei Jahre stattfindende Schauspiel – es zieht immer mehr Zuschauer an – etwas Spezielles ist, bestreitet Marcel Bieri nicht. Er werde sich aber auf die Kämpfe im Bernbiet gleich vorbereiten wie zum Beispiel auf ein kantonales Schwingfest. Bevor er in den Kampf steigt, spritzt er sich am Brunnen ein wenig Wasser ins Gesicht und auf den Nacken. «So werde ich wach», sagt Bieri. Ab diesem Zeitpunkt «lasse ich alles auf mich zukommen». Um gegen die Konkurrenz zu bestehen, «musst du einen guten Tag haben». Oder anders gesagt: Die Tagesform entscheidet. Wohl auch deshalb hat Bieri sein Training im Hinblick auf seinen grossen Auftritt in Burgdorf nicht geändert. Die Gewohnheit macht Sieger. Und obwohl er das Wort eidgenössischer Kranz nicht in den Mund nimmt, träumt er von einem solchen in Schwingerkreisen heiss begehrten Blattwerk.

Wie er kein besonderes Ritual für seine Vorbereitung hat, so hat er auch keinen typischen Schwingstil. Der Edlibacher sagt nur: «Ich bin einer, der darauf wartet, bis der Gegner den ersten Schritt macht, dann mache ich etwas.» Diese Praxis auf eine Mannschaftssportart bezogen würde wohl als Kontertaktik bezeichnet. Bieri ist damit bisher gut gefahren.

Nur sechs aus dem Kanton Zug

In diesem Jahr hat er gute Resultate erreicht. Beim Zuger Kantonalen Schwingfest holte er einen Kranz. Beim Innerschweizerischen Schwingfest in Emmen schrammte er an einer solchen Auszeichnung nur um einen Viertelpunkt vorbei. Eigentlich wird von einem Teilnehmer des grössten Schwingfestes gefordert, dass er im Austragungsjahr zwei Kränze holt. Dieser Beinahe-Kranzgewinn habe ihm aber womöglich das Schwingerticket nach Burgdorf eingebracht. Der Innerschweizer Schwingerverband schickt 85 Schwinger ans Eidgenössische, davon schwingen deren sechs für einen Klub aus dem Kanton Zug (siehe Box). Und Bieri ist einer von ihnen.

Das Schwingen ist dem Zimmermann nicht in die Wiege gelegt worden. «Meine Eltern haben nicht geschwungen», sagt Bieri. Wie viele aus dem Berggebiet ist der Jungschwinger übers Nationalturnen zu diesem Mann-gegen-Mann-Kampf gekommen. «Nationalturnen betreibe ich, seit meinem sechsten Altersjahr», sagt Bieri. Sein Faible fürs Schwingen ist erst später dazugekommen. Am Nationalturnen fasziniert den Edlibacher die Abwechslung der verschiedenen Disziplinen.

Wer in diesem Sport etwas erreichen will, muss ein Allrounder sein. Nur Kraft reicht da nicht, sondern es ist auch Schnelligkeit gefragt. Dies zeigt schon ein Blick auf die Disziplinen in dieser typisch schweizerischen Sportart: Steinheben, Steinstossen, Laufen, Hochweitsprung, Weitsprung, Bodenturnen, Schwingen und Ringen.

Bieri sitzt wieder auf der Schulbank

In diesem Jahr konnte Bieri aber leider nicht mehr so oft an Wettkämpfen im Nationalturnen teilnehmen. Der Grund: Lehrabschlussprüfungen. Diese hat Marcel Bieri erfolgreich hinter sich gebracht. Im Beruf Zimmermann arbeitet er aber derzeit nicht. Vielmehr drückt er ausschliesslich die Schulbank. «Ich mache die Berufsmatura im Bereich Gesundheit und Soziales.» Wieso er nicht auf dem Lernberuf geblieben ist? «Ich habe diesen Beruf gesehen», sagt er zu seinem Perspektivenwechsel. Nach dieser Ausbildung, die er in einem Jahr abschliessen wird, muss Bieri in die Rekrutenschule. Er habe sich für eine Sportler-RS beworben, aber seine guten Resultate im Schwingen reichten hierfür nicht aus. Was er nach dem Erfüllen der Vaterlandspflichten machen will, weiss Bieri noch nicht: «Etwas in der Richtung Sportlehrer könnte ich mir vorstellen. Aber auch ein Engagement auf dem Bau könnte in Betracht kommen.» Die jetzt gestartete Weiterbildung ermögliche es ihm, eine Fachhochschule zu machen.

Klar, dass er neben all den Trainings im Schwingen und im Nationalturnen nicht mehr viel Zeit für anderes hat. Hat er Vorlieben? Bieri winkt ab: «Ich mache, was junge Erwachsene so machen.» Der Jungschwinger fährt auch gerne in die Ferien.

Übrigens schwingt auch Marcel Bieris älterer Bruder und ist wie er im Nationalturnen aktiv. An einem Schwingfest sind sie sich im Ring noch nie begegnet. Im Training allerdings öfters.

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