Kolumne

Seid doch nett zu ihnen

«Seitenblick» zum Umgang mit Touristen

Andreas Faessler
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Andreas Faessler. Bild: PD

Andreas Faessler. Bild: PD

«Wem gehört die Rigi?», fragte mich neulich meine kleine Nichte. «Weiss nicht, wem denn?» – «Den Chinesen». Ein kleiner Schülerscherz auf Kosten der Touristen aus Fernost. «Ja, stimmt», sagte ich wohlwollend, wenn auch ohne Ernst.

Nun ja, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich auf unserem wunderbaren Hausberg die europäischen Besucher und die Asiaten mittlerweile die Waage halten. Allerdings scheint mir, dass die Besucher aus Fernost da und dort als Besucher zweiter Klasse behandelt werden. So erlebt in einem der grössten Restaurants direkt an der Rigibahn: Die quirlig-nette Bedienung nahm freundlich und scherzhaft Sprüche klopfend unsere Bestellung auf, begab sich gleich an den nächsten Tisch, um dasselbe bei den dort sitzenden vier Chinesen zu tun. Scherzend fragte sie die Leute, was sie wollen und verdrehte genervt die Augen, als die sprachliche Barriere den Vorgang bremste.

Und als das Bestellte serviert wurde, schmiss sie es ihnen mehr hin, als dass sie es ihnen in der Art vorsetzte, wie man das in einem Restaurant zu tun pflegt. Ähnliches beobachtete ich die Woche drauf im Glacier Express: Der Gruppe aus Korea direkt hinter uns wurde nicht dieselbe Freundlichkeit entgegengebracht wie uns.

Es mag ja sein, dass man das gehäufte Auftreten der oft als etwas rücksichtslos und chaotisch empfundenen Touristen aus Fernost mit gemischten ­Gefühlen oder gar Ressentiments wahrnimmt. Ich ertappe mich selbst auch gelegentlich dabei, wie mir ein leicht genervtes «o nein» durch den Kopf schiesst, wenn wieder eine Gruppe Asiaten sich irgendwo aus einem Bus ­ergiesst. Dennoch - so finde ich - haben diese Leute exakt denselben Respekt verdient wie alle anderen. Verhält man sich nicht schon im vornherein ablehnend ihnen gegenüber, so wird man durchaus mit einer freundlichen Geste oder mit einem wirklich netten Lächeln beschenkt.