Seine Ausdauer und Kontinuität halten die Orgelmusik am Leben

Ab 30. September macht Olivier Eisenmann den Kanton Zug zum klingenden Hotspot – mit den Internationalen Zuger Orgeltagen 2020.

Andreas Faessler
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Organisiert die Internationalen Zuger Orgeltage: Olivier Eisenmann (80), hier in der Pfarrkirche Weggis.

Organisiert die Internationalen Zuger Orgeltage: Olivier Eisenmann (80), hier in der Pfarrkirche Weggis.

Bild: Boris Bürgisser (3. Juni 2020)

80 Jahre und kein bisschen müde: Mit einem Benefizkonzert feierte der in Weggis lebende Organist Olivier Eisenmann im vergangenen Juni seinen Runden (wir berichteten). Im Kanton Zug kennt man den Musiker insbesondere als Organisator, künstlerischen Leiter und somit Aushängeschild für die 1983 gegründeten Internationalen Zuger Orgeltage, die heuer – coronabedingt in den Herbst verschoben – zum 38. Mal stattfinden. Das nennt man Kontinuität! Eisenmann ist überzeugt, dass es neben den guten Genen die Musik ist, die ihn so ausdauernd und agil hält. Ihm und seinem Effort ist es mit zu verdanken, dass die Orgelmusik bei uns mit all ihren Facetten lebendig bleibt und nicht­– wie an anderen Orten dieser Welt – verstaubt und verstummt.

Und nun steht es also bevor, das nächste Festival in Zug, der «Königin der Instrumente» gewidmet. Vom 30. September bis 15. November spielen namhafte international tätige Musikerinnen und Musiker sieben Konzerte an sieben Orgeln in sieben Zuger Kirchen. Das Repertoire reicht wie immer über mehrere Jahrhunderte bis ins Heute und kommt stilistisch so vielfältig daher, dass das hartnäckig sich haltende Klischee, Orgelmusik sei altmodisch und eintönig, in jeglicher Hinsicht unhaltbar wird.

Sieben Konzerte mit dichtem Programm

Das Programm der 38. Internationalen Zuger Orgeltage gestaltet sich wie folgt:

- Mittwoch, 30. September, 19.30 Uhr, Pfarrkirche St.Martin in Baar:
Der deutsche Kulturpreisträger und Improvisationsspezialist Christian Stegmann aus Kitzingen spielt neben populären Werken des Barock und der Romantik auch seltene Trouvaillen. Darunter eine Sonate von Johann Michael Breunich und das selten zu hörende kleine Flötenkonzert von Justin Heinrich Knecht. Abschliessend improvisiert Stegmann über das Frankenlied «Wohlauf, die Luft geht frisch und rein».

- Sonntag, 11. Oktober, 16 Uhr, Klosterkirche Frauenthal in Hagendorn:
Die estnische Organistin Ines Maidre, Gewinnerin eines Pariser Concours, spielte ein Programm mit vorwiegend religiöser Musik. Neben Perlen längst vergangener Jahrhunderte und vier Fantasien des norwegischen Komponisten Reidar Sløgedal interpretiert Maidre auch heitere weltliche Werke.

- Sonntag, 18. Oktober, 19 Uhr, Pfarrkirche Bruder Klaus in Oberwil:
Anstelle der US-amerikanischen Organistin Gail Archer (Absage wegen Corona) sitzt Mario Verdicchio aus Parma an den Manualen. Der emeritierte Orgelprofessor präsentiert Werke von Bach, Vivaldi und Mendelssohn.

Sonntag, 8. November, 11 Uhr, Reformierte Kirche Zug:
Der italienische Orgelvirtuose Paolo Oreni interpretiert bekannte Werke von Bach, Vivaldi, Vierne und Bossi. Er beschliesst sein Programm mit einer Improvisation über ein gegebenes Thema.

- Sonntag, 8. November, 19.30 Uhr, katholische Pfarrkirche in Rotkreuz:
Die mehrfach ausgezeichneten polnischen Künstler Andrzej Chorosiński (Orgel) und Paweł Gusnar (Saxofon) setzen den Fokus auf Literatur aus ihrem Heimatland. Sie interpretieren hierzulande selten gehörte Werke von Henryk Wieniawski, Łukasz Woś, Aleksander Tansman und Krzysztof Penderecki. Zum Abschluss ein Highlight: Von Johann Christian Heinrich Rinck stammen 12 Variationen über «Heil dir im Siegerkranz», also über jene Melodie, die wir von der früheren Schweizer Nationalhymne «Heil dir Helvetia» kennen.

- Samstag, 14. November, 19 Uhr, Pfarrkirche St.Jakob in Cham:
Der finnische Organist Tuomas Pyrhönen spielt neben Werken von Bach und Mendelssohn unbekannte Musik aus seiner Heimat. Darunter eine spätromantisch-impressionistisch geprägte Elegie von Aimo Känkenen und eine fünfteilige Choralpartita von Sulo Salonen. Pyrhönen schliesst mit einer Improvisation.

- Sonntag, 15. November, 17 Uhr, Pfarrkirche St.Johannes der Täufer in Menzingen:
Traditionell gestaltet auch der Organisator Olivier Eisenmann selbst eines der Konzerte. In Menzingen besiegelt er die Zuger Orgeltage 2020. Neben einer Toccata von Muffat und einer Orgelsonate von Mendelssohn stehen die «Legende von Jászó» des bekannten ungarischen Komponisten Zoltán Gárdonyi sowie die humoristische California Wine Suite von Hans Uwe Hielscher auf dem Programm. Letztere besteht aus musikalischen Degustationen berühmter kalifornischer Weine.

Ausführliche Dokumentation

Wie jedes Jahr gibt es zum gesamten Programm das unverkennbare, reichhaltige Begleitbüchlein mit biografischen Details zu den Interpretinnen und Interpreten und umfassende Ausführungen zu ihren Konzerten. Der Eintritt zu allen sieben Konzerten ist frei. Im Anschluss wird um eine Kollekte zur Deckung der Unkosten gebeten.