Seitenblick
Ach, du liebes Bett

Was an müden Tagen auch am Arbeitsplatz plagt wird im Homeoffice zur Qual: der Ruf des Kopfkissens.

Zoe Gwerder
Zoe Gwerder
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Weich muss es sein, hart ist besser, gross oder nur 90 Zentimeter breit. Kein anderes Möbelstück ist wohl ebenso gleichförmig wie individuell wie das Bett. Und zumindest in meinem Fall übt es immer mal wieder eine extreme Anziehung auf mich aus. Weniger am Abend, wenn auch das Sofa magische Kräfte zu haben scheint. Sondern deutlich am Morgen, wenn die kühle Raumluft so gar nicht danach ruft, unter der Decke hervorzukriechen.

Doch das geht wohl vielen so – und wäre definitiv kein Anlass, sich in einer Kolumne damit zu befassen.

Die jüngeren Umstände des Arbeitens zu Hause haben mir aber gar Superanziehungskräfte meines Betts offenbart. Weniger am Morgen: Da schaffe ich es ohne grosse Mühe, trotz fehlender Pflicht das Haus zu verlassen, von der mittelweichen Matratze aufzustehen und mich in normaler Alltagskleidung vor den Computer zu setzen. Letzteres lassen ja einige Homeoffice-Mitmenschen gleich von Beginn weg auslassen.

Und an einem normalen Arbeitstag zu Hause, nach einer guten, schlafreichen Nacht, ist das Bett auch einzig in der Mittagspause ein willkommener Ort, sich mit einem kurzen Powernap zu entspannen.

Aber wehe, die Nacht war schlecht und ich müde. Müsste ich in der Redaktion arbeiten, wäre es zwar auch hart. Doch die Arbeitsumgebung lässt einem die Müdigkeit besser vergessen. Zu Hause hingegen wird es zur reinen Qual. Besonders, wenn wir zu zweit im Homeoffice sind und ich im Vorraum zu den Schlafzimmern meinen Arbeitsplatz einrichten muss. Die Anziehungskraft unserer Silikonmatratze mit Wollauflage – keine fünf Meter entfernt – wird schon fast unaushaltbar.

Die (Er)Lösung bringt freundlicherweise das Problem gleich selbst: Denn dank der gesparten An- und Rückreisezeit im Homeoffice bleibt mehr Zeit, der bettischen Anziehungskraft in der Mittagspause nachzugeben und in einem ausgedehnten Mittagsschlaf das Schlafmanko auszugleichen. Nicht, dass der Morgen so weniger hart wäre. Doch die Aussicht auf die wohlige Wärme unter der Bettdecke lässt den Widerstand gegen den Ruf des Bettes viel einfacher aufrechterhalten.