Kolumne

«Seitenblick»: Eine wahre Ehre für jeden Musikant

Redaktorin Carmen Rogenmoser über ihre 20-jährige Mitgliedschaft im Musikverein

Carmen Rogenmoser
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Carmen Rogenmoser

Carmen Rogenmoser

Seit 20 Jahren bin ich Mitglied der Harmoniemusik Oberägeri. Damit werde ich nun offiziell ein Ehrenmitglied. Eine Ehre ist das schon, ein seltsames Gefühl aber auch. Es kommt zum ersten Mal vor, dass ich so viele Jahre an etwas dran bin. Dadurch fühle ich mich richtiggehend alt. Früher waren die Ehrenmitglieder doch eine Gilde von grauhaarigen, pensionierten Männern – zumindest in meiner Vorstellung.

Mache ich so weiter, werde ich auf geradem Weg auch noch kantonale Ehren-Veteranin (Veteranin: ein Unwort). Dann hätte ich 50 Jahre in einem Zuger Verein mitgespielt – aus heutiger Sicht unvorstellbar. Doch das war bis jetzt ja auch die Ehrenmitgliedschaft. Weshalb ich der Blasmusik schon so lange die Treue halte? Das frage ich mich manchmal selber. Nicht immer ist es einfach, sich nach einem anstrengenden Tag für die Probe zu motivieren. Ich weiss, dass es nicht nur mir so geht.

Wie viele andere Vereine hat auch die Harmoniemusik mit einer schwindenden Mitgliederzahl und vielen Absenzen zu kämpfen. Die Mitgliedschaft bringt viele Verpflichtungen mit sich. Rund 70 Zusammenkünfte gibt es pro Jahr. Der Grund für meine Beständigkeit ist wohl wirklich das Musikmachen an sich. Mir gefallen die vollkommene Konzentration auf den Moment, die Ergriffenheit bei einem wunderschön klingenden Akkord oder das gemeinsame Lachen, geht mal ein Ton daneben. Selten kann man so gut Dampf ablassen wie bei einer Fortissimo-Stelle. Von Anfang an begleitet mich der klare, manchmal durchdringende Klang des Es-Horns. Jedes Mal tut mir die Probe gut und ich bin froh, mich dafür aufgerafft zu haben.