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«Kritisieren Sie richtig!»

Geht's noch? Sie haben keine Ahnung wie man richtig kritisiert! LESEN SIE GEFÄLLIGST DIESE KOLUMNE!!!

Kilian Küttel
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Kilian Küttel

Kilian Küttel

Hallo. Wir müssen reden. Über Kritiker. Über Sie.

Haben Sie auch schon Kritik platziert, die ungehört verpufft ist? Wollen Sie wissen, wieso sich nichts geändert hat und alles beim Alten geblieben ist? Die Antwort liegt auf der Hand: Es war der falsche Ton.

Doch daran lässt sich arbeiten. Beherzigen Sie folgende sechs Ratschläge, die auf jahrelanger Erfahrung im Umgang mit Menschen basieren, leicht verständlich für Sie aufbereitet wurden und Ihnen bei korrekter Anwendung garantiert Gehör verschaffen.

1. Verschwenden Sie keine Zeit.
Begrüssungsfloskeln sind die kleinen Cousins der E-Mail-Signatur. Niemand beachtet ein «Grüezi». Steigen Sie sofort in die Materie. Beginnen Sie ein Schreiben etwa mit: «Was soll das?», «Ist das Ihr Ernst?», oder «Geht’s noch?»

2. Argumente? Adjektive!
Verfallen Sie nicht der irrigen Annahme, eine These stützen zu müssen. Argumente können falsch verstanden werden, Fakten sind auslegbar. Umkurven Sie diese Gefahrenstelle, arbeiten Sie mit Adjektiven. Sie sind klar, verständlich und vermitteln viel Bedeutung auf wenig Platz. Es bietet sich die Verwendung von Begriffen an wie: erschütternd, unausgewogen, tendenziös, schlecht recherchiert, unterirdisch, menschenunwürdig, unchristlich. In Ihrer Kreativität sind Sie frei.

3. Punkte sind verboten!
Für etwas hat man das Ausrufezeichen erfunden! Benutzen Sie es! Bestenfalls mehrfach!!!

4. Sie haben zwei Freunde, Caps-Lock und Imperativ
Sollte das unklar sein: DENKEN SIE GEFÄLLIGST DARÜBER NACH, BIS AUCH SIE ES BEGRIFFEN HABEN!!!

5. Königsdisziplin: die Drohung
Trauen Sie sich. Ein kleines «Das wird Konsequenzen haben», kann Wunder wirken. Aber Achtung: Die Drohung ist die hohe Schule des Kritisierens - noch vor der Beleidigung. Verwenden Sie sie erst am Ende Ihres Votums. Alles danach wirkt nicht mehr.

6. Üben, üben, üben
Kein Meister ohne Training. Wenden Sie obige Ratschläge an, mündlich und schriftlich. Unter Freunden, im Familienkreis, beim betrieblichen Qualifikationsgespräch. Und lassen Sie mich an Ihren Erfahrungen teilhaben. Meine Mailadresse haben Sie ja.

kilian.kuettel@chmedia.ch