Seitenblick: Kuhnagel und rote Backen

Unsere Redaktorin über Freud und Leid des Wintersports

Carmen Rogenmoser
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Carmen Rogenmoser

Carmen Rogenmoser

Bild: stk

Die Skischule war für mich ein Schreckenserlebnis. Das Grauen ging schon am Morgen los: Die Ausrüstung musste in den schweren Skischuhen durchs halbe Dorf getragen werden. Anschliessend kam die lange Carfahrt von Erstfeld nach Andermatt oder Realp. Gefühlt die Hälfte der Kinder hat das Frühstück im Car zurückgelassen.

Endlich angekommen, ging’s raus in die frische Luft, oft war es nass und eisig kalt – keine Spur von einem sonnigen Wintertag. Ich hatte nie die beste Ausrüstung. Das reichte eigentlich auch, denn ich war keine angefressene Skifahrerin und eher gemütlich unterwegs. Die Ausstattung aus zweiter Hand hatte aber ihre Tücken: So kam es, dass ich bei einem der ersten Versuche am Skilift nie weiter als bis zur Hälfte der Strecke kam. Immer und immer wieder verlor ich den Halt und landete neben der Spur. Endlich bemerkte der Skilehrer, dass meine Bindung nicht richtig eingestellt war. Von da an lief es besser. Allerdings war ich schon bis auf die Socken und die Thermounterwäsche nass. Was folgte, war das Schlimmste überhaupt: nicht enden wollender Kuhnagel.

In Erinnerung sind mir aber auch die schönen, versöhnlichen Seiten: die Skiferien mit den Eltern und Grosseltern im Bündnerland. Mein Grossvater, Skilehrer im Nebenberuf, hatte mit meiner Schwester und mir eine Engelsgeduld. Er lehrte uns Bögelen in allerschönster Ausführung. Beim Anstehen plauderte er mit den Skiliftbetreibern Rätoromanisch. Er schien alle zu kennen. Wir waren ganz fasziniert von dieser Seite unseres Grossvaters.

Seit Jahren bin ich nicht mehr auf den Skis gestanden. Das Thema aber ist wieder aktuell. Denn auch meine Kinder sollen Skifahren lernen. Ich stelle mir das herrlich romantisch vor: Gemeinsam präparieren wir mit den Skis eine Piste, vielleicht beim Haus der Schwiegereltern, das sich dafür bestens eignet. Ich ziehe die Kleinen hoch, und wir wagen gemeinsam die kurze Abfahrt. Von der Anstrengung haben wir rote Backen und fallen am Abend erschöpft ins Bett.

Mir ist bewusst, dass es bestimmt nicht so ablaufen wird. Skifahren lernen ist ein Chrampf. Und auch ich werde wohl etwas wacklig auf den Brettern stehen. Eines aber weiss ich jetzt schon: An der Ausrüstung wird nicht gespart.