Selbst Hand an das Auto legen?

Es wird empfohlen, mit Winterpneus zu fahren. Dazu bedarf es eines Radwechsels. Die beiden Redaktoren Raphael Biermayr und Kilian Küttel argumentieren für und gegen einen selbst vorgenommenen Pneuwechsel.

Raphael Biermayr
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Raphael Biermayr

Raphael Biermayr

Bild: Stefan Kaiser

Ehrliche Arbeit, deren Resultat man am Ende des Tages sieht, tut jedem gut. Wer im Stande dazu ist und nicht zu faul, kann diese Erkenntnis relativ leicht gewinnen: bei einem Radwechsel. Garagen melden derzeit die alljährliche Hochphase – trotz milder Verhältnisse. Als Autofahrer wird einem halt früh eingetrichtert, dass es nicht Schnee und Eis braucht, um die Griffigkeit von Sommerpneus in Frage zu stellen. Und dass man sich bei einem Unfall mit «falschen» Pneus Probleme einhandeln kann.

Das Wechseln von Rädern ist kein Hexenwerk: Handbremse anziehen, Schrauben leicht lösen, Wagenheber betätigen, Schrauben ganz lösen, Rad abnehmen, neues Rad anbringen, Schrauben reindrehen, Wagenheber betätigen, Schrauben festziehen. Und das Ganze mal vier. Und dann natürlich die Handbremse lösen. (Wer nach der Lektüre dieses wertvollen Beitrags dazu inspiriert ist, das erste Mal die Räder selbst zu wechseln, dem seien als Tipps mit auf den Weg gegeben: Unbedingt die richtige Reihenfolge der Pneus notieren! Bei der ersten Fahrt den Halt bei einer Tankstelle einplanen, um den Pneudruck zu überprüfen! Die Angaben dazu finden sich im Tankdeckel oder im Türrahmen – oder im Internet.)

Die Vorteile der Selbstmontage und -demontage der Autoräder sind bestechend. So weist der immer gleiche Ablauf eine meditative Komponente auf, die ansonsten nur das Aufhängen von Wäsche oder der händische Abwasch von Geschirr mit sich bringen. Überdies lacht der innere Sparfuchs.


Kilian Küttel

Kilian Küttel

Bild: Dominik Wunderli

Drei Erlebnisse des Scheiterns:

Wir wohnen noch nicht so lange am neuen Ort. Aber ich habe bald einmal erkannt, dass die lokale Bäckerei die erstklassige, gesunde Mittagsverpflegung für den durchschnittlichen Büro-Fritzen im Homeoffice anbietet. Was ich jetzt auch weiss: Die Bäckerei hat am Montag zu. Habe genervt kehrtgemacht.

Neuerdings instruieren wir unsere Fotografen per Onlineplattform, wann, wie und von wem sie bitte ein Bild machen sollen. Das Programm verwenden wir seit Jahren, um unsere Artikel zu planen. Es ist bekannt, es ist unkompliziert, es ist idiotensicher. Ich wollte vorhin einen Fotoauftrag auf die neue Art erteilen. Hat nicht funktioniert. Habe geflucht.

In der Schweiz müssen Behörden Aufträge öffentlich ausschreiben, wenn sie mit mehr als 230000 Franken dotiert sind. Auf www.simap.ch sind die Ausschreibungen öffentlich einsehbar. Für weitere, wichtige, weil interessante Informationen bedarf es einer Registrierung. Ein einfaches Onlineformular, mit Namen, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Anschrift. Easy, schon x-fach gemacht. Ich wollte mich soeben registrieren. Hat nicht geklappt. Viermal nachein­ander. Habe den Laptop beleidigt.

Einkauf, Bildauftrag, Registrierung – drei Dinge, die ich normalerweise kann, die nicht funktionieren und mich an einem einzigen Vormittag an den Rand des Wahnsinns treiben. Und Sie glauben tatsächlich, ich wechsle die Räder an meinem Auto selber?