Steuern: Selbstanzeigen in Zug sind in die Höhe geschnellt

Zuger Steuerpflichtige bekommen wegen des automatischen Informationsaustauschs kalte Füsse. Das wirkt sich auf die Steuern aus.

Marco Morosoli
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Dass der Bund, die Kantone wie auch die Gemeinden bei Steuerprognosen auf der Ertragsseite danebenliegen, das kommt häufig vor. Die Verantwortlichen geraten darob oft in einen Erklärungsnotstand. Entschuldigt ist die Verwaltung beim Geldzufluss durch steuerliche Selbstanzeigen. Eine Möglichkeit, welche den Steuerpflichtigen seit 2010 offensteht.

Im Jahre 2019 haben im Kanton Zug 364 Personen – 358 natürliche und 6 juristische – eine Selbstanzeige eingereicht. Diesem Segment zuzurechnen sind auch die 22 Nachlässe, bei denen die Erben eine Selbstanzeige deponiert haben. Zum Vergleich: Für das Steuerjahr 2018 hat die kantonale Steuerverwaltung 241 Dossiers eröffnet. «Im Vergleich zu den Vorjahren ist 2019 ein überdurchschnittliches Jahr», sagt Guido Jud. Er ist Leiter der Steuerverwaltung des Kantons Zug. Jud betont dabei, dass diese Feststellung sowohl die Zahl der Anzeigen als auch die Höhe der nachzufordernden Steuern abdecke. Insgesamt 13,2 Millionen Franken hat die Zuger Steuerverwaltung nachgefordert. Diese Summe wandert jedoch nicht vollends in die Kasse des Kantons. Bei diesem verbleiben fünf Millionen Franken. Die elf Zuger Gemeinden bekommen insgesamt 4,4 Millionen Franken. Der Rest landet in den Kassen des Bundes. Diese erhält für 2019 auch von anderen Kantonen Millionen von Franken. Wie der Tagesanzeiger kürzlich berichtete, hat der Kanton Zürich seit 2010 Nachsteuern in der Höhe von 660 Millionen Franken verlangt. Zum Vergleich: Im Kanton Zug sind in der gleichen Periode Nachsteuern von 92,1 Millionen Franken zusammengekommen.

Der globale Druck sorgt in der Schweiz für Umdenken

Die Möglichkeit der Selbstanzeige ist ein Konstrukt, welches einem Steuerpflichtigen nur einmal zusteht. Der Steuerhinterzieher muss sich selber anzeigen. Hinzu kommt noch die Auflage, dass die Anzeige nur dann statthaft ist, wenn die Behörden noch keine Kenntnis vom Schwarzgeld haben.

Viele unehrliche Steuersubjekte haben spätestens ab dem Zeitpunkt kalte Füsse bekommen, als die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Standards für Finanzgeschäfte beschloss. Dieser global anwendbare automatische Informationsaustausch über Finanzkonten (AIA) müssen die Länder zuerst anerkennen und hernach mit den anderen Ländern entsprechende Vereinbarungen aushandeln. Mittlerweile hat die Schweiz mit rund 100 Ländern – der UNO gehören 193 an – eine Vereinbarung erzielt.

Nach dem Inkrafttreten der Abmachung tauschen die Länder dann folgende Daten aus: Kontonummer, Name, Adresse und das Geburtsdatum. Hinzu kommen die Steueridentifikationsnummer und weitere Angaben. Bereits in Kraft ist der automatische Informationsaustausch mit allen Staaten der Europäischen Union – ausser mit Rumänien und Bulgarien – sowie mit vielen britischen Überseegebieten wie zum Beispiel den Britischen Jungferninseln oder den Cayman Inseln, welche in der Vergangenheit eher als sicherer Hafen für Steuerflüchtlinge bekannt waren. Auf der Liste fehlen hingegen die USA, die auf das Fatca-Modell setzen.

Der «Foreign Account Tax Compliance Act» hat dabei als Grundlage für das OECD-Konstrukt gedient und ist weiterentwickelt worden. Die USA haben sich verpflichtet, ihren Standard an die Vorgaben der OECD anzupassen. Ein Zeithorizont für diese Anpassungen ist aber noch nicht definiert. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der internationale automatische Informationsaustausch nur für Gelder gilt, nicht jedoch für Immobilien.

Fallzahlen werden voraussichtlich sinken

Der Leiter der Steuerverwaltung des Kantons Zug rechnet «für die Zukunft damit, dass die Fallzahlen eher sinken», da die Einführung des automatischen Informationsaustauschs über ausländische Bankdaten viele Betroffene dazu erwogen habe, «ihre Steuersituation mit einer Selbstanzeige zu bereinigen».