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Interview

Thomas Schmuckli von der Firma Bossard: «Das geht für mich als Bürger gar nicht»

Thomas Schmuckli (55), der Verwaltungsratspräsident der Bossard Holding AG, lehnt die Selbstbestimmungsinitiative ab. Aus seiner Sicht sprechen nicht nur wirtschaftliche Gründe dagegen.
Interview: Raphael Biermayr
Ab dem Standort Zug erwirtschaftet Bossard rund 150 Millionen Franken Umsatz. (Bild: Stefan Kaiser (22. Februar 2018))

Ab dem Standort Zug erwirtschaftet Bossard rund 150 Millionen Franken Umsatz. (Bild: Stefan Kaiser (22. Februar 2018))

Die Selbstbestimmungsinitiative, über die am 25. November abgestimmt werden wird, betrifft nicht zuletzt die Wirtschaft. Neben der Familie Blocher, die unter anderen der Ems-Chemie vorsteht, finden sich auch andere prominente Vertreter auf der Befürworterseite. Demgegenüber stehen allerdings die Wirtschaftsverbände und deren Dachverband Economiesuisse. Auch Thomas Schmuckli, Verwaltungsratspräsident der Zuger Traditionsfirma Bossard, lehnt die Initiative ab. Im Interview erklärt der 55-Jährige, weshalb.

Thomas Schmuckli, was antworten Sie einem Ihrer Angestellten, der Sie fragt, was die Selbstbestimmungsinitiative (SBI) ihn angeht?

Die Bossard-Gruppe ist in 80 Ländern tätig. Wenn unsere Partner den Namen Bossard hören, müssen Sie uneingeschränktes Vertrauen in uns haben.

Sie befürchten also, dass durch ein Ja zur SBI das Firmenimage beschädigt würde?

Ja. Die Schweiz steht für grundsolides und vertrauensvolles Geschäften. Das mag langweilig tönen, ist aber nachhaltig. Von diesem Image profitieren alle Firmen. Bei einer Annahme der Initiative wäre das in Frage gestellt.

Können Sie das beweisen?

Nein, einen harten Beweis kann niemand erbringen, weil die Initiative sehr vieles offen lässt. Aber laut Economiesuisse könnten bei einem Ja etwa 600 Wirtschaftsabkommen anfechtbar werden. An der Initiative stört mich auch, dass die Europäische Menschrechtskonvention gefährdet ist. Das geht für mich als Bürger gar nicht. Doch dazu muss ich etwas ausholen.

Nur zu.

Die Menschenrechte wurden nicht in der Schweiz erfunden, sondern unter anderem in England mit der Magna Charta und gelangten dank der Französischen Revolution hierher. Es tut der Schweiz gut, sich nach den internationalen Menschenrechten auszurichten, auch wenn der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in zwei, drei Urteilen gegen die Schweiz entschieden hat. In der Mehrheit aber bestätigt das Gericht die Schweiz. Kommt dazu, dass unser System auf drei Gewalten gründet – eine davon ist die Justiz. Unsere Richter machen einen hervorragenden Job und verdienen es nicht, von der SVP immer wieder abgekanzelt zu werden. Die kantonalen Gerichte und das Bundesgericht legen seit eh und je internationale Verträge im Sinne der Verfassung aus.

«Sorgen macht mir auch der Status der EU-Bürger, die bei Bossard arbeiten», Thomas Schmuckli, VRP Bossard Holding AG

Zurück zur Bossard-Gruppe. Haben Sie aktuell Kenntnis von Verunsicherung bei ausländischen Geschäftspartnern?

Zu mir als Verwaltungsratspräsident ist bislang nichts dergleichen durchgedrungen. Aber wenn ich sehe, dass Grössen aus der Pharmabranche wegen der politischen Unsicherheit erwägen, ihre Forschung ins Ausland zu verlagern, gibt mir das schon zu denken.

Hat die Bossard-Gruppe ein – aus Ihrer Sicht – «Worst-Case-Szenario» für den Fall einer Annahme der SBI ausgearbeitet?

Nein, aber klar ist: Wir wollen unseren vertraglichen Pflichten nachkommen. Wäre das vom Standort Zug aus nicht mehr möglich, müssten wir uns Alternativen überlegen. Ab Zug erwirtschaften wir rund 150 Millionen Franken Umsatz. Würden bei einer Annahme der SBI internationale Handelsverträge wie die Bilateralen mit der EU aufgekündigt, sind dieser Umsatz und die dazu gehörenden Arbeitsplätze gefährdet. Sorgen macht mir auch der Status der EU-Bürger, die bei Bossard arbeiten. Würde die Personenfreizügigkeit gekündigt, stünde deren Aufenthaltsbewilligung in Frage.

Schenkt man den neusten Umfragetrends Glauben, wird die Initiative ziemlich deutlich abgelehnt werden. Denken Sie wirklich, es kommt anders heraus?

Ich will nicht spekulieren und hoffe einfach, dass das Schweizer Volk genau hinschaut. Die Initianten kämpfen – wie Brexit-Anhänger in Grossbritannien – gegen die EU und die Europäische Menschenrechtskonvention. Das ist eine Haltung, die ich nicht teile, die man jedoch vertreten kann. Aber dann soll man das auch offen sagen und die Kündigung all dieser Verträge verlangen.

Wie andere Unternehmen mit internationaler Ausrichtung beklagt auch Bossard die angeblich ständig ausgebauten Vorschriften im Zollwesen und in anderen Bereichen. Mit der Annahme der SBI könnten einige Hürden fallen.

Dem muss ich fairerweise zustimmen. Allerdings würde uns der Wegfall dieser Vorschriften nichts nützen, wenn wir ganz grundsätzlich nicht mehr exportieren dürften.

Welche Vorteile sehen Sie bei einer Annahme der Initiative?

Keine. Aber ich kann mir vorstellen, dass ein Gewerbler, ein Bäcker oder ein Schreiner, der primär in seiner Region tätig ist, keine Nachteile für seine Geschäftstätigkeit erkennt.

Sie verstehen also, wenn Kleinunternehmer Ja stimmen?

Ja. Die globale Wirtschaft wird immer komplexer: Der Lörracher Schreiner kommt ins Baselbiet, ja bis nach Zug. Das gibt Druck. Zudem kann man über gewisse Dinge in der EU geteilter Meinung sein. Aber im Ganzen gesehen, ist die Schweizer Wirtschaft nur so gross geworden, weil sie sich als Exportnation stets mit dem Ausland arrangieren konnte. Viele Schweizer Unternehmen, so auch Bossard, liefern heute in die EU und die ganze Welt. Wir dürfen den Ast nicht absägen, auf dem wir sitzen. Wer das will, soll das wenigstens ehrlich sagen. Genau das tun die Initianten nicht, und das ärgert mich.

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