Selbstdisziplin und Neugier

Der Eishockeyprofi Yannick Zehnder beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf seinen Alltag auswirken.

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Yannick Zehnder (22, Eishockeyprofi), Baar

Yannick Zehnder (22, Eishockeyprofi), Baar

Der Blick auf den Kalender erinnert mich daran, dass ich bei einem Finaleinzug des EVZ jetzt noch Eishockeyspielen könnte. Ein Traum, ich weiss.

Die Realität ist eine andere. Wie bei vielen anderen Menschen in der Schweiz ist meine Komfortzone geschrumpft. Im Haus, im Garten mit der Freundin, eine etwas grössere Runde um den Block. Wir halten uns an die Vorgaben des Bundes.

Ich wohne noch bei meinen Eltern. Wir haben einen grossen Garten. Dort hat mir mein Vater eine Unterlage platziert, auf welcher ich ein variantenreiches Schusstraining machen kann, oder ich feile an meiner Schusstechnik. Des Weiteren hat er mir eine Apparatur zusammengeschweisst, mit der ich verschiedene Kraftprogramme absolvieren kann.

Mir ist wichtig, dass ich strukturiert durch den Tag gehe. Um 8 Uhr stehe ich auf, esse mein Frühstück. Dann starte ich mit dem Training. Meistens nehme ich mir dafür 90 Minuten Zeit. Dann sitze ich mit den Eltern an den Mittagstisch. Hinterher etwas Ruhe, aber nicht zu lange – oder ich nehme ein Buch in die Hand. Die zweite Trainingseinheit folgt dann gleich im Anschluss.

Einfach nichts machen, geht nicht. Es gibt harte Tests. Abwechslung ist mir bei der Gestaltung des Tagesablaufs sehr wichtig. Ich zähle eine Federballpartie mit meiner Freundin auch dazu. Zwei Nachmittage in der Woche sind für die Schule reserviert. Die kaufmännische Ausbildung habe ich hinter mir. Jetzt bin ich an der Berufsmatura im Bereich Wirtschaft. Bleibt noch etwas Zeit, spiele ich auch gerne am Computer.

Ich darf den Fokus nie verlieren. Selber motivieren gehört dazu wie eine eiserne Selbstdisziplin. Auf der Beliebtheitsskala steht das Sommertraining auch heute noch nicht auf Platz eins. Aber es muss sein. Neugierig bin ich, was mich und meine Kollegen im Sportzentrum OYM in Cham erwartet. Eine nutzbare Eisfläche hätte es dort jetzt schon. Bis es so weit ist, muss ich weiter jederzeit das Beste geben.

Aufgezeichnet von: Marco Morosoli