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SERIE (1/5): Tradition gepaart mit Innovation

Die ersten Stromzähler hat die Zuger Landis & Gyr noch mit einem Pferdefuhrwerk zum Bahnhof gebracht. Während des Ersten Weltkriegs kaufen die Firmeninhaber gar einen Elektrolastwagen.
Marco Morosoli
Der L & G-eigene Bahnhofplatz mit der Speditionshalle 1939. (Bilder: Archiv für Zeitgeschichte (ETH Zürich)/Verein Industriepfad Lorze)

Der L & G-eigene Bahnhofplatz mit der Speditionshalle 1939. (Bilder: Archiv für Zeitgeschichte (ETH Zürich)/Verein Industriepfad Lorze)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Zuger Ansichten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert wirken auf ihre Betrachter heute wie Bilder aus einer anderen Welt. Die Lorzenebene ist noch nicht mit Bauten verstellt. Auch rund um die Zuger Altstadt bestimmt noch sattes Grün die Szenerie.

Der Zugang zur 1896 vom Konstrukteur Richard Theiler sowie Adelrich Gyr gegründeten Theiler & Co. hat noch 1925 die Qualität einer Hofzufahrt. Ob deshalb der Name Hofstrasse für die Erschliessung dieses Gebiets gewählt worden ist, ist unbekannt. Diese ist jedoch so schmal, dass nicht einmal zwei Fuhrwerke darauf kreuzen können. Mehr noch: Die Strasse ist beidseitig von mächtigen Hecken umrahmt, die die Qualität von Lärmschutzwänden gehabt haben. Durch diese enge Gasse werden also die für die Stromzählerproduktion notwendigen Rohstoffe vom Bahnhof Zug zur Fabrik transportiert und die fertigen Erzeugnisse wieder dorthin gebracht.

In den Anfangszeiten werden pro Jahr rund 1200 Zähler produziert. Die 30 Angestellten gehen zu Fuss zu ihrer Arbeit in den Industriebetrieb. Dieser tritt seit 1905 unter dem Namen Landis & Gyr (LG) auf. Die Hofstrasse hat sich im Laufe der Jahre nicht verändert, die Landis & Gyr setzt hingegen zu einem weltweiten Siegeszug an. 20 Jahre nach der Gründung fertigen 1300 Mitarbeiter bereits 200000 Zähler pro Jahr. Das Zuger Unternehmen ist der Zeit voraus und setzt auf einen Elektrolastwagen, auf den 1000 Kilogramm geladen werden können.

Der Wechsel vom Pferdefuhrwerk zum Elektrolastwagen geschieht dabei nicht ganz freiwillig: Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) werden Pferde von der Armee requiriert. Die L & G bleibt der umweltschonenden Antriebsart treu und kauft später noch zwei weitere Lastwagen mit Elektroantrieb. Die Gefährte stammen von der Firma Tribelhorn aus Feldbach ZH.

Doch nicht nur der Transport der hergestellten Güter fordert die Firma heraus. Auch die über den Kanton verteilten Mitarbeiter müssen zum Betrieb geführt werden. Auch hier ist die L & G innovativ und verbilligt ihrem Personal die Kosten für die Strassenbahn. Für den Fabrikpatron Karl Heinrich Gyr ist das eine bessere Investition, als die Angestellten in betriebseigenen Wohnsiedlungen unterzubringen.

Die Landis & Gyr bezahlt für Tramfahrten

Die Landis & Gyr greift aber nicht nur ihren Arbeitern unter die Arme, sondern bezahlt den Elektrischen Strassenbahnen Kanton Zug (ESZ) auch ein Entgelt für Frühkurse oder zusätzliche Wagen an fahrplanmässigen Zügen. Die ESZ hatte sich damals noch nicht mit Konkurrenz im Personenverkehr herumzuplagen. Das Gedränge ist aber trotzdem gross geblieben. Ein ESZ-Kontrolleur hat einmal in einem für 56 Personen zugelassenen Wagen deren 126 gezählt. Obwohl viele Mitarbeiter mittlerweile nicht mehr zu Fuss zur Arbeit haben gehen müssen, ist Pendeln in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kein Schleck. Eine Fahrt von Oberägeri nach Zug dauert 54 Minuten. Zwischen Baar und Zug ist das Tram 16 Minuten unterwegs gewesen. Während des Ersten Weltkriegs auf dem Zugerberg gestochenen Torf aufs L & G-­Firmengelände an der Hofstrasse zu schaffen, ist eine Herkulesaufgabe: Der Torf wird in Kisten verpackt und auf einen kleinen ­Güterwagen der Standseilbahn Zugerberg–Zug geladen. In der Schönegg wiederholt sich die Szenerie. Der Rohstoff wird anschliessend vom Tram in die Stadt transportiert und im ESZ-Depot abgeladen. Von dort bringt die L & G die wertvolle Fracht auf das Firmengelände.

Da am Standort Hofstrasse ein weiterer Ausbau nicht mehr möglich ist, hat sich die L & G-Geschäftsführung nach einem neuen Standort umgesehen. Dieser wird nach und nach ins Gebiet der Schleife der Bahnstrecke von Zug nach Affoltern am Albis versetzt. Ursprünglich als Masterplan aus einem Guss vorgesehen, muss wegen der Weltwirtschaftskrise die Gebietsentwicklung gestückelt werden. Es werden Einzelbauten erstellt, für die ein unmittelbares Bedürfnis besteht.

Im Zuge dieser Zügelaktion der L & G von der Hofstrasse in das Gebiet westlich des Bahnhofs Zug wird der Industriebetrieb ans Streckennetz der SBB angebunden. Die Zeit der umständlichen Transportketten ist damit Geschichte. Eine Rangierlokomotive führt die Güterwagen jeweils ab, um sie später einem Güterzug mitzugeben.

Eine Dampflokomotive holt die Güterwagen ab

Die eingesetzte Rangierlokomotive der SBB wird dabei noch mit Dampf betrieben. Eine solche Lokomotive steht denn auch kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges auf dem LG-Firmengelände. Es handelt sich hierbei um eine E 3/3. Gebaut hat diese dreiachsige Zugmaschine die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur im Jahr 1907 für die SBB. Die Lokomotive ist auch unter dem Namen «Tigerli» bekannt. Wie lange die Lokomotive in Zug im Einsatz gewesen ist, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Bis in die 1960er-Jahre sind diese Dreiachser jedenfalls noch im Dienst gestanden. Speziell ist, dass von den knapp 120 Exemplaren, die von dieser Dampflokomotive gebaut worden sind, rund 20 immer noch vorhanden sind. Betriebsfähig sind diese allerdings nicht mehr alle.

Auch für die Landis + Gyr hat sich seither einiges verändert. So verfügt sie beispielsweise heute über keinen eigenen Gleisanschluss mehr.

Hinweis

In einer fünfteiligen Serie stellen wir die Geschichte der L & G unter verschiedenen Aspekten vor. Die Bilder stammen aus dem Buch von Heinz Horat «Die Fabrik in der Stadt Zug» – Wie die Landis & Gyr Zug verändert hat (ISBN 978-3-03919-436-0). Das Buch kann über den Buchhandel oder beim Industriepfad Lorze für 59 Franken bestellt werden.

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