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SERIE (2/5): Landis & Gyr: Es begann mit knapp 30 Arbeitern

Die Landis & Gyr hat einst an der Hofstrasse mit nur wenigen Mitarbeitern klein angefangen. Das Unternehmen wurde bald zu einem grossen und beliebten Arbeitgeber - nicht zuletzt wegen seiner Leistungen.
Samantha Taylor
Mitarbeiter der Landis & Gyr verlassen nach Feierabend die Fabrik.

Mitarbeiter der Landis & Gyr verlassen nach Feierabend die Fabrik.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Bis heute ist sie ein Begriff und bis heute prägt sie die Stadt und den Kanton Zug: die Landis & Gyr. Gegründet wird sie 1896 als kleine Manufaktur mit einigen Dutzend Mitarbeitern. Doch das soll sich schon bald ändern, und in den folgenden 100 Jahren steigt die Unternehmung sogar zu einem der wichtigsten Arbeitgeber im Kanton auf. 1987 verkauft die Gründerfamilie ihre Aktienmehrheit am Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Firma weltweit 18 500 Mitarbeiter – rund 5000 davon in Zug. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 6000 Mitarbeiter in über 30 Ländern.

Doch zurück zum Anfang und zurück nach Zug. Die Firma, die zu Beginn in einem repräsentativen zweigeschossigen Backsteinneubau an der Hofstrasse untergebracht ist, beschäftigt im Jahr 1898 erst rund 30 Personen, darunter zahlreiche Lehrlinge und Frauen. Die Arbeiter sind teil­weise im oberen Stockwerk des ­Gebäudes in Wohnungen untergebracht. Es herrschen strikte Regeln auf dem Areal und während der Arbeit. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 57,5 Stunden. Alkohol ist untersagt, obwohl der kantonale Fabrikinspektor festhält: «Dieses Verbot kann sicher nicht aufrechterhalten werden. Die Arbeiter müssen sich in den Pausen, wenn auch nicht unbeding mit Spirituosen, so doch mit einem Bier oder Most stärken können.»

Die Fabrik muss expandieren

Das Fabrikareal an der Hofstrasse wächst in den nächsten Jahren und mit ihm die Zahl der Mitarbeiter – ab 1908 verdoppelt sie sich fast jährlich. 1914 beträgt die Nutzfläche des Fabrikareals 6500 Quadratmeter, und ein Jahr später zählt die Unternehmung 900 Mitarbeiter. Und auch die Produktionskraft legte zu. Während 1905 noch 3600 Stromzähler im Jahr produziert werden, sind es zehn Jahre später schon 192 000 pro Jahr. Der Erste Weltkrieg beschert dem Unternehmen eine gute Auftragslage. Die Fabrik wächst also weiter und muss expandieren. Nach langen und zähen Verhandlungen kann die Landis & Gyr 1928 13 Hektaren Land in der Hertiallmend dazukaufen, womit sie insgesamt in dem Gebiet 23 Hektaren besitzt. Mit dem Bau der neuen Fabrik wird Ende September desselben Jahres begonnen.

Landparzellen und eine Dörrmaschine

Die Landis & Gyr versucht stets, für die Mitarbeiter auch ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen und sie über die eigentliche Arbeitszeit hinaus zu versorgen. Das Engagement zeigt sich in verschiedenen Bereichen. Die Landis & Gyr führt 1906 als einer der ersten Industriebetriebe den freien Samstagnachmittag ein. Ab 1915 gewährt sie Festan­gestellten bis zu sechs Tagen ­bezahlten Urlaub. 1917 wird eine Krankenkasse für das Personal gegründet und 1921 eine Wohlfahrtsstiftung. Durch die Stiftung betrieben werden ein Fonds für Tuberkulosebekämpfung, eine Badeanstalt und die Kantinen. Die Stiftung kümmert sich zudem um eine Frühstücksabgeltung, die Krankenpflege, einen Kindergarten und die Abgabe von Lebensmitteln. Der Industriebetrieb stellt für seine Angestellten ausserdem Pflanzplätze bereit, damit diese einen Teil ihres Lebensmittelbedarfs selbst produzieren können. Die Beschaffung von Saatgut wird erleichtert und die Firma hat eine Dörranlage errichtet, die den Arbeitern zum kostenlosen Dörren von Obst und Gemüse zur Verfügung steht.

Der Arbeitsweg ist ebenfalls ein Thema. Denn die Arbeiter kommen häufig von weit her. Auch wenn das heute nicht mehr so wirken mag, so muss bedacht werden, dass damals viele den Weg zu Fuss zurücklegen. Karl Heinrich Gyr schreibt dazu 1920: «Im Bestreben, die Nachteile des Anwachsens der industriellen ­Bevölkerung in Zug selbst nach Möglichkeit zu verhindern, haben wir seit Jahren unseren Arbeitern und Angestellten, die in den Aussengemeinden Baar, Menzingen, Ägeri usw. wohnen, Arbeiterabonnemente auf den Strassenbahnen des Kantons zu gerin­geren Taxen verabfolgt und für Transportmöglichkeiten den betreffenden Strassenbahnunternehmen ganz erhebliche Beträge bezahlt.» 60 000 Franken betragen die jährlichen Leistungen in diesem Bereich. Man glaube, dass diese Art der «Wohnungssubvention» sozialpolitisch besser angewandt sei als alle Aufwendungen für Konzentrationen des Personals in «Wohnkolonien» am Sitz des Unternehmens.

Grossprojekte sollen Wohnungsnot eindämmen

Trotz dieser Aussage Gyrs investiert die Unternehmung auch in Arbeiterunterkünfte. Schon 1918 wird der Versuch zur «Schaffung von Heimen für Ledige» unternommen. Die Landis & Gyr kauft damals das Kurhaus Waldheim an der Zugerbergstrasse als Frauenhaus und das Hotel Löwen am See für Männer. Die Liegenschaften wurden 1924 wieder verkauft, weil es nun Arbeitersiedlungen gibt.

Der Industriebetrieb errichtete unter anderem im Jahr 1921 in der Gartenstadt zwei Reihenhäuser mit je sechs Wohnungen in der heutigen Gartenstadt. Später – in den 1960er-Jahren – folgen Grossprojekte wie jenes im Fridbach in Oberwil. Das Projekt von Leo Hafner und Alfons Wiederkehr sieht 186 Wohnungen vor, die in zwei Hochhäusern mit 11 und 15 Geschossen, in Mehrfamilienhäusern sowie in Einfamilienhäusern organisiert sind. Der Grund, weshalb sich die Landis & Gyr für ein solches Grossprojekt entscheidet, ist der Hauszeitung aus dem Jahr 1961 zu entnehmen: «Seit Jahren hat die Firma einen Mangel insbesondere an Berufsarbeitern und technischem Personal. Dabei muss die Personalabteilung feststellen: Wir haben zwar einen Mann, aber dieser kann keine vernünftige Wohnung finden.» Eine Aussage, die auch heute noch Gültigkeit hat.

Hinweis

In einer fünfteiligen Serie stellen wir die Geschichte der L & G unter verschiedenen Aspekten vor. Die Bilder stammen aus dem Buch von Heinz Horat «Die Fabrik in der Stadt Zug – Wie die Landis & Gyr Zug verändert hat» (ISBN 978-3-03919-436-0). Das Buch kann über den Buchhandel oder beim Industriepfad Lorze für 59 Franken bestellt werden.

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