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SERIE (3/5): Die Landis & Gyr spielt Powerplay

Der Standort an der Hofstrasse in Zug wird dem Zählerhersteller zu klein. Das Unternehmen sucht ein Gebiet, welches durch die Eisenbahn und leistungsfähige Strassen erschlossen ist. Zug ist dabei nur eine Option.
Marco Morosoli
Bereits 1930 stehen in der Affoltern-Schlaufe westlich der Bahngleise die ersten Fabrikhallen der Landis & Gyr. Am rechten oberen Bildrand ist die Untermühle zu sehen, die heute noch steht.

Bereits 1930 stehen in der Affoltern-Schlaufe westlich der Bahngleise die ersten Fabrikhallen der Landis & Gyr. Am rechten oberen Bildrand ist die Untermühle zu sehen, die heute noch steht.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Dass sich die Landis & Gyr einst zu einem Weltkonzern mit Hauptsitz in der Stadt Zug entwickelt hat, ist keineswegs gottgegeben. Der 1896 gegründeten Firma hat das Gelände an der Zuger Hofstrasse mitten der 1920er-Jahre keine Expansionsmöglichkeiten mehr geboten. Die Unternehmensleitung hat dabei ganz genau gesagt, was sie sucht: Ein sehr viel grösseres, flaches, durch die Eisenbahn und leistungsfähige Strassen erschlossenes Areal musste gefunden werden. Und das so schnell wie möglich.

Die hohen Herren haben sich dabei keineswegs als heimatverbunden erwiesen. Das zeigt sich schon darin, dass es Pläne gegeben hat, die neue Landis & Gyr in der Nähe von Saint-Louis im Süden des Elsasses zu bauen. Dort hatte der Zählerproduzent ebenfalls kurz nach dem Ersten Weltkrieg eine Fabrikationsstätte in Betrieb genommen.

Neben Zug haben noch zahlreiche andere Standorte in der Schweiz um die Landis & Gyr gebuhlt. Dies, weil die Geschäftsleitung sich bezüglich der neuen Sitzwahl alle Optionen offenhalten wollte. Verbrieft sind Angebote aus Muttenz, Pratteln, Rheinfelden, Biel, Möhlin, Liestal und Frenkendorf.

Es zeigt sich, dass schon vor knapp 100 Jahren Standortmarketing ein Thema gewesen ist. So ist bekannt, dass eine städtische Verwaltung zahlreiche Vergünstigungen in Aussicht gestellt hat. Fünf Hektaren Land wären beim Deal gratis zu haben gewesen. Die Stadt ohne Namen hätte auch einen Gleisanschluss bauen lassen, und auch bezüglich der Erschliessung durch Strassen ist staatliche Hilfe in Aussicht gestellt worden. Zudem wäre noch mehrere Jahre Steuerfreiheit Bestandteil des Deals gewesen.

Der Patron stellt einen Forderungskatalog auf

Aber die Landis & Gyr hat natürlich auch bei der Stadt Zug angeklopft. Dass das Traditionsunternehmen letztlich doch Zug die Treue gehalten hat, liest sich heute wie ein Krimi.

Karl Heinrich Gyr, der damalige Patron, hat am 16. August 1927 im Theilerhaus einen Vortrag gehalten. Zugehört haben zwei Regierungsräte, zwei Stadträte, Vertreter der Korporation Zug, der Wasserwerke Zug, der Elektrischen Strassenbahnen und ein Vertreter des kantonalen Handwerker- und Gewerbeverbandes. Gyr hat nicht lange um den heissen Brei geredet, sondern die Karten auf den Tisch gelegt. Seine Firma werde in Zug bleiben, wenn ihr von allen Seiten beigesprungen werde. Den Druck hat der Firmenpatron noch erhöht, indem er mitteilte, es lägen 60 weitere Angebote vor. Das Gebaren der Landis & Gyr hatte die Qualität wie das Powerplay in einem Eishockeyspiel. Der Forderungskatalog, welcher später veröffentlicht wurde, war sehr lange. Von den kantonalen Behörden haben die Herren verlangt, dass das Steuergesetz dergestalt geändert werde, um Holdinggesellschaften zu begünstigen. Ferner solle der Kanton dafür besorgt sein, das Strassennetz in Schuss zu bringen.

Die Unternehmensleitung der Landis & Gyr hat dabei auch klar gesagt, wo sie wachsen will: innerhalb der heute nicht mehr existierenden Gleisschlaufe der SBB-Strecke Zug–Affoltern am Albis–Zürich. In den 1920er-Jahren war dieses Gelände noch weitgehend unbebaut. Die Landis & Gyr hatte dort bereits Land erworben, aber dieses war mit einem Servitut belastet: Sie hätte darauf nur Wohnungen, nicht aber ein Fabrikgelände bauen können. Hier kommt die Korporation Zug ins Spiel. Diese ist angegangen worden, auf diese Verpflichtung zu verzichten. Ferner solle die Korporation weitere Flächen innerhalb der Gleisschlaufe für die Erweiterung der Fabrik zur Verfügung stellen. Der Forderungskatalog der Landis & Gyr ist nicht überall gut angekommen. Die konservativen «Zuger Nachrichten» titeln im Leitartikel in der Ausgabe vom 29. August: «Noch mehr Industrie». Das Blatt beklagt sich dabei, dass die Landis & Gyr für eine Zunahme der unselbstständig Erwerbenden sorge. So werde der bäuerliche und gewerbliche Mittelstand verdrängt. Allerdings ist auch immer wieder erwähnt worden, dass niemand bestrebt sei, den grössten Arbeitgeber im Kanton Zug zu verlieren. Bei einer Einwohnerzahl von 30000 haben deren 1000 in der Landis & Gyr ein Auskommen gefunden. Andererseits hat sich Karl Heinrich Gyr laut dem «Zuger Volksblatt» bei seinem Vortrag auch darüber beklagt, dass die Lebenshaltung – inbegriffen die Wohnungsmieten – in Zug im Verhältnis zu anderen Ortschaften teuer sei.

Bis der letzte Widerstand gebrochen war, hat es etwas länger gedauert. Als der Grundsatzentscheid gefallen war, hat der Landis-&-Gyr-Schnellzug dann Fahrt aufgenommen. Die Bauarbeiten für den neuen Fabrikstandort haben bereits am 28. August 1928 begonnen. Dies, nachdem die Baubewilligung am 4. August desselben Jahres durch den Stadtrat erteilt worden ist. Ein Tempo, das sich heute wohl die meisten Bauherren wünschen würden.

Die Grosse Depression verlangsamt den Ausbau

Der aufgegleiste Masterplan ist dann zwar im Nachgang der Grossen Depression nach dem Schwarzen Freitag an der New Yorker Börse 1929 zurückgestellt worden. Doch als wieder bessere Zeiten gekommen sind, ist die Fabrik weiter gewachsen. Das Grün in der Gleisschlaufe ist nach und nach verschwunden. Einige der Bauten stehen heute noch, andere sind der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Markant ist das während des Zweiten Weltkrieges gebaute Verwaltungsgebäude der Landis & Gyr. Dort wird im kommenden Jahr die Stadtverwaltung einziehen. Dann ist der Kreis geschlossen. Was die Stadt Zug einst ermöglicht hat, kommt jetzt nach der Bezahlung einer grossen Summe wieder zu ihr zurück.

Hinweis

In einer fünfteiligen Serie stellen wir die Geschichte der L & G unter verschiedenen Aspekten vor. Die Bilder stammen aus dem Buch von Heinz Horat «Die Fabrik in der Stadt Zug – Wie die Landis & Gyr Zug verändert hat» (ISBN 978-3-03919-436-0). Das Buch kann über den Buchhandel oder beim Industriepfad Lorze für 59 Franken bestellt werden.

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