SERIE: Chef und «Büezer»

Richard Rüegg ist seit 2003 in der Zunft der Letzibuzäli, der er als Zunftmeister bereits fünf Jahre vorsteht. Doch er ist weniger Chef denn «Tätschmeister» der Fasnachtszunft. Ohne den 56-Jährigen geht (fast) gar nichts.

Charly Keiser
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Sabine Rüegg hilft ihrem Gatten Richard in den Letzibuzäli-Zunftkittel. (Bild: Maria Schmid (Zug, 22. Dezember 2016))

Sabine Rüegg hilft ihrem Gatten Richard in den Letzibuzäli-Zunftkittel. (Bild: Maria Schmid (Zug, 22. Dezember 2016))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Der Start zur Fasnacht 2017 scheint noch weit. Denn erst in 54 Tagen beginnt sie mit dem Schmutzigen Donnerstag offiziell. Sind die Protagonisten der fünften Jahreszeit im Endspurt, oder können sie noch eine ruhige Kugel schieben? Wir fragen beim Chef der Stadtzuger Fasnachtszunft Leztibuzäli nach, wie weit die Organisation der Fasnacht 2017 erledigt ist und was es dazu noch alles braucht.

«Die Fasnacht beschäftigt mich das ganze Jahr und nicht nur jetzt», antwortet Richard Rüegg. Im Moment sei die Organisation der Inthronisationen Thema. Am 14. Januar sei die erste in Baar, und er sei daran, dazu die Leute für die Delegation der Letzibuzäli zusammenzutrommeln. Am 21. Januar sei die nächste in Inwil und am 28. Januar die der Letzibuzäli selbst. «Tags darauf ist der Brauchtumsumzug in Baar, und dann folgt schon bald die Fasnacht mit dem Schmutzigen Donnerstag, unserem Umzug am Samstag in der Herti und der anschliessenden Lebuzenmeile.» Das alles stehe zwar schon mehr oder weniger, ergänzt Rüegg und gibt zu bedenken: «Aber es bleibt doch noch einiges zu tun.»

Nach der Fasnacht beginne bereits die nächste Fasnacht, sagt Zunftmeister Rüegg. Denn bis Mitte Juni müsse der neue Prinz verpflichtet werden, weil schon bald die Sommerferien folgten und dann gar nichts mehr gehe. «Am 11. 11. kommt das neue Fasnachtsbüchlein raus, und dieses dreht sich ja bereits um den neuen Prinzen.» Das Gut zum Druck sei einen Monat zuvor, und darum müsse das Büchlein bereits Ende August/Anfang September fertig sein.

«Die Fasnacht 2017 ist mehr oder weniger gelaufen»

Bereits sei die Auswahl des neuen Prinzen für die übernächste Fasnacht im Gang, verrät Rüegg. Denn wie bereits gesagt gebe es zur Fasnacht 2017 nichts mehr zu sagen, diese sei mehr oder weniger erledigt – die Organisation sei «gelaufen». Jedes Jahr könne sich im Fasnachtsbüchlein eine Gruppe der Zunft vorstellen, ergänzt er. Und dies seien im 2017 die «Fischli» und im nächsten Büchlein sehr wahrscheinlich die bisherigen Prinzen, die ja einen eigenen Verein haben, erklärt Rüegg.

Ein Thema seien heute schon die Bewilligungen für 2018, sagt Rüegg, die im Übrigen noch immer viel zu kompliziert und umfangreich seien. Doch da sei die Stadt – zusammen mit den Beteiligten – an der Arbeit. «Die Stadt hat intern schon Probeläufe gemacht, und wir hätten eigentlich den ersten externen Test machen sollen.» Dieser sei aber zurückgestellt worden, weil das System noch Mängel habe, erklärt Rüegg und betont: «Mit dem neuen System soll dann alles einfacher sein, weil die Veranstalter auf einer Plattform die erforderlichen Eingaben für eine Bewilligung vornehmen können.» Die Bewilligungen gehörten zur Feinplanung, erklärt Rüegg, die teilweise ebenfalls schon in Angriff genommen worden sei.

Latente Sorge um das Zunfthaus

Stetige Sorge bereite ihm das Zunfthaus, verrät Rüegg, der zudem für die CVP im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug und im Kantonsrat sitzt. «Dies, weil man nicht weiss, was mit dem Schulhaus Herti läuft.» Die Stadt habe zwar signalisiert, dass das Zunfthaus trotz der geplanten Erweiterung des Hertischulhauses bleibe, sagt Rüegg und ergänzt: «Aber schriftlich haben wir nichts, und man weiss ja nie.»

Und was ist der zeitlich grösste Aufwand für die Zunft? Das lasse sich so nicht quantifizieren, weil es enorm viele Kleinigkeiten zu erledigen gebe, die einen Aufwand von mindestens zwei Stunden pro Woche ergeben würden, antwortet Rüegg und fügt an: «Aber ein Meilenstein für die Zunft ist die Lebuzenmeile nach unserem Umzug in der Herti auf dem Stierenmarktareal; die auch ein Meilenstein in Sachen Arbeit ist.» Die «Meile» sei eines seiner wichtigsten Anliegen, bekennt Richard Rüegg.

Warum er sich denn das alles antue, wollen wir weiter wissen. «Aus Freude am Quartier und der Zunft», sagt er und präzisiert: «Die Letzibuzälizunft hat für mich mehr Wertigkeiten als nur die Fasnacht. Sie ist für mich ein soziales Projekt, zu dem auch das Zunfthaus als Quartiertreffpunkt gehört. Da trifft sich Alt und Jung, Arm und Reich, Büezer und Elite. Unser Zunfthaus und unsere Zunft leben die Integration und zeigen, wie eine optimale Durchmischung und eine soziale Gemeinschaft sein sollten.»

So gebe es einige Leute, die täglich ins Zunfthaus kämen und die dieser Besuch sprichwörtlich am Leben erhalte. Er selbst sei rund dreimal pro Woche im Zunfthaus, sagt Rüegg. «Um die Post zu holen, zu sortieren und die Rechnungen weiterzuleiten.»

«Die Zuger Fasnacht hat sich positiv entwickelt»

Wie ist die Stadtzuger Fasnachtszunft für die Zukunft aufgestellt? «Recht gut, wie ich meine», antwortet Rüegg. Denn dank der Gruppierung «Lürisch Koreckt» seien immer mehr Junge im Boot, die eine Aufgabe hätten und zudem Freude an der Zunft und der Fasnacht. «Die Letzibuzälizunft und damit die Zuger Fasnacht haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt», sagt Rüegg und nennt sein grosses Ziel: «Ich wünsche mir für die Lebuzenmeile noch mehr Akzeptanz. Dass die jungen Zuger in Zug den Fasnachtssamstag nicht mehr in Sins, Luzern oder anderswo, sondern hier bei uns in der Herti geniessen.» Rund 500 Leute hätten den Abend bislang in der Lebuzenmeile verbracht, rechnet Rüegg vor. «Das Ziel ist, dass wir tausend und mehr Leuten eine tolle Fasnachtsparty bieten können.» Der Nachmittag bis zum Nachtessen sei gut – doch dann gebe es jeweils einen Rückgang. «Das Problem ist der Übergang und Start zur Party.»

Und was wünscht sich Richard Rüegg fürs neue Jahr? «Dass alle wissen: Am Fasnachtssamstag geht in Zug die Post ab – da müssen wir hin.»

Hinweis In unserer Serie «Menschen hinter den Geschichten» zum Jahreswechsel lassen wir Menschen zu Wort kommen, die Teil eines schlagzeilenträchtigen Ereignisses im Jahr 2016 waren, dabei jedoch eher im Hintergrund blieben.