Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SERIE: Hochhäuser kennen keine Gemeindegrenzen

Mit Utopien will das Bauforum Zug die Diskussionen über die künftige Entwicklung anregen. Diesmal zeigt sie auf, wohin der aktuelle Hochhausboom führen könnte.
Pius Sidler, Bauforum Zug
Wie gefällt Ihnen Manhattan in Zug? (Bild: Visualisierung Bauforum Zug)

Wie gefällt Ihnen Manhattan in Zug? (Bild: Visualisierung Bauforum Zug)

Die Wanderausstellung des Bauforums Zug macht mit der Vision, dass die ganze Lorzenebene wie Manhattan mit Hochhäusern überbaut wird, Halt. Ein Horrorszenario? – Vermutlich. Aber der aktuelle Hochhausboom im Kanton zeigt, dass über Bauten wie Hochhäuser, aber auch über Bauzonen und teilweise Infrastrukturen auf der Gemeindeebene entschieden wird, obwohl sie für die gesamte Region prägend sind.

Wolkenkratzer in der Lorzenebene

Als die vor sechs Wochen vom Bauforum Zug gestartete Wanderausstellung mit Visionen rund um das Wachstum in der Zuger Lorzenebene in Cham Station machte, regten die Planer an, inmitten der Lorzenebene einen gigantischen Park analog zu Stadtpärken wie dem New Yorker Central Park zu erstellen. Mit der aktuellen Vision, welche seit dieser Woche auf dem Steinhauser Dorfplatz zu sehen ist, setzen die Architekten und Ingenieure des Bauforums den Akzent umgekehrt. Sie konzentrieren sämtliches Wachstum auf die Lorzenebene selbst. Entsprechend würde dort eine Wolkenkratzerstadt entstehen. Wiederum wäre so der Druck von den übrigen Siedlungskernen genommen, würden die heutigen Siedlungsränder im übrigen Kantonsgebiet nicht weiter ausfransen.

Gemeinsames Leitbild

Eine attraktive Vision? – Im Vergleich zu den ersten zwei Visionen des Bauforums mag diese Vision wenig betören. Aber vielleicht ist sie näher bei der Wirklichkeit. Nicht, dass den diffus zusammenhängenden, an allen Ecken angeknabberten Freiräumen in der Lor-zenebene die Bebauung drohte. Aber tatsächlich erleben wir zurzeit einen zweiten Hochhausboom im Kanton, der das Dilemma, auf welches das Zuger Bauforum hinweisen will, verdeutlicht: Wie kaum eine andere Bauform wirken Hochhäuser weit über ihr nahes Umfeld, typischerweise die Fläche einer Gemeinde hinaus. Es ist egal, ob ein Hochhaus in Zug, Baar, Steinhausen oder Cham entsteht. Aus dem Landschaftsraum und damit dem Hoheitsgebiet einer Gemeinde herausragend wirkt es prägend für die gesamte Region. Darum wäre es eigentlich logisch, dass alle Seegemeinden gemeinsam ein Hochhausleitbild entwickeln würden. Doch dem ist leider nicht so. Trotz guter Ansätze existiert kein übergreifender Gestaltungswille. Mit einer Ausnahme haben die Gemeinden nicht mal für sich selbst festgelegt, wie sie mit dem Thema Hochhaus umgehen möchten.

So erhält die aktuelle, in Steinhausen gezeigte Vision mehr Bedeutung, als man zuerst erahnen würde: Hochhäuser bilden sozusagen die Spitze des Eisbergs. Wenn wir das Wachstum, das wir in den nächsten Jahrzehnten in unserem Kanton in der Lorzenebene haben werden, nicht kreativ in sinnvolle Bahnen lenken werden, wird unser Lebensraum weiterhin ohne übergreifendes Konzept umgepflügt und strukturiert. Bauzonen werden weiterhin an Gemeindegrenzen enden, jede Gemeinde wird nur auf sich selbst fokussiert planen, ein sinnvolles Ganzes wird nicht entstehen.

Politiker sind schnell wieder weg

Warum soll uns Bewohnerinnen und Bewohnern des Kantons dies interessieren? – Die Geschichte zeigt, dass Planungs- und Wahlzyklen viel schneller sind, als Pläne realisiert werden können. Macht sich eine Behörde hinter die Planung, dauert dessen Umsetzung viel länger als die Amtsperioden der gewählten Magistraten. Neue Ideen kommen auf, niemand verteidigt mehr die alten Visionen. Aber auch der Zeitgeist wandelt sich. Darum ist es so wichtig, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons, deren Bedürfnisse, Ziele und Werte sich über die Jahrzehnte weniger wandeln, sich in die Planung einbringen und nicht erst bei Abstimmungen über Sein oder Nichtsein entscheiden. Genau dies ist der Sinn der Visionen des Bauforums Zug. Es macht die Zuger Bevölkerung auf deren zentrale Rolle in der Planung aufmerksam und lädt dazu ein, ihre eigenen Visionen einzubringen.

Hinweis

Die Ausstellung auf dem Steinhauser Dorfplatz ist noch bis 9. Juni zu sehen. Dann wandert sie in die Stadt Zug (10. bis 30. Juni). Weitere Informationen: www.ichbinaucheinestadt.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.