Sex-Gespräch
Juso und Junge Alternative Zug fordern externe Untersuchung zur entlassenen Menzinger Kanti-Lehrerin

In einem gemeinsamen Schreiben sprechen sich Juso und Junge Alternative Zug für eine zeitgemässe Thematisierung von sexueller Selbstbestimmung im Schulunterricht aus. Das sehen auch andere Zuger Jungparteien so.

Linda Leuenberger
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Sexualkunde soll aus mehr als nur den biologischen Grundlagen bestehen, fordern Juso und JA Zug.

Sexualkunde soll aus mehr als nur den biologischen Grundlagen bestehen, fordern Juso und JA Zug.

Bild: Gaetan Bally/ Keystone

«Aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass an den Zuger Schulen zum Thema Sexualität nicht viel mehr als die biologischen Grundlagen gelehrt wird», schreiben Delia Meier (Co-Präsidentin Junge Alternative Zug (JA)) und Jana Kürzi (Co-Präsidentin Juso Zug) am Dienstag in einer Mitteilung. Sie nehmen damit Bezug auf die Entlassung einer Lehrerin der Kanti Menzingen, nachdem diese im September des vergangenen Jahres mit ihren volljährigen Schülerinnen in einer Doppellektion unter anderem sexuelle Selbstachtung von Frauen sowie weibliche Lust und Selbstbefriedigung zum Thema gemacht hatte. Unsere Zeitung hat vergangene Woche über den Fall berichtet.

Für die Entwicklung sexueller Selbstbestimmung und Selbstfindung junger Menschen sei eine «zeitgemässe Thematisierung im Unterricht zentral», schreiben die Co-Präsidentinnen von JA und Juso weiter. Sie beschuldigen die Schulleitung, durch die «fragwürdig begründete Entlassung» die Tabuisierung dieser Themen weiter verstärkt zu haben. Warum der befristete Vertrag der Lehrerin nicht verlängert wurde, begründete der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss gegenüber unserer Zeitung damit, dass die Schulleitung der Kanti Menzingen und die Lehrerin sich über das Rollenverständnis von Lehrpersonen nicht einig wurden, insbesondere in der Frage von Nähe und Distanz zu Schülerinnen.

In ihrer Mitteilung fordern die JA und die Juso Zug eine externe Untersuchung der Entlassung. Von den Zuger Schulen fordern sie zudem einerseits einen Aktionsplan, wie sexuelle Selbstbestimmung zukünftig in den Unterricht integriert werden soll, andererseits sollen die Schulen mehr Gewicht auf Partizipation der Schülerinnen und Schüler legen. Letztere Forderung rührt daher, dass die Schulleitung die Meinungen der Schülerinnen, welche damals an der Doppellektion teilgenommen haben, vor dem Entlassungsentscheid weder eingeholt noch berücksichtigt hat. Die Schülerinnen stehen nämlich hinter der Lehrerin, wie sich in einem später von ihnen verfassten Brief an die Schulleitung zeigte.

Jungparteien einig: Sexuelle Selbstbestimmung gehört in den Unterricht

Aus den anderen Jungparteien Zugs mag sich der Präsident der Jungfreisinnigen Gian Brun beispielsweise an die 6. Klasse erinnern, als im Rahmen der Sexualkunde Verhütungsmittel durchgenommen wurden. Emotionale und psychische Aspekte seien weder in der obligatorischen Schulzeit noch in der Berufsschule thematisiert worden. Dasselbe Bild zeichnet der Vorstand der Jungen Mitte Zug: Sowohl in der Sek wie auch in der Kanti sei kaum auf emotionale Aspekte eingegangen worden. «Allerdings wäre genau dies sehr wichtig, da nicht jede jugendliche Person die Möglichkeit hat, sich im Elternhaus über sexuelle Themen auszutauschen», wie die Junge-Mitte-Vizepräsidentin Flavia Röösli schreibt. Die JGLP Zug begrüsst es indes, dass im Einverständnis der Schülerinnen und Schüler in Sexualkunde auch tabuisierte Themen diskutiert werden.

Die Jungparteien sind sich einig, dass Sexualität breiter gefächert unterrichtet werden müsste – und vor allem an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst. «Für den Jungfreisinn ist Selbstbestimmung in der Gesellschaft sehr wichtig. Und dazu gehört ganz klar auch die sexuelle Selbstbestimmung, besonders jene der Frauen», so Gian Brun. Eine externe Untersuchung anzuordnen, wie sie die Junge Alternative und die Juso Zug fordern, findet er allerdings übertrieben. Nicht so die JGLP. Sie schreibt: «Da unbekannt ist, was genau vorgefallen ist, befürworten wir eine Aufarbeitung des Falles, um eine Lösung für alle Beteiligten zu finden.»

«Sollte die Entlassung wirklich die Folge dieser Doppellektion gewesen sein, in welcher sich keine der Schülerinnen unwohl gefühlt zu haben scheint und keine Reklamationen der Eltern vorliegen», so Gian Brun, «dann ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar.» Wenn, dann wäre eine Sensibilisierung oder Warnung angemessen gewesen. Die Junge Mitte empfindet die Entlassung der Lehrerin – soweit sie dies aus Zeitungsberichten beurteilen kann – als falsch, zumal die Schülerinnen die Lektion geschätzt hätten.

Die JSVP Zug gibt keine Stellungnahme ab, wie ihre Präsidentin Katharina Büttel schreibt: «Wir wissen wenig bis nichts über die genauen Gründe, die zur Entlassung geführt haben.»

Video: Tele 1

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