SEXAFFÄRE: «Ich bin total unschuldig»

Nach der negativen Haarproben­analyse wegen Verdachts auf K.-o.-Tropfen geht Markus Hürlimann in die Offensive. Er fordert die sofortige Einstellung des Vorverfahrens und prüft rechtliche Schritte.

Wolfgang Holz
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«Kein Medienstar, sondern einfacher Lokalpolitiker»: Markus Hürlimann bei der Pressekonferenz im Casino. (Bild Maria Schmid)

«Kein Medienstar, sondern einfacher Lokalpolitiker»: Markus Hürlimann bei der Pressekonferenz im Casino. (Bild Maria Schmid)

«Es ist zu keiner Schändung gekommen, und ich bin total unschuldig», sagte gestern Morgen SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann gegenüber unserer Zeitung. Zuvor hatte er bei einer Pressekonferenz im Zuger Casino bekräftigt, dass sich aufgrund der negativen Haarprobenanalyse der Tatverdacht gegen seine Person in keinster Weise erhärtet habe. «Ich erwarte, dass das Vorverfahren gegen mich umgehend eingestellt wird.» Er werde in den kommenden Wochen zusammen mit seinem Rechtsanwalt prüfen, ob und welche rechtlichen Schritte man angesichts der gegen ihn erhobenen Vorwürfe und der medialen Vorverurteilungen ergreife, denen er ausgesetzt gewesen sei. Ob er sich auch rechtliche Schritte gegen Jolanda Spiess-Hegglin vorbehält – dazu äusserte er sich nicht konkret.

«Ruf hat arg gelitten»

Die Haarprobenanalyse war Ende Januar angeordnet worden, um nachzuprüfen, ob der grünen Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin (34) K.-o.-Tropfen im Nachgang der Landammannfeier am 21. Dezember verabreicht worden waren. Bekanntlich sind sich die beiden Lokalpolitiker im Nachgang der Feier nahe gekommen. Hürlimann hat eingeräumt, dass es zu «Fremdküssen» gekommen ist. Von Geschlechtsverkehr explizit will er nach wie vor nichts wissen. «Ich habe in meinem Leben aber weder jemals über K.-o.-Tropfen oder ähnliche Substanzen verfügt, noch daran gedacht, solche zu verwenden», versichert der 40-Jährige. «Weder ich noch irgend jemand anders hat Jolanda Spiess-Hegglin am besagten Abend mit K.-o.-Tropfen oder sonst wie betäubt.»

Derzeit läuft indes eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft weiter, die überprüfen soll, ob es zu einem Delikt gegen die sexuelle Integrität gekommen ist. Doch dieses Vorverfahren will Hürlimann nun stoppen. Grund: Sein Ruf habe arg gelitten. Kurioserweise beruft er sich aber gerade auch – zur «Bestätigung meiner Unschuld» – auf besagte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Rahmen des Vorverfahrens. Denn speziell die Zeugenaussagen, bei denen er anwesend gewesen sei und die unter Wahrheitspflicht zu Protokoll gebracht worden seien, würden ihn entlasten und seine «bruchstückhaften Erinnerungen» bestätigen. Hürlimann: «Die öffentliche Vorverurteilung, der ich am 23. Dezember ausgesetzt war, ist damit widerlegt.»

Ein besonderer Dorn im Auge ist Hürlimann, dass aus seiner Sicht ein Missbrauch des Opferschutzes stattgefunden hat. Sprich: Der Verdacht auf Verabreichung von K.-o.-Tropfen sowie auf eine Verletzung der sexuellen Integrität von Jolanda Spiess-Hegglin, den das Kantonsspital an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben hat, ist seiner Meinung «nicht auf objektivierbare medizinische Erkenntnisse abgestützt». Das Resultat der Blutauswertung von Jolanda Spiess-Hegglin sei ja erst am 5. Januar bekannt geworden. Hürlimann: «Ich wurde also lediglich aufgrund einer durch eine Privatperson geäusserten Vermutung verhaftet und eine Nacht in einer Strafanstalt inhaftiert.» Er frage sich, ob dies als dringender Tatverdacht gegen seine Person ausreiche. «Den Rechtsstaat Schweiz stelle ich mir anders vor.»

Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, bestätigt, dass sich die vorübergehende Festnahme des SVP-Politikers allein auf den von Jolanda Spiess-Hegglin geäusserten Verdacht auf Schändung und auf die Verabreichung von K.-o.-Tropfen begründet habe. «So wie sie sich dabei geäussert hatte, tönte es nach einem schwerwiegenden sexuellen Delikt», so Schlatter. Andererseits sei es eine übliche Praxis der Justizbehörden, einen Verdacht auf Vergewaltigung genau zu prüfen. «Aussagen von möglichen Opfern sexueller Gewalt nehmen wir immer ernst, und wir leiten gründliche Ermittlungen ein.»

Was seine politische Karriere anbelangt, sieht der SVP-Politiker aufgrund der Sexaffäre nicht, warum er politisch unglaubwürdig geworden sein sollte. Geschweige denn zurücktreten sollte. Auch was seine parteiinterne Zukunft angeht, ist der Baarer überzeugt, dass die Mehrheit der Mitglieder nach wie vor hinter ihm steht. Einen Parteiausschluss befürchtet er nicht. «Das ist nur die Meinung einzelner Parteiexponenten, die eine Plattform suchen.» Gleichwohl entschuldigte er sich nochmals für die Vorfälle im Nachgang der Landammannfeier bei Landammann Heinz Tännler. Und bei seiner Ehefrau.

«Erinnerungen wiedergegeben»

Und was erwidert Jolanda Spiess-Hegglin auf das Statement von Markus Hürlimann? «Es ist nicht an Frau Spiess, die Aussagen von Herrn Hürlimann zu kommentieren», sagt ihr Sprecher Patrick Senn. Sie betone aber noch einmal, was sie schon immer gesagt hatte: Sie habe nie Anzeige gegen irgendjemanden erstattet, sondern im Spital am Tag nach der Landammannfeier ihre Symptome und ihre Erinnerungen geschildert. Senn: «Auf eine Verdachtsmeldung des Spitals an die Strafverfolgungsbehörden wurde Frau Spiess dann vorgeladen und befragt und hat wahrheitsgemäss ihre Erinnerungen wiedergegeben.»