SEXSKANDAL: «Wir haben einander geküsst»

Gestern Abend trafen sich die Mitglieder der SVP des Kantons Zug, um die Parolen für zwei eidgenössische Vorlagen zu fassen. Doch dies verkam zur Nebensache.

Drucken
Teilen
Markus Hürlimann während der Mitgliederversammlung der SVP des Kantons Zug am Donnerstagabend. (Bild: Keystone)

Markus Hürlimann während der Mitgliederversammlung der SVP des Kantons Zug am Donnerstagabend. (Bild: Keystone)

Charly Keiser

Unspektakulär. So sind normalerweise Mitgliederversammlungen der Parteien, an denen es um die Parolenfassung eidgenössischer Abstimmungen geht. Überraschend emotional oder kontrovers können solche Versammlungen sein, wie beispielsweise die vorletzte der SVP Zug am 4. November im Baarer Restaurant Sport-Inn. Bekanntlich sprach damals eine gewisse Jolanda Spiess-Hegglin als Gast und für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung.

Auch gestern Abend im Hotel-Restaurant Aesch in Walchwil war Spiess ein Thema. Dies aber nur indirekt und obwohl sie gar nicht anwesend war. Denn wie unsere Zeitung am Dienstag berichtete, machte ein Antrag des Walchwilers Rudolf P. Schaub die «Parolenfassung» zum medialen Schweizer Grossereignis. Dies, weil Schaub im Vorfeld den Antrag angekündigt hatte, dass die Versammlung Markus Hürlimann aus der SVP ausschliessen solle oder dies zumindest der Ortssektion Baar empfehlen solle. Kaum ein bekanntes Medium versäumte den Gang an die Zuger Riviera; Film- und Fotokameras oder besser deren Besitzer machten die Plätze in der «Aesch» rar.

«Würde gerne mehr sagen»

Die Spannung stieg, als um 21.30 Uhr Markus Hürlimann vor die Versammlung trat und sich erklärte. «Ich lese vor, weil sonst alles, was Sie noch nicht wissen, morgen online oder in der Zeitung steht. Ich würde gerne mehr sagen, mich mehr verteidigen. Aber aufgrund des Vorverfahrens sind mir die Hände gebunden.»

Hürlimann betonte erneut, dass er an der Landammannfeier einen Fehler gemacht habe. Er und Spiess hätten sich im Nachgang zur Feier und im Restaurant Schiff geküsst, gab er erstmals mit eigenen Worten zu. «Und dies nicht dort, wo all die anderen Gäste gewesen sind, sondern in einem anderen Raum», ergänzte er. Sie seien dabei von einem Kantonsrat erwischt worden, las Hürlimann weiter vor. Er verwahrte sich gegen die verschiedenen Anschuldigungen, insbesondere, dass Spiess und er sich vor der Landammannfeier schon nahe gekommen seien. Ganz kurz schimmerte durch, dass er ein Opfer der Darstellung von Spiess geworden sei. «Es war alles privat», verteidigte sich der Baarer.

Verschobener Showdown

Doch der von der Presse so sehnlichst erwartete Showdown wurde mehr zum grossen Graben innerhalb der Kantonalpartei. Denn nach dem Vorlesen von Schaubs Antrag durchkreuzte dessen Ortsparteikollege Jürg Steinacher das Vorhaben. Er stellte einen Ordnungsantrag und verlangte die Verschiebung des Traktandums, das an einer ausserordentlichen Versammlung behandelt werden solle.

«Wir machen uns lächerlich»

Der Antrag Steinachers fand eine Mehrheit die eine Hälfte des Saals jubelte, die andere kochte. Schaub kochte ganz besonders: «Ich will keinen Präsidenten, der mit unserem Gegner ein Techtelmechtel eingeht», betonte er. Es sei zwar löblich von Hürlimann, dass er sich an diesem Anlass gezeigt habe. Aber es gehe ums Prinzip. «Nicht um K.-o.-Tropfen, nicht um die strafrechtlichen Angelegenheiten. So liefern wir Stoff für weitere Schlagzeilen in der Presse.» Der Stadtzuger Jürg Messmer ergänzte: «Wir streiten und machen uns lächerlich.» Er verlange den Schluss der Versammlung, sagte ein anderer und fasste zusammen: «Das ist genau das, was die Grünen wollen.»

Ein weiteres Mitglied stand auf und sagte: «Ich bin seit 20 Jahren in der SVP. Ich zahle mein Bier draussen und trete hiermit aus der Partei aus.»