Sexualkurs im Jesuitenhaus – Bistum schweigt

«Raum und Zeit für Sinnlichkeit»: Mit diesem Kurs bringt das Lassalle-Haus in Menzingen Paaren die Sexualität näher. Ob dies dem Bischof gefällt? Und was denken Sie als Leser?

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Das Lassalle-Haus. (Bild: Neue ZZ)

Das Lassalle-Haus. (Bild: Neue ZZ)

Premiere in Menzingen: In einem dreitägigen Kurs wird Paaren eine «spirituelle Sexualität» nähergebracht – und zwar mit dem Segen des Jesuitenpaters Christian Rutishauser, dem Leiter des Lassalle-Hauses. Der Kursleiter ist Eugen Bütler (53), katholischer Theologe und Sexualberater, geboren in Zug, wohnhaft in Emmen. Pikant: Nach Meditationen und Referaten können die Paare das Gehörte in separaten Zimmern gleich in die Praxis umsetzen «und der spirituellen und lustvollen Dimension der Sexualität auf die Spur kommen», so Kursleiter Bütler.

Kein «Viertelstundensex»

Beim Kurs gehe es darum, Wege aufzuzeigen, die «über den üblichen Viertelstundensex hinausgehen.» Statt «immer nur auf das eine Ziel hinzuarbeiten», gehe es um neue Dimensionen der Sexualität.

Thema für Bischöfe zu heiss?

Felix Gmür, der für den Kanton Zug zuständige Bischof von Basel, war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Und Generalvikar Markus Thürig richtet lediglich aus: «Zum erwähnten Kurs nehme ich nicht Stellung, weil ich dessen Inhalte im Detail nicht kenne.» Auch die Schweizerische Bischofskonferenz und das Bistum Chur wollen sich zum Kurs nicht äussern. Vieles über die Haltung des Bistums Basel zum Thema Sexualität verrät jedoch ein Blick in das aktuelle Pfarreiblatt. Darin schreibt der Basler Weihbischof Martin Gächter: «Heute besteht die Gefahr, die Geschlechtlichkeit aus dem Familienzusammenhang herauszureissen und sie bloss für sich und zum eigenen Genuss zu suchen.» Die Geschlechtlichkeit gehöre in die Familie.

Kursleiter Eugen Bütler kann diese Argumentation nicht verstehen: «Dass die Sexualität nicht alleine fürs Kinderkriegen steht, sondern auch für die Festigung der Partnerschaft, hat selbst das vatikanische Konzil anerkannt. Darum müsste die katholische Kirche ein Interesse daran haben, Menschen zu helfen, die Sexualität spiritueller zu erleben.»

Alexander von Däniken

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