Shorty lässt sich nicht erwischen

Der Versuch, den Irrflug von Waldrapp Shorty in Risch mit einem Schussnetz zu beenden, ist gescheitert. Der Vogel suchte das Weite. Für den Fangversuch reiste extra ein Experte aus Deutschland an.

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Schon zum vierten Mal entzog sich der junge Waldrapp Shorty einem Fangversuch. (Bild: PD)

Schon zum vierten Mal entzog sich der junge Waldrapp Shorty einem Fangversuch. (Bild: PD)

Vogelexperte Reinhard Vohwinkel (rechts) und Tierarzt Martin Wehrle aus Goldau beim Versuch, den Vogel zu finden. (Bild: Roger Rüegger / Neue LZ)

Vogelexperte Reinhard Vohwinkel (rechts) und Tierarzt Martin Wehrle aus Goldau beim Versuch, den Vogel zu finden. (Bild: Roger Rüegger / Neue LZ)

Am Montagmorgen versuchte ein Team den Vogel in der Region Risch am Zugersee zu fangen. Mit dabei waren Martin Wehrle, Tierarzt und Kurator des Natur- und Tierparks Goldau, Martin Brunold, ein Hobbyornithologe aus Abtwil sowie Reinhard Vohwinkel, ein deutscher Vogelfangexperte, der für diesen Zweck ein Druckluftnetz mitbrachte.

Shorty fliegt davon

Das Team konnte den Vogel rasch finden. In einem ersten Versuch näherte sich das Team auf 15 Metern. Ab 10 Meter kann das Druckluftnetz eingesetzt werden. Dazu kam es aber nicht. Der Vogel flog zuvor ab. Bei zwei weiteren Versuchen wurde die Fluchtdistanz noch grösser.

Schon zum vierten Mal entzog sich der junge Waldrapp Shorty einem Fangversuch. (Bild: PD)

Schon zum vierten Mal entzog sich der junge Waldrapp Shorty einem Fangversuch. (Bild: PD)

«Bei jedem Versuch flog Shorty weiter weg, wir hätten heute keine Chance mehr gehabt. Das ist aber nicht so schlimm, denn der Vogel kommt offensichtlich gut zurecht», wird Martin Wehrle vom Natur- und Tierpark Goldau in einer Mitteilung zitiert. Damit schlug auch der vierte Fangversuch fehl. Frühere Versuche, den Waldrapp mit Futter anzulocken, scheiterten ebenfalls.

Weitere Fangversuche

In den nächsten zwei Wochen soll ein weiterer Fangversuch unternommen werden, sofern der Vogel wieder gesichtet wird. Deshalb bittet das Waldrappteam weiterhin um Sichtmeldungen. Johannes Fritz, Leiter des Artenschutzprojektes: «Viele Leute fragen sich, warum der Vogel überhaupt gefangen werden muss, wenn er offenbar so gut zurecht kommt. Der Aufenthalt in der Schweiz ist darauf zurück zu führen, dass Shorty im Herbst den Anschluss an seine Gruppe verloren hat und deshalb nicht weiss, wo das gemeinsame Wintergebiet seiner Artgenossen ist. Wir wollen ihn zu den anderen Waldrappen in die Toskana bringen. Nur dann hat er eine Chance, dauerhaft in freier Wildbahn zu überleben.»

Weltweit gibt es noch vier wildlebende Waldrappe, die das arttypische Zugverhalten zeigen. Rund 25 Vögel migrieren inzwischen jährlich zwischen ihrem Brutgebiet in Burghausen/Bayern und dem Wintergebiet in der südlichen Toskana. Shorty gehört zu dieser Gruppe.

pd/rem

Shorty fühlt sich inmitten anderer Vögel offensichtlich wohl. (Bild: PD)

Shorty fühlt sich inmitten anderer Vögel offensichtlich wohl. (Bild: PD)