Leserbrief

Sich aus verschiedenen Quellen eine Meinung bilden

Zum Leserbrief «Enge Verbindung von Russland und Weissrussland muss ernst genommen werden», Ausgabe vom 21. August

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Kürzlich stach mir ein Leserbrief in der Zeitung zur Lage in Weissrussland ins Auge. Da war von grosser Sympathie für Lukaschenko bei der belarussischen Landbevölkerung die Rede. Der Leserbriefschreiber sprach von engen sprachlichen und kulturellen Verbindungen zwischen Russland und Weissrussland, welche man ernst nehmen müsse.

Sogar Alexander Solschenizyn habe einen Zusammenschluss zwischen Weissrussland und Russland befürwortet. Demgegenüber wende sich die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja von Russland ab und dem Westen zu. Auch die EU unterstütze das. Das alles könne zu einem bösen Erwachen führen und selbst ein Szenario wie in der Ostukraine, wo bis jetzt mehr als zehntausend Tote zu beklagen sind, sei möglich.

Dieser Leserbrief war nicht von Wladimir Putin, sondern von unserem lieben Mitbürger Otto Röllin Junior unterschrieben. Bleibt zu hoffen, dass die engen sprachlichen und kulturellen Verbindungen zwischen der deutschen Schweiz und Deutschland nicht auch einen Zusammenschluss notwendig machen. Das kennen wir doch. Es waren damals wohl nicht Solschenyzin oder andere Schriftsteller, sondern es waren unsere Fröntler, welche im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs dasselbe anstrebten.

Interessanterweise argumentierten diese Nazi-Sympathisanten mit genau den gleichen Argumenten. Natürlich ist es unserem Mitbürger nicht verboten, neben der «Zuger Zeitung», auch die russische «Prawda» zu lesen. Sich aus verschiedenen Quellen eine eigene Meinung zu bilden schadet nie. Zudem ist es nicht verboten, zugestellte Leserbriefe auch zu lesen und sich ebenfalls dazu eine eigene Meinung zu bilden. Doch dies bevor man sie unterschreibt und weiterleitet. Andernfalls ist es zu spät.

Franz Felder, Neuheim