Diese junge Hünenbergerin bringt Menschen aus aller Welt zusammen

Vor zwei Jahren gründete die 23-jährige Sandra Herzog eine Meet-up-Gruppe für Neuzuzüger und Expats. Die Resonanz ist bis heute gross.

Rahel Hug
Drucken
Teilen
Stiess mit ihrer Idee auf grossen Anklang: Die Hünenbergerin Sandra Herzog. (Bild: Maria Schmid, Zug, 19. November 2019)

Stiess mit ihrer Idee auf grossen Anklang: Die Hünenbergerin Sandra Herzog. (Bild: Maria Schmid, Zug, 19. November 2019)

«100 Prozent Schweizer Käse»: Wenn Sandra Herzog gefragt wird, wer sie sei, beschreibt sie sich mit diesen Worten. «Ich bin eine typische Schweizerin, mir gefällt es zu Hause so gut wie nirgendwo sonst», sagt die 23-Jährige, die in Hünenberg aufgewachsen ist und noch immer dort wohnt. Ihr Zuhause, den Kanton Zug, und die hiesigen kulturellen Gepflogenheiten möchte sie auch neuen Leuten zeigen – und damit Menschen aus aller Welt zusammenbringen.

Vor zwei Jahren hat Sandra Herzog deshalb die Meet-up-Gruppe «Meeting new friends in Zug» gegründet. Das Prinzip der Plattform, auf der sich Gruppen in der ganzen Welt organisieren, ist simpel: Die Gründerin oder Administratorin plant verschiedene Anlässe, die Teilnehmer können sich anmelden, man trifft sich und anschliessend können Fotos der Events hochgeladen werden. Die Gruppe von Sandra Herzog zählt über 1200 Mitglieder und ist damit in Zug eines der populärsten Netzwerke für «Social Events».

Zwölf Leute trafen sich beim ersten Event

Seit dem Start hat die aufgeschlossene Sachbearbeiterin bereits rund 120 Meet-ups auf die Beine gestellt. Dazu gehören zweimal pro Monat lockere Treffen in einer Bar, aber auch Wanderungen, Velotouren, der Besuch des Chrööpfelimee, eines Samichlaus-Umzugs, der Jazz Night, der Zuger Messe oder einer Stadtführung. An ihren Anlässen nehmen Expats aus allen möglichen Ländern teil, und – zur Freude der Initiantin – vermehrt auch Einheimische. Als sie 2016 einen dreimonatigen Sprachaufenthalt in Vancouver absolvierte, kam Sandra Herzog auf den Geschmack.

Nach ihrer Rückkehr wollte sie weiterhin Kontakte mit Ausländern pflegen – auch, um ihre Englischkenntnisse nicht bald wieder zu verlieren. Sie erinnert sich noch gut an ihren ersten Event: Gemeinsam etwas trinken im Mr. Pickwick Pub in der Stadt Zug. «Ich war schon etwas nervös», blickt Sandra Herzog zurück. «Ich wusste ja nicht, wie viele Leute tatsächlich kommen würden. Ausserdem hatte ich kein besonderes Erkennungsmerkmal. Es dauerte also eine Weile, bis wir uns alle gefunden hatten.» Die Nervosität und die Bedenken waren schliesslich schnell verflogen. «Zwölf Leute kamen vorbei. Wir hatten einen schönen Abend mit spannenden Gesprächen.»

Die Resonanz auf ihre Idee hat die junge Frau selber überrascht. «In einer Gesellschaft, die immer anonymer wird, ist das Bedürfnis nach sozialen Kontakten ausserhalb der Arbeitswelt offenbar gross», sagt sie und fügt an: «Ich möchte mit meinen Anlässen einen Beitrag zu einer offenen, toleranten und aufgeschlossenen Welt leisten.» An ihren Meet-ups nehmen Leute zwischen 25 und 60 Jahren teil, die Gruppen seien bunt durchmischt, sagt Sandra Herzog. Dass sie oft die Jüngste ist, stört sie gar nicht. «Ich habe Freunde aus aller Welt gefunden. Das Alter, das Geschlecht oder die Herkunft sind völlig egal.» Dass sich niemand für einen Anlass interessiert habe, sei nie vorgekommen, erklärt die 23-Jährige. «Für gewisse Treffen, beispielsweise die ‹After-Work-Drinks›, muss ich sogar Wartelisten führen.»

Viele Neuzuzüger finden dank Sandra Herzogs Gruppe schnell Anschluss in ihrer neuen Heimat. Nicht ohne Stolz erzählt die Initiantin, dass aus ihrem Netzwerk bereits zwei Liebesbeziehungen entstanden sind. Eine weitere schöne Anekdote ist, dass sich zwei Expats, die zuvor in Brüssel im selben Haus gewohnt hatten, sich aber nicht kannten, in der Meet-up-Gruppe in Zug getroffen haben. Für Herzog sind solche Geschichten der Dank für ihr Engagement.

Wertvolle Tipps und Kontakte

Aber nicht nur: Die Hünenbergerin, die selber sehr gerne reist, hat auch im Ausland schon oft von «ihrer» Community profitiert. «Ich erhalte wertvolle Tipps und Kontakte. Auch wenn ich allein reise, bin ich am Ende nie allein», erklärt sie mit einem Lachen. Auf die Frage, ob ihr die Organisation der Treffen noch nie über den Kopf gewachsen sei, dies neben ihrem 100-Prozent-Pensum, sagt Sandra Herzog: «Früher habe ich noch Deutsch-Konversationen angeboten, damit musste ich aus Zeitgründen wieder aufhören. Doch abgesehen davon denke ich nicht ans Aufhören. Die Meet-ups sind mein grösstes Hobby, mein Leben geworden.»

Weitere Infos gibt es unter «Meeting new friends in Zug» auf der Plattform www.meetup.com.