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Mit Rückendeckung zum Lehrabschluss

Yannick Wey und Deysi Yagual haben es geschafft. Die beiden jungen Leute aus dem Kanton Zug haben ihre Berufsausbildung 
diesen Sommer erfolgreich abgeschlossen. Unterstützt wurden sie vom Case Management Berufsbildung Zug
Shirin Fischer
Deysi Yagual bei ihrer Arbeit im Coiffure City Hair. (Bild: Maria Schmid)

Deysi Yagual bei ihrer Arbeit im Coiffure City Hair. (Bild: Maria Schmid)

Zwei unterschiedliche Menschen mit zwei unterschiedlichen Geschichten - obwohl die beiden sich nicht kennen, verbindet, Deysi Yagual (26) und Yannick Wey (20) etwas ganz Bestimmtes. Beide wurden vor einigen Jahren beim Case Management Berufsbildung Zug (CMBB) angemeldet und haben mit dessen Unterstützung ihre Lehre erfolgreich gemeistert (siehe Infobox). Sonst unterscheiden sich aber ihre Biografien: Deysi Yagual ist als Einzelkind in Ecuador und der Schweiz gross geworden und ist nun in Zug wohnhaft, verheiratet und stolze Mutter der fünfjährigen Mia. Yannick Wey, der schon früh technikbegeistert war, ist mit seiner Mutter und seinen zwei älteren Brüdern im Kanton Aargau aufgewachsen und wohnt nun seit knapp drei Jahren in Rotkreuz.

Auch was ihre Ausbildungen betrifft, schlugen die beiden verschiedene Wege ein. Deysi Yagual brach ihr begonnenes Studium «Hotellerie und Tourismus» in Ecuador ab, als sie mit Mia schwanger wurde. Nachdem sie 2014 wieder in die Schweiz eingereist war, meldete sie sich beim Integrations-Brücken-Angebot (IBA) für Erwachsene in Zug an. Die Fachleute halfen ihr bei der Suche nach einer Lehrstelle und meldeten sie beim CMBB an. Mittlerweile hat Deysi ihre dreijährige Lehre als Friseurin beim Coiffure City Hair in Cham mit Erfolg abgeschlossen. «Das Case Management hat mich vor allem beim Formellen unterstützt. Meine Betreuerin beantragte Stipendien für meine Ausbildung und das war wichtig für mich», sagt die junge Mutter. Am meisten Hilfe habe sei aber von ihrem Ehemann und ihrem Stiefvater erhalten. «Es war schwierig für mich, dass ich meine Tochter so früh zur Fremdbetreuung geben musste. Deshalb war es toll, dass sich auch die beiden oft um sie gekümmert haben, wenn ich arbeiten war.»

Schwierige Herausforderungen

Yannick Wey an seinem Arbeitsplatz bei der Data Quest AG. (Bild: Dominik Wunderli)

Yannick Wey an seinem Arbeitsplatz bei der Data Quest AG. (Bild: Dominik Wunderli)

Auch Yannick Wey hatte auf dem Weg zum Lehrabschluss einige Herausforderungen zu meistern. Bereits die Zeit in der Oberstufe war für ihn nicht immer einfach. «Ich war damals psychisch angeschlagen. Da wir noch vor Beginn der Oberstufe vom Kanton Aargau nach Hünenberg umgezogen waren, kannte ich in der neuen Schule niemanden. Das war schwierig für mich», erzählt er. Später absolvierte Wey das 10. Schuljahr und arbeitete als Praktikant bei der ARP Schweiz AG in Rotkreuz. Doch kaum hatte er den Lehrvertrag dort unterschrieben, wurde ihm alles zu viel. Aufgrund persönlicher Probleme hielt er sich fünf Monate in einer psychiatrischen Klinik auf. Da die ARP Schweiz AG ihre Filiale in Rotkreuz schliessen musste, war Wey nach seinem Aufenthalt in der Klinik erneut eineinhalb Jahre auf der Suche nach einer Lehrstelle. «Eigentlich wollte ich mich zu dieser Zeit beim Case Management abmelden, aber für meinen Betreuer David Sidler kam das nicht in Frage. Das CMBB unterstützte mich somit gerade in dieser Zeit sehr.» Sein Betreuer habe ihm unter anderem mit seinen Bewerbungsunterlagen geholfen. «Aber auch auf die Unterstützung meiner beiden Brüder konnte ich zählen», sagt Wey. Schliesslich bekam er die Lehrstelle bei der Data Quest AG in Luzern.Während der Lehrzeit wurde er ebenfalls vom CMBB unterstützt. So traf er sich regelmässig mit seinem Betreuer für Semestergespräche. Bei der Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung brauchte er jedoch kaum noch Unterstützung. «Trotzdem wäre ich ohne das Case Management vielleicht heute nicht da, wo ich jetzt bin», erklärt der 20-Jährige. Diesen Sommer hat er nun seinen Lehrabschluss als Detailhandelsfachmann Consumer-Electronics gemacht.

Eine 5 im Durchschnitt

«Kaum Unterstützung» benötigte auch Deysi Yagual für die Lehrabschlussprüfung. Im ersten Semester der Berufsschule hatte sie sogar eine glatte 6 im Schnitt. Am Ende schloss sie mit einer 5 ab. Bei der praktischen Prüfung wurden ein Messerhaarschnitt, eine auslaufende Technik, Föhnen mit Umwandlung sowie eine komplette Veränderung mit Farbe und Haarschnitt verlangt. An ihrem Beruf gefällt ihr der Kundenkontakt. Einzig die Arbeitszeiten würde sie ändern, wenn sie könnte. Wie es beruflich weitergeht, weiss sie auch schon. «Ich werde beim Coiffure City Hair bleiben und in einem 80-Prozent-Pensum weiterarbeiten. Zudem habe ich mir überlegt, die Handelsschule zu absolvieren.»

28 gelang der Lehrabschluss

Das Case Management Berufsbildung Zug bietet Jugendlichen, deren Einstieg in die Berufswelt durch schulische und private Probleme gefährdet ist, eine strukturierte Begleitung auf dem Weg zum Abschluss ihrer beruflichen Grundbildung. Im Kanton Zug ist das vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ins Leben gerufene Case Management Berufsbildung dem Bildungsnetz Zug angegliedert. Das Angebot wird vollumfänglich durch den Kanton getragen. Seit Beginn des Programms im Jahr 2009 hat das Case Management Berufsbildung Zug (CM BB) über 500 Anmeldungen bearbeitet. Bis Ende Juni 2018 konnten schon 385 Fälle abgeschlossen werden. Mit dem Bestehen der Lehrabschlussprüfung endet die Begleitung durch das CMBB. Mittlerweile hat das Case Management Berufsbildung ein stabiles Niveau von zirka 120 Jugendlichen, die von drei Case Managern und einer Praktikantin betreut werden. Das Ziel des Projektes ist, dass möglichst alle Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, eine ihrer Fähigkeiten entsprechende Ausbildung zu absolvieren. (sf)

Auch mit einer 5 hat Yannick Wey die Lehre bestanden. Seine praktische Prüfung sah jedoch etwas anders aus. «Ich musste zwei lange Beratungen über Computer und Tablets führen», erzählt er. Auch sein Fachwissen und seine Betriebskenntnisse wurden getestet. Zufrieden mit seiner Abschlussnote ist er, aber «alles darunter wäre enttäuschend gewesen.» Seine Grundausbildung abzuschliessen, war ihm sehr wichtig. «Ich habe mich persönlich weiterentwickelt und viel Lebenserfahrung gesammelt», erklärt der 20-Jährige. An seinem Beruf gefällt ihm vor allem die abwechslungsreiche Arbeit. «Ich bin nicht nur im Verkauf tätig, sondern kann manchmal auch in der Technikabteilung aushelfen und Geräte reparieren.» Er überlegt sich zudem, eine Zweitausbildung als Informatiker in Angriff zu nehmen. Davor möchte er aber noch ungefähr ein Jahr in seinem jetzigen Beruf weiterarbeiten. «Weil die Informatik-Lehre vier Jahre dauert, will ich diese aber bald beginnen», erklärt Wey entschlossen.

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