Sie hat ihre Bestimmung im Ägerital gefunden

Pfarrerin Inge Rother hat diese Woche ihr Büro bei der reformierten Kirche Ägeri bezogen. Acht Jahre nach dem sie ordiniert wurde, arbeitet sie nun in ihrer Wohngemeinde – zusammen mit ihrem Mann Pfarrer Jürg Rother.

Carmen Rogenmoser
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Mit dem Büro bei der reformierten Kirche Ägeri wird für Pfarrerin Inge Rother ein Traum wahr. (Bild: Werner Schelbert (Oberägeri, 28. September 2018))

Mit dem Büro bei der reformierten Kirche Ägeri wird für Pfarrerin Inge Rother ein Traum wahr. (Bild: Werner Schelbert (Oberägeri, 28. September 2018))

Mit 61 Jahren wird für Inge Rother ein Traum wahr. Ein Traum, den sie so eigentlich gar nicht zu träumen wagte: Sie wird Seite an Seite mit ihrem Mann arbeiten. Per 1. Oktober übernahm sie die Aufgabe als Pfarrerin der reformierten Kirche Ägeri – und komplettiert damit das Pfarr-Team um Pfarrer Jürg Rother im Bezirk. Seit 1981 sind die beiden verheiratet, sie haben vier erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. Vor dieser neuen Konstellation habe sie zwar Respekt, aber sie freue sich sehr darauf: «Das wird bestimmt eine Herausforderung für uns. Ab jetzt wird jeder Sonntag einer von uns arbeiten», sagt Inge Rother.

Sie sitzt am Holztisch ihres hellen und gemütlichen Wohnzimmers. «Eine strikte Trennung von Arbeit und Privatleben ist als Pfarrer sowieso schwierig», sagt sie. Sie weiss, wovon sie spricht. «Wir wohnen seit mehr als 30 Jahren im Pfarrhaus. Hier am Tisch finden Sitzungen und Besprechungen statt und es kommt Besuch», so Inge Rother. Es sei immer sehr lebendig in ihrem Haus. «Ich weiss gar nicht mehr, wie wir das früher gemacht haben, als die Kinder noch klein waren und herumgerannt sind», sagt sie und lacht bei den Gedanken daran.

«Ich habe gemeinsam mit meinen Kindern studiert.»
Inge Rother, Pfarrerin im Bezirk Ägeri

Inge Rother ist keine, die es gemütlich nimmt. Sie packt an. 2010 wurde sie im Kanton Zug als Pfarrerin ordiniert. Dem vorausgegangen ist ein Theologiestudium. «Ich habe gemeinsam mit meinen Kindern studiert.» Das sei nur dank der grossen Unterstützung der Familie gegangen. Vorher war sie 25 Jahre lang Religionslehrerin im Ägerital. «Ich habe immer gewusst, dass ich mit Menschen zusammenarbeiten möchte, ganz egal welche Gesinnung und Couleur diese haben», erklärt die 61-Jährige. Das habe sich wie ein roter Faden durch ihr Leben gezogen.

Aufs Gespür verlassen

Die Aufgaben zwischen Pfarrer und Pfarrerin Rother sind klar aufgeteilt, jeder hat seinen Bereich. «Es gibt die Ämter 60 plus und 60 minus», erklärt Inge Rother. Gemeint ist damit das Alter der Mitglieder der reformierten Kirche. Sie kümmert sich um 60 plus. «Mit 61 Jahren befinde ich mich selber in dieser Gruppe», sagt sie. «Das ist eine anspruchsvolle und schöne Aufgabe.» Zu den Aufgaben gehören etwa Besuche in den beiden Pflegezentren im Ägerital, Vorträge und Seminare sowie Beistand und Seelsorge. «Ich mache nicht alles selber, sondern arbeite mit Teams», erklärt Rother. Das liege ihr sehr.

Ihre Aufgabe sieht sie darin, für die Leute dazu sein. «Ich höre zu, muss mich auf mein Gespür verlassen.» Dabei sei der Glaube für sie sehr wichtig, «aber ich bin nicht missionarisch veranlagt». Es geht ihr darum, Erfahrungen und das Leben zu teilen. Ein grosser Vorteil sei, dass sie im Ägerital «Krethi und Plethi» kenne. «Wir sind 1985 nach Oberägeri gekommen – und geblieben.» Das hätte sie sich am Anfang nicht vorstellen können, aber es habe sich als richtig herausgestellt. «Wir sind hier am richtigen Ort.» Trotzdem war es zu Beginn ihrer Pfarrer-Tätigkeit wichtig, Abstand zu nehmen. «Um die eigene Identität als Pfarrerin zu finden, entschied ich mich, für Lehr- und Wanderjahre», so Rother. Vier Jahre arbeitet sie als Pfarrerin im Bündnerland. Bis ihr die lange Distanz von zu Hause zu viel wurde. Anschliessend übernahm sie Stellvertretungen in Nachbarkantonen und Gemeinden. «An den ganz unterschiedlichen Orten habe ich viel gelernt.»

Die Seelsorge ist eine intensive Arbeit, die «Substanz braucht», wie Rother selber sagt. Abschalten ist da wichtig. Inge Rother kann das am besten in der Natur, beim Wandern und Biken – und mit den Enkelkindern. «Die sind ein wahres Lebenselixier», sagt sie und strahlt. Den regelmässigen «Nani-Nachmittag», an dem sie ihre Enkelkinder besucht, wird sie auch mit dem neuen Alltags-Rhythmus beibehalten.

Hinweis
Der Familiengottesdienst zur Amtseinsetzung ist am Sonntag, 21. Oktober, um 10 Uhr in der reformierten Kirche Mittenägeri.