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Die Missionsschwestern aus Zug helfen den Ärmsten der Welt

Die weltweit tätige Missionsgesellschaft der St. Petrus-Claver-Sodalität feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Eine Handvoll Schwestern leisten in Zug Koordinations- und Unterstützungsarbeit. Sie feiern einen Jubiläums-Gottesdienst und sammeln für ein Projekt in Afrika.
Cornelia Bisch
Die Schwestern Cecilia aus Nigeria, Elisabeth aus Polen, Gertrud aus Österreich und Regina aus Indien (von links) leben und arbeiten in Zug. (Bild: Christian H. Hildebrand, 24. Juni 2019)

Die Schwestern Cecilia aus Nigeria, Elisabeth aus Polen, Gertrud aus Österreich und Regina aus Indien (von links) leben und arbeiten in Zug. (Bild: Christian H. Hildebrand, 24. Juni 2019)

An der St.-Oswalds-Gasse in Zug gibt es ein historisches Gebäude, dem manchmal verführerische exotische Düfte entströmen. «Wenn Schwester Regina aus Indien kocht, riecht es die ganze Strasse», lacht Schwester Elisabeth Burdak. Die 56-jährige Ordensfrau aus Polen lebt gemeinsam mit ihren vier Mitschwestern aus Nigeria, Indien, Österreich und Polen in Zug, von wo aus sie ihre karitativ tätigen Mitschwestern der Missionsgesellschaft der St. Petrus-Claver-Sodalität bei über 1100 Projekten in 70 Ländern der Welt unterstützen.

Dieses Jahr feiert die Kongregation ihr 125-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fanden bereits ein Benefizkonzert sowie die Teilnahme am Oswalds-Gassenfest statt. Ein Festgottesdienst am 7. Juli bildet den Höhepunkt der Feierlichkeiten. Als Jubiläumsprojekt wird die Errichtung eines Kinderhauses auf einer Kapverdischen Insel westlich von Senegal lanciert.

Ein Schutzort für Kinder

Wie die Schwestern berichten, sind die Kapverdischen Inseln vor allem für ihren Luxustourismus bekannt. Jenseits der traumhaften, gepflegten Hotelanlagen herrscht jedoch bittere Armut, die kaum zur Kenntnis genommen wird. In der Gemeinde Paul auf der Insel Sao Antao beträgt das Durchschnittsalter der Bevölkerung gerade mal 17 Jahre. Als Folge der fehlenden Lebensperspektiven wandern viele Erwachsene aus. Die meisten Minderjährigen sind tagsüber sich selbst überlassen und zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Die kleinen Häuser aus Stein sind oft fensterlos und enthalten kaum Mobiliar. «Ich habe Kinder gesehen, die auf der Strasse ihre Hausaufgaben gemacht haben», erzählt Schwester Elisabeth, die im letzten Jahr die Insel bereiste. «Erschwerend kommt hinzu, dass eine extreme Dürre herrscht. Es gibt buchstäblich nichts als Staub und Sand auf diesen Inseln.»

Das Jubiläumsprojekt sieht den Bau eines Begegnungszentrums mit Kindergarten im Umfang von 40000 Franken vor, in dem 1300 Kinder der Gemeinde Paul Betreuung und Schutz finden, ihre Hausaufgaben machen und ihre Freizeit verbringen können. Für einen Teil dieser Kinder bestehen bereits Patenschaften, die ihnen den Schulbesuch mit einer täglichen warmen Mahlzeit ermöglichen. «Natürlich lässt sich mit diesem Betrag nicht das ganze Gebäude finanzieren, aber es ist ein erster Schritt», erklärt Schwester Elisabeth. Es liegt im Bestreben der Schwestern, den Menschen nicht einfach fixfertige Lösungen vorzusetzen, sondern sie am Unterstützungsprozess teilhaben zu lassen. «Wir helfen gern», so Schwester Elisabeth.

«Aber wir können und sollen nicht alles allein tun. Die Leute vor Ort müssen mithelfen.»

Auf diese Weise sei die Hilfe viel nachhaltiger und die Menschen würden sehen, wie viel Gutes sie selbst bewirken könnten.

Die Schwestern missionieren nicht aktiv. «Die Zuwendung der Menschen zum katholischen Glauben erwächst oft aus unserer Arbeit.» Dies entspricht der Zielsetzung der Gründerin Maria Theresia Ledóchowska aus Österreich. Sie strebte die materielle und spirituelle Unterstützung von ausgesuchten Missionsprojekten an, welche dazu dienen, Formen der modernen Sklaverei wie Kinderarbeit und Kinderprostitution zu bekämpfen sowie die Frau in ihrer Würde zu unterstützen. Ein weiteres Ziel der Kongregation ist die Verbreitung von Informationen über die Lebenssituation von Christen in fernen Ländern. Dies geschieht über Publikationen und die Herausgabe verschiedener Missionszeitschriften. Das kleinformatige Heft «Echo aus Afrika» beispielsweise erscheint monatlich und wird von Zug aus an Abonnenten in der ganzen Schweiz verschickt. «Es geht uns darum, allen Getauften ihre Verantwortung für Arme und Schwache aufzuzeigen», betont Schwester Elisabeth.

«Wir halten das Bewusstsein von der Not in der Welt wach und rufen zur Solidarität auf.»

Charismatische Gründerin

Das historische Gebäude in Zug gehört der Missionsgesellschaft seit 1905. «Unsere Gründerin Maria Theresia Ledóchowska hat das Haus gekauft und hier eine zentrale Koordinations- und Anlaufstelle für die Schweiz eingerichtet», erzählt Schwester Elisabeth. Zwei Jahre später erfolgte die Errichtung des Afrika Museums in den hauseigenen Räumen, das heute noch besteht. Ledóchowska war die Tochter einer schweizerischen Mutter und eines polnischen Vaters und wurde in Österreich geboren. Sie lebte als Hofdame in Salzburg, als die Begegnung mit Missionsschwestern sie tief beeindruckte.

Weitere Kontakte zu Missionaren bewegten die junge Frau schliesslich dazu, den Hof zu verlassen und ihr Leben ganz in den Dienst der Ärmsten zu stellen. «Sie war eine charismatische Person mit grossem Durchsetzungsvermögen», erzählt Schwester Elisabeth. Ihre Gesundheit jedoch sei alles andere als robust gewesen. «Sie war zeitlebens kränklich, litt unter Magenbeschwerden und starken Kopfschmerzen.» Ihr früher Tod mit erst 59 Jahren war schliesslich die Folge davon. «Afrika lag ihr sehr am Herzen», stellt Schwester Elisabeth fest. «Deshalb ist es ein Zeichen unserer Dankbarkeit für ihre Hinterlassenschaft, dass wir im Jubiläumsjahr ein Afrika-Projekt lancieren.»

Schwester Elisabeth selbst lebt und arbeitet seit 1993 in Zug, unterbrochen von einem sechsjährigen Aufenthalt im Mutterhaus in Rom. Ursprünglich stammt sie aus einer Ortschaft in Polen, wo die Gründerin zwischenzeitlich wohnte, kam also schon als Kind mit deren Wirken in Berührung. «In meiner Kindheit herrschte noch die Enge des kommunistischen Systems.» Das Wirken der Schwestern auf der ganzen Welt, ihre Offenheit und ihr Weitblick beeindruckten die junge Frau nachhaltig.

«Letztlich war meine Entscheidung, dem Orden beizutreten natürlich Berufung.»

Sie habe dabei ihre Erfüllung gefunden, sagt Schwester Elisabeth klar und überzeugt. «Ich könnte mir nichts anderes vorstellen.»

Der Jubiläums-Festgottesdienst findet am 7. Juli, 10 Uhr, in der Kirche St. Oswald statt. Weitere Infos: www.petrus-claver.ch

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