Sie ist schon jetzt die beste Schweizerin

Vor zwei Jahren rückte Elena Moosmann in der Weltrangliste der Amateure von Platz 2600 in die Top 90 vor. Dank guten Resultaten bei den Profis rückt nun der Olympia-Traum für die 17-jährige Zugerin näher.

Stefan Waldvogel
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Elena Moosmann beim Sieg am Ladies Open des veranstaltenden Golfclub Gams-Werdenberg. (Bild: Andre Engelmann (Gams, 5. Mai 2019))

Elena Moosmann beim Sieg am Ladies Open des veranstaltenden Golfclub Gams-Werdenberg. (Bild: Andre Engelmann (Gams, 5. Mai 2019))

«Im Mai besuchtest du genau sieben Tage den Schulunterricht», sagt Mutter Erika Moosmann nach dem intensiven Blick auf das Handy. «Ok.» Die trockene Antwort von Tochter Elena. «Ich bin schon relativ viel weg, aber dank unserem sogenannten Tandem-Partner klappt es auch so», erzählt die Schülerin am Sportgymnasium Alpenquai bescheiden. «4,8», ihre rasche Antwort auf den Notenschnitt und auch das kürzlich stattgefundene Elterngespräch sei sehr positiv verlaufen, ergänzt Mutter Erika. «Elena kann auch beim Autofahren problemlos lernen. Und wir waren auch diesen Frühling viel unterwegs», fügt sie an.

Das Besondere in dieser Saison: Die junge Amateurin spielte gleich drei Mal bei Profi-Turnieren mit und gewann völlig überraschend das Ladies Open in Gams (wir berichteten). Kurz darauf bestätigte sie ihre ausgezeichnete Form mit dem sechsten Rang in Neuenburg. Dank ihrem Sieg in Gams erhielt sie eine zusätzliche Einladung nach Evian. Dort spielte sie mitten in der europäischen Elite der weiblichen Profis und klassierte sich erneut als beste Schweizerin.

Mutter betätigt sich als Caddy

«Der grösste Unterschied ist eigentlich, dass ich bei Profi-Turnieren einen Caddy mitnehmen kann, bei den Amateuren dürfen wir dies ausser bei seltenen Ausnahmen nicht», erläutert Moosmann. So amtete Mutter Erika in den vergangenen Wochen nicht nur als Chauffeurin und Beobachterin, sondern kümmerte sich auch um saubere, trockene Schläger und die moralische Unterstützung auf dem Platz.

Bei der (wichtigen) Länge der Abschläge hält die Multi-Sportlerin mit den Profis locker mit, meist ist sie sogar länger. «Die Unterschiede sieht man am ehesten beim kurzen Spiel, rund um die Greens, da sind die Profis üblicherweise doch einiges präziser als wir», fasst sie ihre Eindrücke zusammen. Allerdings hat sie sich schnell in der «neuen» Welt integriert. Nach bloss vier gespielten Turnieren klassiert sich die Sportgymnasiastin bereits unter den 600 besten Profis der Welt. Damit ist Moosmann bereits die zweitbeste Schweizerin hinter Albane Valenzuela, die sehr gute Chancen hat, nach Rio 2016 in zwei Jahren auch in Tokio an den Olympischen Spielen abzuschlagen.

«Olympia war seit früher Kindheit ein Traum, bisher ging ich davon aus, dass Tokio 2020 etwas knapp ist, aber der Ryder Cup Platz von Paris National vier Jahre später würde mich ebenfalls reizen», sagt die 17-Jährige. Punkto Handicap ist sie übrigens schon jetzt die beste Golferin der Schweiz: Dies mit unglaublichen plus 5,4 (!). Das bedeutet, sie spielt so gut, dass bei einem normalen Clubturnier fünf Schläge aufgeschrieben werden, die sie gar nicht gespielt hat ... Die sogenannte Vorgabe zeigt ihre Spielstärke. Bei allen grossen Amateur-Turnieren wird das Handicap natürlich nicht berücksichtigt, genau wie bei den Profis, die kein Handicap mehr haben.

Wettbewerbe stehen über allem

Für eine mögliche Olympia-Teilnahme benötigt sie weitere Spitzenresultate bei den Profis, aber vorerst ändert sie wenig an der Saisonplanung. «Mein nächstes Ziel ist der Junior Solheim Cup im schottischen Gleneagles. Die ersten Turniere sind ganz gut gelaufen. Ich liege derzeit auf einem der sechs Qualifikationsplätze», erzählt Moosmann. Beim Junior Solheim Cup treffen im September die besten Junioren aus Europa auf die besten der USA. «Ich habe schon an den Olympischen Jugendspielen in Argentinien teilgenommen, für das Team Europa zu spielen, wäre wohl mindestens so cool», schaut Moosmann auf den Herbst.

Trotz 20 Stunden Training wöchentlich bleibt dem Multitalent noch Zeit und Energie für andere Sportarten. Mit ihrem Vater geht sie unter anderem Badminton spielen. Schwimmen und Tennis gehören ebenfalls zu ihren sportlichen Nebenbeschäftigungen. Vor allem im Winter frönt sie ihrer zweiten Leidenschaft, dem Unihockey: «Das ist eine coole Sportart, da kann ich mich austoben und in einem klassischen Team spielen. Darauf freue ich mich jeweils. Für mich ist das ein super Ausgleich», erzählt die Sportlerin. «Elena mochte schon früh den sportlichen Wettbewerb, ob wir ‹Töggelen› oder auf dem Putting Green auf der Terrasse spielen, eigentlich habe ich nur selten eine Chance», sagt die 51-jährige Buchhalterin lachend.