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Marla Glen in der Chollerhalle: Sie kam, sang und siegte

Eine derart tiefe, basslastige und einzigartige Stimme findet sich in der Musikwelt kaum: Marla Glen begeisterte am Samstag in der Chollerhalle.
Haymo Empl
Marla Glen strotzt nur so von Energie. (Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 22. Dezember 2018))
Die 58-Jährige mit ihrem Gitarristen (Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 22. Dezember 2018))
Die Backgroundsängerinnen überzeugen ebenso. (Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 22. Dezember 2018))
Auch das Mienenspiel gehört zur Show. (Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 22. Dezember 2018))
Glen ist leidenschaftlich. (Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 22. Dezember 2018))
Das ganze Ensemble begeistert. (Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 22. Dezember 2018))
Anfänglich sass das Publikum – später nicht mehr. (Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 22. Dezember 2018))
7 Bilder

Marla Glen begeistert in Zug

Blues, Soul, Funk und Rock von Marla Glen live am Samstag mit atemberaubender Präsenz vorgetragen – ganz ohne Ausfälle, Allüren oder Blackouts. Das war nicht immer so, der Superstar der 1990er-Jahre hatte zweifelsohne einige gröbere Aussetzer und verhielt sich oft bizarr auf der Bühne. In der Chollerhalle verzichtete die US-Sängerin komplett auf Drogen, Zigaretten und Alkohol und widmete sich ausschliesslich dem, was sie leidenschaftlich gerne tut und kann: Singen und mit ihrer unprätentiösen Art unterhalten. Das Outfit ist hinlänglich bekannt: Herrenanzug, Hemd, Krawatte, Hut.

Das Spiel mit den Geschlechterrollen beherrschte Marla Glen schon lange, bevor es im Zuge der LGBTIQ-Bewegung ein Medienthema wurde, entsprechend kokettierte sie denn auch gerade bei der Begrüssung: «Hi, my name is Glen», und das mit einer derart tiefen Stimme, dass sie selbst darüber lachen musste. Überhaupt schien Marla Glen sich nach den Abstürzen, Dramen (wir erinnern uns an die Luzerner WC-Affäre, bei der sie schreiend und randalierend von der Polizei abgeführt werden musste) und dem allürenhaften Getue wieder ganz auf die Musik zu konzentrieren – mit gutem, neuem Material.

Ein Vulkan in Action

Das erste Lied sang «The Glen» sitzend – die Stimme im absoluten Mittelpunkt. Aber bereits beim zweiten Track zündete das glensche Feuerwerk; der Star zog die Chollerhalle mit – erste Zuschauer standen auf und begannen zu tanzen. Marla Glen schaffte es, ohne grosse Showeffekte ein effektvolles Happening abzuliefern. Allein durch Stimme, Performance und gute Songs. Und dazwischen immer wieder Konversation mit dem Publikum, Marla Glen nahm sich Zeit für Interaktion – lachte laut, oft, heiser und ungekünstelt. Sie schien sichtlich Spass an ihrem Auftritt zu haben. Ihren Glamour-Faktor hat Marla Glen bekannterweise ja, weil sie eben so ist, wie sie sich fühlt. Und das Befinden der ­ Glen war am Samstag ganz offensichtlich gut. Nach ihrem Album «This is Marla Glen» aus dem Jahr 1993 und dem damit ver­bundenen Erfolg wurde Marla Glen – so sagte sie selbst in ­diversen Interviews – vorgeführt wie ein Zirkustier.

Das ging an die Substanz und war für die Künstlerin, die eigentlich nichts anderes tun möchte als auf der Bühne zu stehen, äusserst destruktiv. Seit Kürzerem erst entscheidet sie nun selbst über ihre Karriere, ihre Konzerte und ihre Musik. Das war am Samstag hörbar, denn einige ihrer grossen Hits aus den frühen 1990er-Jahren fehlten, dafür begeisterte sie unter anderem mit klug arrangierten, auf ihre Stimme zugeschnittenen Coverversionen. Beispielsweise «Ruby Tuesday», einer der zahlreichen Gänsehaut-Momente am Konzertabend. Dazwischen immer wieder liebenswerte, chaotische und lustige Einlagen.

Mehr Energie denn je

Auch hatte die hervorragende Band einen hohen Stellenwert. Es war auffallend, wie sehr sich Marla Glen und die achtköpfige Band ergänzten und teilweise in kompletter Symbiose miteinander musizierten. Marla Glen liebt es zu kokettieren, da gehörte am Samstag auch ihr Alter dazu – sie fasste sich theatralisch ans Kreuz und sagte, sie hätte im Januar Geburtstag. Da sie dann aber erst 59 Jahre alt wird, gibt es natürlich keinen Grund, sich ans Kreuz zu fassen. Denn – das wurde vor allem nach der Pause im zweiten Teil klar – die Sängerin hatte mehr Energie denn je.

Das zeigte sich nicht nur bei den wilden Tanzbewegungen, sondern vor allem bei der Intonation und der gewaltigen Kraft ihrer Stimme – die kein bisschen «alt» klang. Marla Glen war am Samstag ein Energiebündel auf der Bühne, man fragte sich während des Konzertes manchmal ­allenfalls etwas bange, ob ein Mensch langfristig einen derart hohen Output haben kann – ein Vulkan brennt bekanntermassen auch irgendeinmal aus. Sie arbeite derzeit an einem neuen Album, so erklärte sie am Samstag. Ein Album, welches demnächst erscheinen soll. Einige der neuen Tracks hatte sie am Konzertabend bereits live gespielt, und das eine oder andere Lied hat durchaus Hitpotenzial. Wer weiss, vielleicht schafft es Marla Glen ja, aus der Tiefe der Versenkung ein fulminantes Comeback hinzulegen. Denn an Talent mangelt es der Ausnahmekünstlerin nicht.

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