Sie setzen sich für Zuger Obdachlose ein

Der Verein «Ein Bett für Obdachlose» ist im dritten Vereinsjahr noch besser vernetzt. Die Initiatoren geben sich weitere Ziele.

Marco Morosoli
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Klaus Hengstler von der Reformierten Kirche (links) und Bernhard Tobler sprechen über das Projekt.

Klaus Hengstler von der Reformierten Kirche (links) und Bernhard Tobler sprechen über das Projekt.

Bild: Maria Schmid (Zug, 26. November 2019)

Jetzt sind sie wieder da: Die tristen Tage, an denen die Nacht nicht enden will, oder viel zu früh hereinbricht. Zu allem Elend steigen auch die Temperaturen kaum noch weit über null Grad Celsius. In dieser Zeit obdachlos zu sein, mutiert geradezu zu einer Überlebensfrage. Da denken viele Zugerinnen und Zuger, dass es solche Menschen im Kanton ja gar nicht gibt, weil sie nirgends zu sehen sind. Das ist jedoch ein Trugschluss, wie der Baarer Bernhard Tobler weiss. Die Thematik hat ihn in der nahen Vergangenheit auf Trab gehalten.

Vor etwas mehr als zwei Jahren hat der ehemalige Apotheker den Verein «Ein Bett für Obdachlose» gegründet. Aufgezogen hat er die Vereinigung damals zusammen mit Sepp Herger und Astrid Tremp als Konzept für einen Wettbewerb der Zuger Kantonalbank zu ihrem 125-Jahr-Jubiläum. Toblers Idee hat die Jury der Zuger Bank als förderungswürdig betrachtet. Mittlerweile hat es sich gezeigt, wie wertvoll die Arbeit des Vereins ist.

Längerfristige Betreuung für neun Personen

In der Gemeinde Baar hat sich der Verein zwei Wohnungen zur Miete gesichert. In diesen können fünf Obdachlose temporär leben. Dass in diesen Wohnungen nichts aus dem Ruder laufe, so Tobler, sorge zum einen eine erfahrene Sozialarbeiterin, welche die Bewohnerinnen und Bewohner betreut und somit die operativen Aufgaben des Vereins wahrnimmt und zum anderen eine «Frau, die früher selber auf der Strasse gelebt hat» sei. Sie ist für die Putzarbeiten in den beiden Wohnungen besorgt. Durch ihre Vergangenheit habe sie eine gewisse Durchschlagskraft und könne den Bewohnern, «wenn es notwendig ist, auch einmal die Grenzen des Erlaubten aufzeigen». Der Verein sei für ihre Arbeit sehr dankbar, fügt Tobler hinzu.

Weiter erzählt der Initiant nicht ohne Stolz: «Wir haben in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt neun Personen längerfristig beherbergen und betreuen dürfen.» Es freue ihn auch, dass zwei Bewohner aus der temporären Bleibe weg sind. Sie leben aber nicht wieder auf der Strasse, sondern sie haben eine Teilzeitbeschäftigung und Anschluss in einer anderen Wohngemeinschaft gefunden. Aber die Arbeit in dieser schwierigen Materie bringt auch Rückschläge. Der Vereinsgründer spricht hier Klartext: «Wir mussten eine Person auch schon mal wegweisen.» Darüber spricht Tobler jedoch nicht gerne. Er blickt lieber nach vorne. Noch ist das Projekt mit den Zuger Obdachlosen ausbaufähig. Bernhard Tobler sagt denn auch: «Wir suchen weiterhin nach günstigem Wohnraum für sechs Personen.»

Um die Obdachlosen wieder in die Gesellschaft einzugliedern, sei ein Dach über dem Kopf eine erste Massnahme, der Weitere folgen müssten. Hilfreich ist in dieser Hinsicht, dass der innere Kern des Vereins es geschafft hat, weitere Partnerorganisationen ins Boot zu holen. Wie beispielsweise das Drogenforum Zug und die Reformierte Kirche des Kantons Zug. Ihr Vertreter im Vereinsvorstand ist Klaus Hengstler. Dieser sagt: «Die Aktivitäten des Vereins laufen zwar unabhängig von der Reformierten Kirche, werden aber von ihr unterstützt.» Wenn das Thema, so Hengstler, «durch unser Engagement stärker ins Blickfeld rücken sollte, würde uns das natürlich freuen.» Klaus Hengstler wie auch Bernhard Tobler sind Feuer und Flamme für das Projekt. Sie betonen, dass es auch in dieser Sache sehr wichtig sei, sich auf ein Netzwerk stützen zu können.

Die beiden Kämpfer für die Zuger, die kein Dach über dem Kopf haben, sind auch bei den für diese Menschen zuständigen Behörden vorstellig geworden. Dies deshalb, so Tobler, weil der Status «Obdachlos» von Gesetzes wegen nicht vorgesehen sei. Da und dort seien diese Bemühungen von Erfolg gekrönt gewesen. Es bleibe aber auf dieser Stufe noch einiges zu tun. Im Zuge der verschiedenen Aktivitäten des Vereins «Ein Bett für Obdachlose» ist es in dessen Organisation zu einem Präsidentenwechsel gekommen. Klaus Hengstler, der Kirchenschreiber der Reformierten Kirche Zug, hat das Präsidium übernommen.

Leistungsvereinbarung wird angestrebt

Die beiden Kämpfer für Benachteiligte der Gesellschaft wollen im kommenden Jahr ein anderes Feld eröffnen. So sagt Klaus Hengstler: «Wir sind überzeugt, dass die Aufgaben, die wir aktuell als private Organisation ausüben, von der öffentlichen Hand ausgeübt werden müssten.» Sie haben sich das Ziel gesetzt, innert dreier Jahre mit dem Kanton beziehungsweise mit den Zuger Gemeinden eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen. Dieses Andocken könnte die Finanzierung des Projekts längerfristig sichern. Um diese Wegmarke zu erreichen, wollen die beiden auch mit kommunalen wie kantonalen Politikern ins Gespräch kommen.

Obdachlose mögen im Kanton Zug nicht sichtbar sein, es gibt sie aber, und auch sie haben das Menschenrecht, unter der Beachtung gewisser gesellschaftlichen Regeln, ein würdiges Leben zu verbringen. In den Initiatoren Bernhard Tobler und Klaus Hengstler haben sie jetzt gewichtige Stimmen erhalten.