Sie steht seit fast 50 Jahren im Dienste der V-Zug

Ruth Luthiger war jahrzehntelang die gute Seele im Kundendienst der V-Zug. Nun geht sie in Pension.

Laura Sibold
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Ruth Luthiger hat im April 1972 als kaufmännische Angestellte bei der damaligen Verzinkerei Zug angefangen. Heute ist sie Assistentin der V-Zug-Geschäftsleitung – und bald im wohlverdienten Ruhestand.

Ruth Luthiger hat im April 1972 als kaufmännische Angestellte bei der damaligen Verzinkerei Zug angefangen. Heute ist sie Assistentin der V-Zug-Geschäftsleitung – und bald im wohlverdienten Ruhestand.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. April 2020)

Ruth Luthiger sitzt lächelnd auf dem Balkon ihrer Hünenberger Wohnung, die Hände vor sich auf dem Tisch gefaltet. Dass die 63-Jährige fast ein halbes Jahrhundert bei einer Zuger Traditionsfirma gearbeitet hat, sieht man ihr nicht an. «Zum Glück nicht», sagt sie schmunzelnd und beginnt zu erzählen.

Eigentlich habe sie Lehrerin werden wollen, sich dann aber im letzten Moment umentschieden. Am 17. April 1972 begann Luthiger als 15-Jährige eine Berufslehre als kaufmännische Angestellte bei der damaligen Verzinkerei Zug AG. «Nach der dreijährigen Ausbildung dachte ich, es sei Schluss. Schliesslich befanden wir uns in einer Rezession. Doch ich hatte Glück», erinnert sie sich. Der damalige Kundendienstleiter suchte eine neue Sekretärin. Ruth Luthiger packte ihre Chance und bekam die Stelle. Sie sei ins kalte Wasser geworfen worden und habe einen unheimlich strengen Chef gehabt. «Aber die Arbeit gefiel mir gut.»

Karriere vom KV-Lehrling zur stolzen Kaderfrau

In der Folge war Ruth Luthiger 48 Jahre lang die gute Seele im Kundendienst der V-Zug, bis zuletzt als Direktionsassistentin. Sie bearbeitete Reklamationen, schrieb bergeweise Briefe und führte täglich zig Telefonate. Die Arbeit im Kundendienst war für sie Herausforderung und Bereicherung zugleich. «Der Kontakt mit Menschen, vor allem telefonisch mit Kunden, aber auch im Büro mit den Mitarbeitenden, war mein Antrieb.» Natürlich habe sie sich am Telefon so einiges anhören müssen und sei auch mal als «Vorzimmerdame» beschimpft worden, erzählt sie lachend und fährt sich mit der Hand durch die kurzen braunen Haare. Sie sei dann jeweils ruhig geblieben und habe das Anliegen entgegengenommen.

«Mit der Zeit hat man einen breiten Rücken. Jeder Anruf war auch eine Chance, einen Kunden wieder zu begeistern.»

Ab und zu seien Kunden mit ihrer Arbeit so zufrieden gewesen, dass sie Luthiger persönlich kennenlernen wollten. «Das waren primär Männer», sagt Ruth Luthiger und lächelt spitzbübisch.

In den Anfängen hat das Unternehmen noch verzinkt und Kochgeschirr hergestellt. Mit dem Zusammenschluss der Verzinkerei Zug und der Metallwarenfabrik 1976 änderte sich der Firmennamen in V-Zug AG. «Mitte der 70er-Jahre wurden wir zum Vollsortimenter und der Fokus lag neu auf den hochwertig produzierten Haushaltsgeräten», erzählt Luthiger. Damals habe sie ihr Büro noch in der alten Metallwarenfabrik in Zug gehabt, dort wo heute die Einkaufsallee Metalli steht.

In ihren 48 Jahren bei der V-Zug stieg Ruth Luthiger vom KV-Lehrling zur Kaderfrau auf. Darauf sei sie schon stolz. «Ich habe aber aus dem Vertrauen, das mir immer wieder geschenkt wurde, einfach das Beste gemacht und mich richtig reingekniet», sagt sie bescheiden. Ihre Vorgesetzten hätten sie immer wieder gefördert und ihr Zusatzaufgaben anvertraut. So beriet Luthiger Privatkunden bald direkt am Telefon. Oft hiess es im Betrieb:

«Ruf Frau Luthiger an, die regelt das schon.»

Über Jahre agierte die Hünenbergerin in der V-Zug auch als Ombudsfrau und schlichtete Konflikte. Vor rund zehn Jahren wurde Ruth Luthiger zur Assistentin der Geschäftsleitung befördert und zum Mitglied des obersten Kaders. Das sei damals bei Frauen noch eine absolute Ausnahme gewesen.

Blau-weiss und rot-blau sind ihr wichtig

Ihren Ausgleich zur Karriere fand Ruth Luthiger über all die Jahre im Sport und in der Musik. Die Hünenberger Bauerntochter hat die Guggenmusik Quaker mitgegründet und war 28 Jahre lang Mitglied der Musikgesellschaft Hünenberg. Luthigers Lieblingsfarbe ist blau. Nicht etwa nur wegen des V-Zug-Logos, sondern auch wegen des EV Zug und des FC Basel. Das seien ihre zwei Lieblingsklubs, sagt sie mit funkelnden braunen Augen. Schon als Kind habe sie die EVZ-Spiele besucht und mitten in der Fankurve mitgefiebert. «Früher konnte ich Fans, die während eines Matches sitzen wollen, nie verstehen. Heute habe ich selber eine Saisonkarte für einen Sitzplatz. Prioritäten ändern sich», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Auf die Frage, ob blau-weiss oder rot-blau wichtiger sei, antwortet Luthiger diplomatisch:

«Im Winter blau-weiss, im Sommer rot-blau.»

Die Spiele des FC Basel habe sie bereits in der Oberstufe mitverfolgt. Da die Familie keinen Fernseher hatte, sass sie auf dem Fussboden vor dem Radio und fieberte mit. Heute geniesst die 63-Jährige die Fussballspiele des FC Basel vor allem vor dem Fernseher. «Da darf mich keiner stören.»

Abschiedsapéro im kleineren Kreis

Ende April geht Ruth Luthiger in den wohlverdienten Ruhestand. Sie freut sich darauf, keine Termine und Verpflichtungen mehr zu haben und mehr Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen. Auch Tagesausflüge in der Schweiz wolle sie machen. Ihren Abschiedsapéro kann sie wegen des Coronavirus nicht wie geplant durchführen. «Nach dieser langen Zeit aufhören zu müssen, ohne dass ich mich von den Mitarbeitenden im grossen Kreis persönlich verabschieden kann, ist sehr schade», bedauert Luthiger. Der Kontakt mit anderen Menschen sei ihr immer am wichtigsten gewesen.

Die V-Zug sei für sie wie eine grosse Familie. «Doch wenn mir 1972 jemand gesagt hätte, dass ich fast 50 Jahre im Betrieb bleibe, hätte ich ihm wohl nicht geglaubt», gibt sie zu. Auf die Frage, ob sie es nie bereut habe, mehr von der Arbeitswelt gesehen zu haben, verneint die 63-Jährige gelassen und steht vom Gartenstuhl auf: «Es gab für mich wirklich keinen Grund zu wechseln.»