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Carina Bürgisser aus Oberägeri steht wieder mitten im Leben nach einer Herztransplantation

Vor vier Jahren wurde Carina Bürgisser ein Herz transplantiert. Heute lebt sie das fast normale Leben eines Teenagers. Die Familie hat der lange Leidensweg langfristig verändert – auch was den Einsatz für die Organspende angeht.
Carmen Rogenmoser
Carina Bürgisser freut sich auf das, was alles noch kommt. Bild: Jakob Ineichen (Oberägeri, 30. März 2019)

Carina Bürgisser freut sich auf das, was alles noch kommt. Bild: Jakob Ineichen (Oberägeri, 30. März 2019)

«Im Sommer möchte ich zusammen mit Kollegen mit dem Töffli über den Gotthard ins Tessin. Endziel ist das Wallis», erzählt Carina Bürgisser (15) aus Oberägeri begeistert. Ihre Mutter Beatrice Bürgisser verdreht die Augen und lacht. Sie ist von der Idee noch nicht ganz überzeugt. «Darüber sprechen wir noch», meint sie.

Losziehen, die Welt entdecken, eigene Erfahrungen machen: Es sind Themen, die wohl jede 15-Jährige beschäftigen. Für Beatrice Bürgisser aber fällt es schwer, ihre Tochter ziehen zu lassen. «Das Loslassen ist nicht leicht», gibt sie ohne Umschweif zu. «Bei ihr habe ich mehr Angst als bei ihren älteren Geschwistern. Zu viel haben wir zusammen durchgemacht.»

Angesichts der langen Krankheitsgeschichte des Mädchens erstaunt das wenig: 2011 wurde bei der damals Achtjährigen Knochenkrebs diagnosziert. Ihr wurde im betroffenen Schienbein ein Spenderknochen eingesetzt. Die anschliessende Chemotherapie griff Carinas Herz stark an. Als erstem Kind in der Schweiz musste ihr 2012 ein Kunstherz eingepflanzt werden.

Ihr eigenes Herz erholte sich dadurch aber nicht so gut, wie erhofft. Im Juli 2014 kam Carina auf die Transplantationsliste. Acht Monate später erhielt sie ein neues Herz. Im Februar jährte sich die Transplantation zum vierten Mal. Noch immer sind die vielen bangen Momente bei der Familie Bürgisser sehr präsent. «Ich denke oft an die Zeit und an die entscheidenden Momente zurück», sagt Beatrice Bürgisser. Einige Male mussten sie sich von Carina verabschieden.

Snowboarden, Töfflifahren und Fahnenschwingen

Heute geht es Carina «sehr gut», wie sie selber sagt. «Ich kann alles machen, bin viel draussen unterwegs. Ich bin immer sportlich aktiv», erzählt sie. Fahnenschwingen gehört zu einem langjährigen Hobby. «Damit konnte sie kurz nach der Transplantation anfangen, dafür reichten die Kräfte», sagt Beatrice Bürgisser. «Und ich bin das einzige Mädchen», schiebt Carina nach. Eine Kämpferin ist sie geblieben. Eben nahm sie an einem Skilager für transplantierte Kinder teil. Und zu den neuesten Hobbys zählt eben auch Töfflifahren.

Noch sei sie mit einem Langsamen unterwegs, aber bald schon mache sie mit ihrem Bruder ein Leistungsstärkeres bereit. Dazu bietet sich allerdings nur an den Wochenenden Gelegenheit. Unter der Woche ist Carina im Internat in Ingenbohl. Sie besucht die erste Sekundarklasse. «Damit sie später einen Beruf lernen kann, den sie aufgrund der Transplantation auch darf», erklärt Beatrice Bürgisser. Als was sie dereinst arbeiten will, weiss die 15-Jährige ganz genau: Optikerin. Dafür braucht sie den Sek-Abschluss. In der Regelschule in Oberägeri hätte es dazu wohl nicht gereicht. Zu viel Schulstoff hat Carina während ihrer Krankheitszeit verpasst.

Das Leben im Internat gefalle ihr sehr gut. «Ich komme mit allen gut aus, wir sind wie eine Familie», sagt sie. «Während der vielen Jahre im Spital hatte Carina praktisch keinen Kontakt zu anderen Kindern. Das geniesst sie jetzt um so mehr», ergänzt ihre Mutter. Für sie selber sei der Schritt ins Internat schwierig gewesen, so Beatrice Bürgisser. «Carina ist jetzt selber verantwortlich für ihre täglichen Tabletten.» Die Medikamente gegen die Abstossung des neuen Organs muss Carina lebenslang nehmen. Genauso gehört auch ein Untersuch alle drei Monate im Unispital Zürich zur Routine.

Zu einer Abstossung kann es jederzeit kommen. Einmal war Carina davon betroffen. «Die Dosis der Medikamente gegen eine Abstossung wird niedrig gehalten, damit die Nebenwirkungen nicht allzugross sind», erklärt Beatrice Bürgisser. Carina ist generell anfälliger für Krankheiten und muss sich besonders vorsehen. «Das viele Händewaschen wurde zur Normalität.» Die Krankheit von Carina habe die ganze Familie verändert, sagt ihre Mutter. «Wir schätzen alles viel mehr. Jeder Tag ist ein guter Tag, auch wenn mal nicht alles läuft, wie gewünscht», erklärt sie. Und noch etwas hat sich verändert: Das Thema Transplantation wurde für die Bürgissers ein grosses Anliegen. Erst letzte Woche war Carina dabei, als die Unterschriften zur Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» von Swisstransplant in Bern übergeben wurde. «Mit dem Krebs hat Carina abgeschlossen, mit dem Herz möchte sie etwas bewirken.»

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