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Eltern wagen einen Blick in eine ihnen unbekannte Welt

In der Bibliothek konnten Eltern beim Workshop «Am Drücker – Games selber erleben» erfahren, was ihre Sprösslinge bei Videospielen empfinden. Ein Theorieblock half dem Verständnis.
David Huwyler
Marc Bodmer versucht in einem Referat den Anwesenden die Welt der Videospiele näher zu bringen. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 13. September 2018))

Marc Bodmer versucht in einem Referat den Anwesenden die Welt der Videospiele näher zu bringen. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 13. September 2018))

Zu den schnellst wachsenden Wirtschaftszweigen auf dem globalen Markt gehört die Gaming-Industrie. Schätzungsweise 2,3 Milliarden Menschen spielen regelmässig Videospiele. Sei dies auf dem Handy, auf dem Computer oder an einer Konsole. 2013 hat die Branche weltweit 75 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Für das laufende Jahr wird ein Umschlag von 138 Milliarden Dollar prognostiziert. Dies ist ein Anstieg von fast 100 Prozent in fünf Jahren.

Vor allem junge Männer verbringen ihre Freizeit gerne mit Videospielen. Die Eltern sind meist überfordert und finden keinen Zugang zu ihrem Kind. Die «Game-Welt» ist für sie nur schwer zugänglich. Aus diesem Grund hat am Mittwochabend im 5. Stock der Bibliothek Zug ein Workshop stattgefunden. Dieser hat sich an nicht-spielende Eltern und Bezugspersonen von Jugendlichen gerichtet, die sich ein objektives Bild der Chancen und Risiken von Computerspielen machen wollten. 16 Plätze sind zur Verfügung gestanden. 15 Mütter sowie ein Vater sind unter den Interessierten. Den Abend leitet der Videospiel-Experte Marc Bodmer aus Zürich.

Ein Theorieblock bildet den ersten Teil des Workshops. Es geht darum, den Eltern die Welt der heutigen Jugendlichen ein bisschen näher zu bringen. «Für junge Menschen ist das Gamen ein möglicher Rückzugsort. Im realen Leben stehen sie ständig unter der Supervision eines Erwachsenen. Im Videospiel sind die Kinder den Eltern überlegen und die Jungen bestimmen, was sie machen wollen», meint Bodmer. «Als ich klein war, wollte ich vielleicht der nächste Pelé werden im Fussball. Heute gibt es ‹E-Sportler›, die im Internet online übertragen, wie sie Videospiele spielen. Diese fungieren als Vorbilder für manche Kinder und haben den gleichen Stellenwert wie zum Beispiel ein Roger Federer für die Tenniswelt», erklärt der Videospielexperte weiter.

Cybermobbing ist keine Seltenheit

Wie alles im Leben bergen auch Videospiele Vor- und Nachteile. Gaming kann süchtig machen. Nur weil man viel Zeit mit Videospielen verbringt, ist man aber noch lange nicht süchtig danach. Gefährlich wird es dann, wenn man nicht mehr frei im Willen ist und seine Pflichten vernachlässigt. Sackgeld kann gebraucht werden, um in einem Game auf ein höheres Level zu kommen. Auch Cybermobbing ist auf Gameservern keine Seltenheit. Allerdings belegen diverse Studien, dass Gamer eine erhöhte visuelle Wahrnehmung besitzen, wie zum Beispiel im Strassenverkehr. Sie sind auch kreativer und flexibler als Nicht-Gamer. Auffallend ist zudem die überdurchschnittliche Leistungsorientiertheit.

«Am Besten nimmt man sich Zeit, als Eltern mit dem Kind über die angesagten Games zu sprechen. Beide können auch durchaus einmal zusammen gamen. Zuletzt müssen sie als Vormund aber auch entscheiden, welche Games ihr Kind spielen darf oder welche zu gewalttätig sind. Es lohnt sich bestimmt, sich mit dieser Technik zu befassen», ermutigt Bodmer.

Im zweiten Teil des Abends dürfen die Teilnehmer vier verschiedene Computerspiele selber ausprobieren. Viel Anklang findet vor allem der Ego-Shooter Halo 5. Nach 30 Minuten Spielzeit sind die Computer wieder unbesetzt. Die Feedbackrunde ist ernüchternd. «Das war ganz schlimm. Mir tut der Kopf weh. Es war mühsam, anstrengend und langweilig. Gamen ist gar nichts für mich», tönt es aus dem ganzen Raum von verschiedenen Teilnehmerinnen.

Es scheint wahrlich kein leichter Weg zu sein, das Gaming und seine Faszination zu verstehen, aber mit der nötigen Hartnäckigkeit wird das klappen.

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