Alice Rüttimann wirtet ein Leben lang leidenschaftlich im Baarer «Bären»

Alice Rüttimann arbeitet schon seit sieben Jahrzehnten im Baarer «Bären». Es sei durch und durch ein Familienbetrieb.

Vanessa Varisco
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Ab 8 Uhr morgens serviert Alice Rüttimann Kaffee.

Ab 8 Uhr morgens serviert Alice Rüttimann Kaffee. 

Bild: Roger Zbinden (Baar, 7. März 2020) 

8 Uhr morgens im Baarer «Bären»: Alice Rüttimann (95) schliesst gerade die Tür zur Beiz auf. Bis 11 Uhr vormittags wird sie Kaffee servieren – an die Stammgäste, Handwerker und Rentner, die schon zu früher Stunde im Lokal einkehren. Wenn ihr Sohn Josef Rüttimann eintrifft, legt sie eine Pause ein und hilft mittags, wenn nötig, noch einmal mit. Das Besondere: Im Herbst feiert die 95-Jährige ein spezielles Jubiläum. Dann wird sie nämlich 70 Jahre in der Baarer Beiz gewirtschaftet haben. Eine lange Zeit.

Was hat sie solange im «Bären» gehalten? «Die Beiz ist durch und durch ein Familienbetrieb. Als ich eingeheiratet habe, war klar, dass ich mitarbeiten würde, und so ist es geblieben», verrät die Baarerin im Gespräch. Der «Bären» gehörte ursprünglich ihren Schwiegereltern. Als aber die Schwiegermutter 1970 verstarb, absolvierte Alice Rüttimann die Wirteprüfung und leitete fortan den Betrieb. Gleichzeitig kümmerte sie sich um ihre fünf Kinder.

«Hier habe ich Gesellschaft»

Das Familiäre ist bis heute ein wichtiger Aspekt. «Mitgeholfen hat mein Sohn schon früh», weiss Rüttimann. Fest im Betrieb ist er seit 1980. Sie vergisst nicht, zu erwähnen, dass auch das Personal dem Restaurant lange treu ist, eine Serviceangestellte blieb über 18 Jahre und der derzeitige Küchenchef, welcher als Flüchtling mit seiner Familie in die Schweiz kam, schwingt seit über 30 Jahren den Kochlöffel in Baar.

In dieser familiären Atmosphäre sieht sie einen Grund, weshalb der «Bären» legendärerweise so lange bestehen blieb, während einige andere Baarer Beizen ihre Türen schlossen oder Neubauten weichen mussten. «Die Nachfolge ist noch nicht klar», erzählt Rüttimann, «Aber solange ich noch genügend Energie habe, packe ich ja noch mit an.»

Dass sie noch bleibt, hat vor allem damit zu tun, dass Alice Rüttimann die Zeit in der Wirtschaft am Morgen geniesst. «Hier habe ich Gesellschaft», freut sie sich und blickt durchs Restaurant. Auf den dunklen Holzstühlen vor den weissen Vorhängen sitzen einige Gäste und auch am runden Stammtisch mit der Holzbank haben sich ein paar Leute niedergelassen. Ab und an werden ein paar Worte ausgetauscht, die Tassen klirren auf den Untertellern, die Zeitungen rascheln beim Umblättern.

Alice Rüttimann nimmt einen Schluck Kaffee, bevor sie ergänzt: «Es ist ein Stück Heimat.» Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie viele der Kunden kennt. «Stammkunden, vor allem der älteren Generation, haben wir zahlreiche», so die 95-Jährige. Die Beständigkeit zeichnet also nicht nur die Beiz, sondern auch die Kundschaft aus.

Für die ältere Generation finden im Lokal auch Senioren-Jassnachmittage statt. Alice Rüttimann ist die Freude anzuhören, wenn sie davon erzählt. «Jassen, das gehört zu meinen grossen Leidenschaften», gibt sie zu. Doch nicht nur die ältere Generation zieht es hierher. Rüttimann erinnert sich an die Fasnacht. «Da herrschte hier Hochbetrieb. Es ging kunterbunt zu und her», meint sie lächelnd und fügt an:

«Das ist seit Jahrzehnten so.»

Auch Vereinsanlässe und Generalversammlungen werden seit ähnlich langer Zeit gerne hier abgehalten, wie sie sich erinnert. «Das liegt am Ambiente, man bleibt hier eine Weile sitzen», erwägt sie.

Es gab oft «es rechts Fest»

Gemütliches Zusammensitzen, aber auch das Festefeiern, gehören zu den schönsten Erinnerungen, die die 95-Jährige an den «Bären» hat. «Ich habe im Alter einige runde Geburtstage hier gefeiert. Wir veranstalteten dazu einen Tag der offenen Tür», erinnert sie sich. «Das gab immer ‹es rechts Fest›», schiebt sie mit einem verschmitzten Grinsen und leuchtenden Augen nach.