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Die scheidende Zuger Frau Landammann wünschte sich stets eine weitere Frau im Rat

Manuela Weichelt-Picard (51) brachte zwölf Jahre lang ihre Ideen in den Regierungsrat ein. Nun möchte sie sich zuerst «politisch reinigen», bevor sie über die Zukunft nachdenkt.
Andrea Muff
Prima inter pares: Manuela Weichelt-Picard tritt als Frau Landammann auf dem Höhepunkt ab. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Dezember 2018))

Prima inter pares: Manuela Weichelt-Picard tritt als Frau Landammann auf dem Höhepunkt ab. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Dezember 2018))

Der Bürotisch nimmt gut einen Viertel des Raumes ein und auf ihm stapeln sich die Dokumente, eine freie Fläche ist kaum zu finden. Ordner, Hängeregister und weitere Akten gibt es zudem auf einem Wagen, der ebenfalls im Raum steht. Es sieht nicht danach aus, als ob das Büro in ein paar Tagen geräumt sein wird. Es gehört der Direktorin des Innern, Frau Landammann Manuela Weichelt-Picard. Es ist die letzte Legislatur der 51-Jährigen. Im Frühling hat sie sich entschieden, nicht mehr zur Wahl anzutreten – drei Legislaturen als Regierungsrätin des Kantons Zug genügen.

Dies sei ein Vernunftentscheid gewesen, erklärt sie. «Ich bin lange Zeit davon ausgegangen, dass ich nochmals kandidiere. Vom Bauch heraus war das völlig klar.» Sie habe viel mit ihrer Familie gesprochen – an Ostern auf langen Spaziergängen mit ihrem Mann Arnim. Denn ohne die Unterstützung der Familie hätte Manuela Weichelt eine solche politische Karriere nicht hinlegen können, bestätigt sie. «Wir haben die Szenarien immer und immer wieder durchgespielt.» Die beiden Töchter Rezia (15) und Lina (10) hätten sie gerne weiterhin im Regierungsrat gesehen. «Meine ältere Tochter meinte, sie möchte keinen Wachhund zu Hause und die jüngere fand, sie kenne nichts anderes», sagt Manuela Weichelt schmunzelnd. Aber mit bald 52 Jahren eine neue berufliche Herausforderung anzupacken, sei wesentlich einfacher als mit 56 Jahren. Und: «Es ist schön, auf dem politischen Höhepunkt als Frau Landammann aufzuhören», gibt sie zu.

Die «Frische Brise» hiess sie willkommen

Wie hat ihre politische Laufbahn begonnen? Bis zur Frau Landammann hinter den Aktenbergen war es ein weiter Weg. Aufgewachsen ist Manuela Weichelt in der Ostschweiz, erst mit Mitte 20 zog es sie in den Kanton Zug. In Steinhausen hatte sie einen Willkommensgruss der «Frischen Brise» im Briefkasten mit einer Einladung zur Parteiversammlung im Restaurant Linde. «Ich habe mir eine Versammlung vorgestellt wie im Zürcher Volkshaus, bei der ich mich in die hintere Reihe setzen kann, ohne aufzufallen», sagt sie und lacht. «Ja, ich gebe zu, das war schon ziemlich naiv.» Denn in der erwarteten Grössenordnung war die Versammlung bei weitem nicht. «Es wurde nichts aus der stillen Teilnahme», erzählt die heutige Regierungsrätin weiter.

Und so kam es, dass sie von 1994 bis 2002 für Steinhausen im Kantonsrat sass – von 1997 bis 2002 war sie Fraktionschefin der Alternativen. «Es hiess, als Neue tritt man im ersten Jahr noch nicht ans Rednerpult. Daran konnte ich mich nicht halten», erinnert sie sich. Nach dem Attentat 2001 hat Weichelt eine politische Pause von fast vier Jahren eingelegt. Danach ging es Schlag auf Schlag: 2005 die Gründung der Kantonalpartei und die Wahl von Manuela Weichelt als deren Präsidentin. Ende Oktober 2006 wurde die damals 39-Jährige in den Regierungsrat gewählt.

Die Direktion des Innern war die Wunsch-Direktion

Während ihrer zwölfjährigen Amtszeit war sie stets die einzige Frau im Gremium – und mit Patrick Cotti hatte sie nur eine Legislatur lang ein Parteigspändli. «Das Männergremium war schon gewöhnungsbedürftig», gibt sie zu. «Ich kam aus einem Berufsfeld, in dem ich meist mit Frauen zu tun hatte.» Manuela Weichelt ist ausgebildete Krankenschwester, Sozialarbeiterin und verfügt über einen Master in Public Health. «Als Minderheit in der Regierung braucht es viel Ausdauer, Hartnäckigkeit und eine Menge Dossierkenntnisse, wenn man mit seinen Anträgen durchkommen will.»

Eher zum Schmunzeln brachte es sie, wenn ihre männlichen Kollegen in Sitzungen Ausdrücke aus der Militärsprache verwendeten. «Bei jeder Wahl habe ich gehofft, dass eine Frau dazukommt, weil in gemischten Teams einfach die besseren Entscheidungen zustande kommen.» Zu Beginn habe auch das Kader der Direktion des Innern nur aus Männern bestanden. «Heute ist es ungefähr halb-halb. Das war ein Ziel von mir», erklärt die Regierungsrätin stolz.

Zu den weiteren Schwerpunkten während ihrer Amtszeit zählt sie das Projekt InBeZug – in dem es darum geht, dass Menschen mit einer Behinderung mehr Mitbestimmung erhalten – oder auch die historische Aufarbeitung der sozialen Fürsorge im Kanton Zug. Zudem erwähnt Weichelt den Abschluss der Inventarisierung der schützenswerten Denkmäler, die Einführung eines gerechten Wahlsystems im Kantonsrat und den Umbau beim Kindes- und Erwachsenenschutz. «Für mich war die Direktion des Innern immer eine Wunsch-Direktion. Die Themen sind vielseitig und spannend und die Mitarbeitenden sind hoch motiviert bei der Sache», sagt die 51-Jährige.

Doch nun möchte sie sich «politisch reinigen», erklärt sie mit einem Lachen. «Mein Mann und ich gehen im Januar zur Ayurveda-Kur.» Erst danach wolle sie sich Gedanken machen, wie es weitergeht. «Ich lasse mir bewusst alles offen, ich möchte mich nicht einschränken. Es ist alles möglich.» Sie freue sich darauf, mit Freunden abzumachen, ein Buch zu lesen, wieder mit dem Joggen zu beginnen und endlich wieder einmal richtige Ferien zu machen. «Als Regierungsrätin hat man nur bürofreie Zeiten. Das heisst, egal ob am Strand oder auf dem Berg, das Handy ist der ständige Begleiter.» Das soll sich in Zukunft ändern.

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