Sieben Einsprachen gegen geplanten Steg beim Baarer Buebegunte

Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und Pro Natura Zug sehen keinen Grund für einen Steg mit zwei Aussichtstürmen im Baarer Wald.

Tijana Nikolic
Hören
Drucken
Teilen
Ist Naturschützern ein Dorn im Auge: Die geplanten zwei Holztürme, die eine Aussichtsplattform bilden sollen.

Ist Naturschützern ein Dorn im Auge: Die geplanten zwei Holztürme, die eine Aussichtsplattform bilden sollen.

Visualisierung: PD

Die Einsprachefrist für das Rodungsvorhaben wegen des geplanten Schlaufenstegs im Baarer Wald ist abgelaufen. Der Steg, verbunden durch zwei Türme zwischen den Erholungsgebieten Buebegunte und dem Gebiet Vogelwinkel, ist ein Projekt der Korporation Baar-Dorf und sorgt für Empörung. Insgesamt wurden sieben Einsprachen eingereicht, wie die Einwohnergemeinde Baar mitteilt. Darunter eine von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sowie eine von der Pro Natura Zug, wie unserer Zeitung von beiden bestätigt wurde. Beide verlangen, dass das Baugesuch abgelehnt wird.

Die Gründe dafür sind fast identisch: Die Stiftung nennt das fehlende öffentliche Interesse sowie dass es keinen zwingenden Grund gäbe, warum das Projekt genau an diesem Standort entstehen muss. Das Netz an bestehenden Wegen lasse sich auch ohne den geplanten Steg verbessern. «Deshalb fehlt auch die rechtliche Grundlage für eine Rodung von Wald», heisst es dazu von der Pro Natura Zug.

Ausserdem stört sich die Stiftung an der Dimension der Pläne: «Wanderwege werden ebenerdig erstellt und nicht mit gewinkelten Türmen», sagt Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Das Wanderwegenetz werde wegen hoher, bereits bestehender Unterhaltskosten derzeit schweizweit kaum mehr ausgebaut. Auch von dem als «Eyecatcher» bezeichneten Holzturm beim Buebegunte liessen sich beide Einrichtungen wenig beeindrucken. Er ordne sich in keinster Weise in die Landschaft ein. Mit seinen 28 Metern Höhe überrage er die Höllhäuser zweifach.

«Er dominiert die Bebauung und wirkt wie ein Fremdkörper», so die Stiftung. «Auch die Architektur und der Bau aus Baarer Holz rechtfertigen ein solches Projekt in der Landschaftsschutzzone nicht», legt Pro Natura nach. Das Gebiet sei zwar als Erholungswald bezeichnet. Damit seien laut Pro Natura in erster Linie Erholungseinrichtungen wie Bänke, Feuerstellen oder Wege gemeint. Für das Turmprojekt gebe es keine konzeptionelle Grundlage, wie dies der kantonale Richtplan verlange.

Schlaufensteg als Teil einer ortsgebundenen Auflage

Die Korporation Baar-Dorf zeigt sich in einer schriftlichen Stellungnahme überrascht über die Einsprachen. Sie könne nicht verstehen, wie jemand gegen ein naturnahes Waldprojekt aus einheimischem Holz, im speziell bezeichneten Erholungswald, sein könne. Der Steg sei dank seiner Lage im Erholungskonzept Buebegunte bestens eingebunden. Weiter werde der Waldboden weniger beeinträchtigt, da die Stege auf Stützen stehen und somit einen geringen Fussabdruck auf dem Boden hinterlassen würden. Der direkt am Waldrand platzierte Treppenturm verschwinde praktisch neben den hohen Waldbäumen und würde sich so in die Umgebung eingliedern. Die denkmalgeschützten Höllhäuser würden durch den Holzbau nicht gestört werden. Ausserdem sei das nächste Höllhaus rund 100 Meter entfernt.

Es bestehe zudem im Bebauungsplan für die Wohnüberbauung Vogelwinkel eine Auflage für die Korporation, am Waldrand eine Aussichtsplattform zu erstellen. Diese Auflage sei standortgebunden und ihr werde mit der oberen Aussichtsplattform des Schlaufensteges entsprochen. Nach den eingegangenen Einsprachen dürfte sich der per Ende 2020 vorgesehene Baustart verzögern. Die Korporation ist guter Dinge. «Wir werden um das Projekt kämpfen», sagt Corinna Müller, Korporationsschreiberin. Die Gemeinde Baar werde das Baugesuch im nächsten Schritt mit den kantonalen Ämtern sowie der Abteilung Planung und Bau prüfen und weiterbearbeiten.

Abschliessende Beurteilung folgt noch

Mit Eingabe des Rodungsgesuchs nahm das kantonale Amt für Wald und Wild eine Vorprüfung zu dessen Bewilligungsfähigkeit. «Die Voraussetzung für die Rodungsbewilligung erachten wir als gegeben», sagt Martin Ziegler, Amtsleiter des Amts für Wald und Wild Zug. Dies sei aufgrund der Lage im Erholungswald, der Zweckgebundenheit an den Wald und da von einem öffentlichen Interesse auszugehen ist. Im Sinne der Walderhaltung werde die Rodungsfläche flächengleich in der unmittelbaren Umgebung aufgeforstet. «Die abschliessende Beurteilung erfolgt nach Ende der öffentlichen Auflage», so Ziegler.