Siemens streicht in Zug über 200 Stellen

Der grösste Zuger Arbeitgeber Siemens muss sparen und Stellen streichen. Es wird auch viele Kündigungen geben. Die Gewerkschaften verurteilen den Abbau aufs Schärfste.

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Siemens-Hauptgebäude in Zug: Die Mitarbeiter wurden am Mittwoch über den Stellenabbau informiert. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Siemens-Hauptgebäude in Zug: Die Mitarbeiter wurden am Mittwoch über den Stellenabbau informiert. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Eigentlich war der grösste Zuger Arbeitgeber - der Gebäudetechnikkonzern Siemens Building Technologies - in den letzten Jahren ein Garant für gute Nachrichten. Immer wieder konnten Stellen aufgebaut werden, und es wurde geplant, etwa 200 Stellen aus dem Werk in Volketswil ZH nach Zug zu verlegen. Doch nun gibt es für einmal schlechte Nachrichten vom Unternehmen, das in Zug 1900 Mitarbeiter beschäftigt und weltweit 44'000.

40 Stellen in der Entwicklung weg

In der Schweiz werden 220 Stellen abgebaut. 80 Stellen fallen in der Verwaltung am Hauptsitz in Zug weg, 40 in der Entwicklung, die ebenfalls in Zug beheimatet ist, und dann müssen noch 100 Stellen in der Produktion gestrichen werden. Dabei handelt es sich grösstenteils um die Stellen, die von Volketswil nach Zug verlegt werden sollten. Da noch nicht klar ist, wie viele Mitarbeiter letztendlich zum Umzug von Volketswil nach Zug bereit sind, ist ebenfalls unklar, wie viele Stellen schliesslich auf Kosten von Zug gestrichen werden.

«Die Wirtschaftskrise und der starke Franken haben die Entwicklungskosten in der Schweiz dramatisch steigen lassen», erklärt Johannes Milde, Chef von Siemens Building Technologies. In der Produktion werden wiederum Stellen gestrichen, da ein Teil von Zug nach Rumänien und China verlagert wird. «Wir sind früher davon ausgegangen, dass wir die Mitarbeiter dank des starken Wachstums halten können», sagt der Firmenchef. «Jetzt ist das Wachstum weg, und durch den starken Franken ist eine Schweizer Arbeitsstunde um bis zu 25 Prozent verteuert.»

Man rechne mit 80 vorzeitigen Pensionierungen, betont Milde. Etwa 60 Stellen würden durch Kündigungen von Seiten der Mitarbeiter und interne Versetzungen wegfallen. «Ich gehe davon aus, dass wir einen mittleren zweistelligen Betrag an Kündigungen aussprechen müssen», fügt er an.

Neue Grossinvestitionen geplant

Es gab am Mittwoch aber auch eine gute Nachricht. Die Siemens Division Gebäudetechnik investiert in den kommenden Jahren 170 Millionen Franken in zwei neue Gebäude in Zug. Gebaut wird beim Zuger Bahnhof. «Dieser Schritt erhöht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Entwicklung und Fertigung markant», sagt Siemens-Chef Johannes Milde. Das Sparprogramm, das Siemens heute bekannt gibt, werde an den Investitionen nichts ändern, betont Milde.

Nelly Keune

Das Interview mit Johannes Milde, Chef der Siemens Building Technologies in Zug, lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung und als Abonnent kostenlos im E-Paper.

Zentralschweiz: Minus 700 Stellen

HAUPTSITZny. Für den Kanton Zug und die Zentralschweiz ist der Verlust bitter, denn in den vergangenen Monaten hat Zug damit einen Verlust von knapp 600 Stellen verkraften müssen - die Zentralschweiz sogar einen von 700. Auch der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel bedauert den erneuten Verlust von Stellen, schaut aber nach vorn: «Um so wichtiger ist es, dass die Schweiz und unser Kanton die von uns beeinflussbaren Rahmenbedingungen pflegt», sagte er am Mittwoch

«Keine überstürzten Entlassungen»

ANGESTELLTE SCHWEIZ rem. Die Angestellten Schweiz fordern das Management von Siemens auf, vorderhand keine Entlassungen auszusprechen, wie sie in einer Mitteilung schreiben. Für den Abbau ist ein recht grosser Zeitrum von bis zu 18 Monaten vorgesehen. Das sei «vernünftig». Die Angestellten Schweiz rechnen damit, dass sich die Situation bezüglich Euro-Franken-Kurs weiter entspannen werde. Siemens soll erst einmal beobachten, wie viele Stellen durch natürliche Fluktuationen abgebaut werden können. Kommt es trotzdem zu Entlassungen, soll der bestehende, gute Sozialplan konsequent angewendet werden.

«Zynische Profitmaximierung»

UNIA sda. Unia verurteilt, dass Siemens trotz Rekordergebnissen in der Schweiz mehr als 200 Stellen abbaut. Die Gewerkschaft bezeichnet den Entscheid als «zynische Profitmaximierungsstrategie auf Kosten der Belegschaft». Die Arbeitnehmervertretung weist in einem Communiqué von Donnerstag darauf hin, der deutsche Industriekonzern habe 2011 den Gewinn um fast zwei Drittel und den Umsatz um 7 Prozent gesteigert. Zudem habe der in der Schweiz angesiedelte Bereich Gebäudetechnologie ein Umsatzwachstum von 4 Prozent verzeichnet. Der Stellenabbau hat nach Ansicht der Unia nur das Ziel, die Profite weiter zu steigern und das Unternehmen für die Aktionäre noch attraktiver zu machen.

Für diese «einseitige» Strategie müssten nun die Arbeitnehmenden in Zug und Volketswil zahlen. Die Gewerkschaft kündigt deshalb an, im Rahmen der Konsultationsfrist «auf Lösungen zu drängen, welche die Interessen der Beschäftigten vor den Interessen der Aktionäre stellen».

«So sozial wie möglich»

SYNA rem. Syna fordert von Siemens, die Abbaumassnahmen so sozial als überhaupt möglich über die Runden zu bringen. Laut Mitteilung vom Donnerstagmittag soll das Wohl der Arbeitnehmer in den Mittelpunkt gestellt werden. Wieviele der Mitarbeiter aus Volketswil den Umzug mitmachen werden, sei derzeit noch unklar, schreibt die Gewerkschaft. Für die, die den Arbeitsort Zug nicht wählen, werde die Nichtwahl zur Kündigung führen.