Sihlbrugg
Blütenteppiche statt Abfallberge: Die erste Etappe der Deponie Tännlimoos ist renaturiert

Abfall soll wo immer möglich im Baugewerbe vermieden werden. Wenn das nicht klappt, landet der Abfall in einer Deponie. Jene im Tännlimoos erblüht derzeit zumindest in Teilen.

Vanessa Varisco
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Die Baudirektion und die Risi AG rekultivieren Teile der aufgefüllten Deponie mit Blumenwiesen und Steinhaufen.

Die Baudirektion und die Risi AG rekultivieren Teile der aufgefüllten Deponie mit Blumenwiesen und Steinhaufen.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Steinige Hänge, an denen büschelweise Blüten wachsen. Das ist der erste Anblick für all jene, die am Fusse des rekultivierten Teils der Deponie Tännlimoos in Sihlbrugg stehen. Eigentlich werden in der Deponie die Stoffe aus dem Bau gelagert, welche beispielsweise nicht rezykliert werden können. Abbruchmaterial etwa.

Es spriesst allmählich.

Es spriesst allmählich.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Doch an dieser Stelle ist nichts davon zu sehen. Und je weiter man dem Pfad hangaufwärts folgt, desto grüner wird es. Einige Hänge sind dicht bewachsen mit Gras und Teppichen aus Blüten.

Rekultivieren, wieso? Das erklärten die Experten am Mittwoch.

Rekultivieren, wieso? Das erklärten die Experten am Mittwoch.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Laut Martina Brennecke vom Zuger Amt für Raum und Verkehr grünt es an gewissen Stellen mehr, weil man hier mit der Bepflanzung früher begonnen hat. Sie gehört zu einer Runde von Experten von Kanton und der Risi AG – welcher die Deponie gehört –, die an einer Medienorientierung über die Rekultivierung aufklären. Es ist die erste Etappe der Deponie, welche auf diese Art rekultiviert wird. Brennecke zeigt sich begeistert:

«Es ist beeindruckend, wie die Deponie sich innert zwei Jahren verändert hat und so gelungen renaturiert werden konnte.»

Auch Baudirektor Florian Weber freut sich über das Resultat. Deponien seien kein einfaches Thema und es sei wichtig, die Natur zu berücksichtigen: «Mit der Endgestaltung der ersten Etappe werden Flächen, die zuvor für die Deponie benötigt wurden, der Natur mit einem Mehrwert zurückgegeben.»

Florian Weber auf der rekultivierten Deponie.

Florian Weber auf der rekultivierten Deponie.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

50'000 bis 100'000 Tonnen werden jährlich deponiert

An gewissen Stellen wachsen noch wenige Blüten.

An gewissen Stellen wachsen noch wenige Blüten.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Die hügelige Zone mit der Begrünung passt sich gut ins Landschaftsbild ein. Wer aber einige Schritte aus der renaturierten Etappe macht, erhält einen Einblick, wie es üblicherweise in solch einer Deponie aussieht. Ein riesiges ausgehobenes Loch tut sich auf. In jenem werden laut Mario Engi von der Jura Management AG die nächsten sieben Jahre Entsorgungen deponiert, bis es gefüllt ist.

Wo nicht renaturiert wird, lädt man Abfall in der Deponie ab.

Wo nicht renaturiert wird, lädt man Abfall in der Deponie ab.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Die Deponie Tännlimoos oberhalb von Sihlbrugg ist seit 1959 eine Anlage für die regionale Entsorgungswirtschaft. Rund 50'000 bis 100'000 Tonnen Abfall werden dort pro Jahr abgelagert. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als vielerorts sorglos mit dem Ablagern von Abfällen umgegangen wurde, gelten heute für Deponien strenge Sicherheitsanforderungen, schreibt die Baudirektion in einer Medienmitteilung.

Rekultiviert wird in Etappen: Der grüne Teil auf der linken Karte ist Stand heute renaturiert.

Rekultiviert wird in Etappen: Der grüne Teil auf der linken Karte ist Stand heute renaturiert.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Ob jene eingehalten werden, prüft nämlich das Amt für Umwelt in der Baudirektion. Martina Brennecke sagt: «Deponien bringen einen Eingriff in die Landschaft, zumindest für die Dauer ihres Betriebs, der wie im Tännlimoos viele Jahrzehnte dauern kann. Umso entscheidender ist darum die Rekultivierung der Deponien, die in Etappen erfolgt.»

Mehr Sicherheit bei der Abfallwirtschaft

In diesem Loch wird die nächsten sieben Jahre Abfall deponiert.

In diesem Loch wird die nächsten sieben Jahre Abfall deponiert.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Der Untergrund besteht weitgehend aus stabilem Molassefels und bildet laut Bernhard Brunner, Projektleiter Abfallbewirtschaftung und Deponien, eine natürliche Barriere mit geringer Wasserdurchlässigkeit: «Entsprechend gibt es in der näheren Umgebung auch kein nutzbares Grundwasser, das gefährdet werden kann.»

Die Sicherheit auf Deponien wird heutzutage hochgehalten.

Die Sicherheit auf Deponien wird heutzutage hochgehalten.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)
Grün ist anders. In der aktiven Deponie ist die Kulisse grau.

Grün ist anders. In der aktiven Deponie ist die Kulisse grau.

Bild: Stefan Kaiser (Sihlbrugg, 4. Mai 2022)

Nebst diesen optimalen Grundvoraussetzungen gewährleisten zudem umfangreiche bauliche, betriebliche und organisatorische Sicherheitsmassnahmen einen umweltgerechten Deponiebetrieb.

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