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SIHLBRUGG: Unfall auf Fonduefahrt: Nach Bauarbeiten Weiche nicht kontrolliert

Ein Dampfzug war im Februar 2016 beim Bahnhof Sihlbrugg in einen Schotterwagen geprallt: Eine Weiche war zuvor nach dem Abschluss von Bauarbeiten als frei gemeldet worden – obwohl sich darauf noch Bauwagen befunden hatten. Aus unerfindlichen Gründen sei keine Sichtkontrolle erfolgt, heisst es im Unfallbericht.
Blick auf den beschädigten Nostalgiezug in Sihlbrugg. (Bild: Ennio Leanza (22.02.2016, Sihlbrugg))

Blick auf den beschädigten Nostalgiezug in Sihlbrugg. (Bild: Ennio Leanza (22.02.2016, Sihlbrugg))

Es war eine gemütliche Fonduefahrt, welche 59 Personen an Bord eines dampfbetriebenen Nostalgiezugs am Samstag, 20. Februar 2016, unternahmen. Auch der Lokführer, der Heizer und der Führergehilfe hatten sich «auf das Durchführen der Dampffahrt gefreut», wie im Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) festgehalten wird.

Abruptes Ende der Fonduefahrt

Die drei Männer im Führerstand des Dampftriebwagens stoppten auf dem Rückweg von Arth-Goldau nach Zürich am Bahnhof Sihlbrugg auf Gleis 2, um Wasser zu fassen. Als das Nachfüllen beendet war und auch das Gleissignal das Losfahren erlaubte, setzten die drei kurz vor 22.50 Uhr die gemütliche Fonduefahrt fort.

Kurz darauf endete diese jedoch abrupt: Der Heizer entdeckte im Dunkeln einen stehenden Güterwagen, der in die Fahrstrasse des Dampfzuges ragte. Er leitete sofort eine Schnellbremsung ein und warnte seine Kollegen.

Der Zug hatte nach dem Wasserfassen erst Tempo 30 erreicht, bei der Kollision mit dem Schotterwagen hatte er gemäss des am Donnerstag veröffentlichten SUST-Berichts noch 22 Kilometer pro Stunde drauf. 20 Personen im Zug verletzten sich leicht. Am historischen Rollmaterial entstand hoher Sachschaden.

Falsch abgestellte Güterwagen

Laut Schlussbericht hatten sich insgesamt neun Güterwagen auf einem Stumpengleis befunden, das im Zusammenhang mit der Fahrbahnerneuerung im Albistunnel zwischen Sihlbrugg und Baar als Abstellgleis genutzt wurde. Zwei der darauf abgestellten Wagen ragten dabei um 25 Meter über das massgebende Zwergsignal hinaus auf die Weiche 4.

Der zuständige Arbeitsstellen-Koordinator in Sihlbrugg hatte dem Fahrdienstleiter in der Betriebszentrale Zürich Flughafen am Freitag die Weiche 4 als frei gemeldet, als die Bauarbeiten beendet worden waren.

Weil die Systeme des Fahrdienstleiters aber angaben, dass die Weiche belegt sei, fragte er mehrmals nach. Er schaue gerade nach, entgegnete der Arbeitsstellen-Koordinator. Er sehe nichts, da sei alles sauber. Und schliesslich bestätigte er gemäss SUST-Bericht noch einmal: «Jawohl, Weiche 4 ist frei.»

Keine Sicht auf die Weiche

Dabei hatte sich der Mann bei seinem Bürocontainer auf der Rampe aufgehalten: «Die Sicht war aber bis zur Weiche 4 wegen der Distanz von rund 120 Metern und der fehlenden Beleuchtung nicht gegeben», heisst es im Bericht weiter. Er habe keine «eindeutige Übersicht der tatsächlichen Situation haben können.»

Eine Sichtkontrolle sei unterblieben, obwohl an jenem Tag angesichts des zu frühen Arbeitsabschlusses kein Zeitdruck geherrscht habe: «Der erfahrene Arbeitsstellen-Koordinator unterliess aus unerklärlichen Gründen die örtliche Kontrolle der Weiche.»

Sicherheitsempfehlungen und Sicherheitshinweise spricht die SUST in Zusammenhang mit dem Bericht nicht aus.

sda

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