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Sind die Zuger Kinderbeistände überfordert?

Unter der hohen Arbeitsbelastung der Beistände leiden die Mandanten. Dies verursache hohe Kosten, glaubt ein Pädagoge.
Laura Sibold
Das Gebäude der Kesb in Zug. (Bild: Werner Schelbert, Zug, 27. Juli 2016)

Das Gebäude der Kesb in Zug. (Bild: Werner Schelbert, Zug, 27. Juli 2016)

Berufsbeistände sind im Kanton Zug einer überdurchschnittlich hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Sie sind verpflichtet, auf 100 Stellenprozente 80 Fälle zu führen, womit ihnen pro Mandat monatlich lediglich eineinhalb Stunden Zeit bleibt. Es sei nicht zu leugnen, dass man haarscharf an die Belastungsgrenze stosse, sagte Berufsbeistand Christian Siegwart vor rund einem Monat gegenüber unserer Zeitung (wir berichteten). «Zeit, um tiefer zu gehen, und auch für alltägliche Anliegen der Mandanten da zu sein, bleibt leider kaum.» Besonders bei Fällen im Kindesschutz, die unvorhersehbar eingehen würden, seien Berufsbeistände stark absorbiert, hielt Siegwart fest.

Dies bestätigt Philipp Suter. Der Pädagoge begleitet mit der privaten Organisation jugendbewaehrungshilfe.ch Jugendliche durch Krisensituationen und hilft bei der Berufsfindung. Berufsbedingt arbeitet er oft direkt oder indirekt mit dem Amt für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kes) sowie deren Beiständen zusammen. «Die Kes-Mitarbeiter nehme ich als engagiert, kompetent und grossherzig wahr. Bei pubertierenden und provozierenden Jugendlichen erlebe ich es aber immer wieder, dass die Berufsbeistände ängstlich und indirekt kostspielig arbeiten, weil sie teilweise überfordert sind», bedauert der Baarer. Dies sei wegen fehlender Zeit bei bis zu 80 Mandaten nicht weiter erstaunlich.

Oft fehle ausreichend Zeit für die Jugendlichen

«Hier spart die Politik leider am falschen Ort. Die Folgekosten von überforderten Kinderbeiständen sind enorm», sagt Suter und erklärt die Sachlage anhand eines Beispiels: «Ich erinnere mich an eine Jugendliche, die regelmässig in der Schule fehlte. Die zuständige Behörde entschied sich für eine Fremdplatzierung in einer Institution für über 15000 Franken pro Monat.» In den letzten sechs Monaten sei die Jugendliche allerdings wegen ihres grossen Freiheitsdrangs keinen einzigen Tag in dieser Institution gewesen.

Die Gemeinde und der Kanton haben laut Suter für das halbe Jahr Fremdplatzierung dennoch mehr als 90000 Franken bezahlt. «Hätte der Beistand Zeit für die Beziehungsarbeit gehabt und die entscheidende Erziehungsarbeit der Mutter unterstützt, wären Kosten von rund 4000 Franken im Monat angefallen», ist Phi­lipp Suter überzeugt. Leider fehle oft die Zeit, um auf die Träume und Anliegen der Jugendlichen einzugehen. Das sei jedoch essenziell, denn «gerade wenn man sie ernst nimmt, findet man eher einen Zugang zu den Jugendlichen, kann so passende Massnahmen finden und langfristig auch Kosten sparen».

Der Baarer betont, dass Kinderbeistände bei kooperierenden Eltern und einigermassen sozialisierten Jugendlichen sehr gute Arbeit leisten würden. «Aber bei pubertierenden, provozierenden und oft auch konsumierenden Jugendlichen müssen Beistände effizienter arbeiten könnten. Dazu braucht es eine Reduktion der Mandate.»

Beide Seiten wollen tiefere Fallzahlen

Marianne Basler, Leiterin des Mandatszentrums Zug, äussert sich zu Suters Aussagen wie folgt: «Es ist korrekt, dass die Arbeitsbelastung der Berufsbeistände – insbesondere jener, die Kindesschutzmandate führen - im Kanton Zug hoch ist. Auch wir Berufsbeistandspersonen plädieren darum für eine Reduktion der Fallzahlen.» Basler betont allerdings, dass der Sachverhalt des von Suter erwähnten Beispiels nicht bestätigt werden könne.

«Grundsätzlich ist es so, dass selbst durch mehr Ressourcen der Berufsbeistände Fremdplatzierungen nicht verhindert werden können. Eine solche Schlussfolgerung verkennt die Möglichkeiten und rechtlichen Kompetenzen, die ein Beistand hat.» Denn ein Beistand könne nie eine fehlende Tagesstruktur ersetzen. «Die Aufgabe der Beistandsperson, die stets im Auftrag der Kesb handelt, besteht darin, mit den Eltern und dem Kind oder Jugendlichen Unterstützungslösungen zu suchen und sie zu begleiten.»

Bei Jugendlichen mit massiven Orientierungs- und Berufswahlkrisen stelle das Angebot von Philipp Suter eine Option von vielen dar. Mit ihm habe bereits ein konstruktives Gespräch stattgefunden. «Oberstes Ziel ist es immer, mit den Eltern tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Das Anordnen von Massnahmen liegt zudem nicht in der Kompetenz der Beistände, sondern in jener der Kesb», so Basler.

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