Sinfonietta Zug – 20 Jahre jung

Ein Sinfoniekonzert im Chamer Lorzensaal eröffnete die zwanzigste Spiel-Saison der Zuger Sinfonietta. Unter der Leitung von Daniel Huppert erklangen Werke von Beethoven und Sibelius mit der Haupt-Solistin Esther Hoppe, Violine.

Jürg Röthlisberger
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Esther Hoppe (hier bei ihrem Auftritt) blieb dem anspruchsvollen Werk nichts schuldig. (Bild: Maria Schmid (Cham, 29. September 2018))

Esther Hoppe (hier bei ihrem Auftritt) blieb dem anspruchsvollen Werk nichts schuldig. (Bild: Maria Schmid (Cham, 29. September 2018))

«Coriolan»-Ouvertüre und Violinkonzert Opus 61 von Ludwig van Beethoven, dazu die Orchestersuite «Paléas und Mélisande» von Jean Sibelius – nach dem Programm war es ein Sinfoniekonzert; mit gut 30 Mitwirkenden musizierte aber ein wesentlich kleinerer Klangkörper, was auch in der Ensemble-Bezeichnung «Sinfonietta» (Verkleinerungsform von Sinfonie) zum Ausdruck kommt.

Wie im Chamer Lorzensaal auch mit den Einleitungsworten von Hans Abicht und Lion Gallusser zum Ausdruck kam, hat sich das ursprüngliche Konzept voll bewährt: Die längst zu Berufsmusikern gewordenen Musikstudenten erarbeiten seit der Gründungszeit den Notentext selbständig, und die wenigen gemeinsamen Proben dienen vor allem der Verständigung mit dem auswärtigen Dirigenten und dem Finden einer gemeinsamen Werkauffassung. Als Besonderheit bringt die Jubiläumssaison vor allem Solisten, welche ihre künstlerische Laufbahn in der Region begonnen haben.

Das Pianissimo voll getroffen

Beide Werke der ersten Konzerthälfte standen geistig in engem Kontakt mit Theaterstücken und waren damit Programmmusik. Die beide Male tragische Handlung wurde sowohl von Beethoven wie Sibelius durch eine dunkle Registrierung unterstrichen, welche den Ersten Violinen nur wenig Freiraum liess. Auch mit derart verschobenen Schwerpunkten gelang der Sinfonietta ein in sich logisches klangliches Gleichgewicht. Schon in den allerersten Beethoven-Akkorden kontrastierten die vom Dirigenten sehr impulsiv gegebenen Einsätze mit den Generalpausen. Von dort war es ein weiter Weg zum orchestral abschliessenden Intermezzo mit dem angehängten sehr verhalten interpretierten Epilog «Mélisandes Tod», den der Dirigent als bedeutendsten Teil des ganzen Werkes bezeichnet hatte. Im zweiten Sibelius-Satz erklang ein wunderschönes Englischhorn-Solo (Sabina Novak), welches nachher zahlreiche weitere exponierte Bläsereinsätze folgen liess. Beethoven hat nur ein einziges Violinkonzert geschrieben, jenes in D-Dur, Opus 61, und eine einzige Oper, den mehrmals überarbeiteten «Fidelio». Trotzdem überragen diese beiden Werke fast alles, was auch die als bedeutende Komponisten anerkannten Zeitgenossen geschrieben haben. Die in Cham aufgewachsene, aber längst international bekannte Solistin Esther Hoppe blieb dem anspruchsvollen Werk nichts schuldig. Im zweiten Satz wurde das für Solistin, Orchester und Publikum in gleicher Weise anspruchsvolle Pianissimo voll getroffen, woran auch die perfekt hergerichtete Akustik ihren wesentlichen Anteil hatte.

Nach der kadenzartigen Überleitung begann der dritte Satz eher gemächlich, fand dann mit den wiederholten Einsätzen des Rondo-Themas aber doch jene Geschmeidigkeit, welche die virtuose Gestaltung ins beste Licht rückte.

Bis auf den letzten Platz gefüllt

Vorangegangen war eine ebenfalls in sich stimmige Wiedergabe des langen ersten Satzes mit zahlreichen thematischen Wiederholungen, welche je nach Position des Musiksachverständigen als «himmlische Längen» oder «unendliche Wiederholung einiger gemeiner Stellen» (Originalzitat der «Wiener Theater-Zeitung» nach der Uraufführung 1806) verstanden werden. Die Sinfonietta jedenfalls fand im Lorzensaal das richtige Ebenmass zwischen Begleitaufgaben und selbstständiger konzertanter Gestaltung; wesentlichen Anteil leisteten dabei die Celli mit ihren zahlreichen exponierten Einsätzen.

Das Publikum füllte den erweiterten Lorzensaal bis auf den letzten Platz. Dem Vernehmen nach wurden bereits für alle vier Chamer Konzerte 310 Abos verkauft – so viele wie nie zuvor. Damit ist auch für die Fortsetzung bereits ein zahlreiches Publikum gesichert. Den langen und intensiven Schlussapplaus verdankten Orchester und Solistin mit einer Bearbeitung nach Alexander Glasunow (1864-1936).