SINS: Farbiger Jubiläumsumzug mit Witz und Biss

Am 45. Kifasi-Umzug waren Schellen-Ursli, Heidi und Co. gut vertreten. Auch das Sinser Sparbudget wurde eingehend behandelt.

Cornelia Bisch
Drucken
Teilen
Mit Hingabe gebastelt: die Kindergärtler als kühne Autofahrer. (Bild Cornelia Bisch)

Mit Hingabe gebastelt: die Kindergärtler als kühne Autofahrer. (Bild Cornelia Bisch)

Die Kinderfasnacht Sins (Kifasi) am Güdismontag schaut auf eine lange Tradition zurück. Auch am 45. Umzug wirkten wieder über 800 Schüler, Vereinsmitglieder und Fasnachtsbegeisterte mit. Sieben Guggenmusigen aus Sins, Oberrüti, Auw, Merenschwand und Hünenberg lieferten die schmissigen Rhythmen dazu und brachten das seinerseits fasnächtlich herausgeputzte Publikum zum Hüpfen und Tanzen.

 

Sinser Sparkurs

Was passiert, wenn man die Gemeinde zum Sparen zwingt, demonstrierten die Villiger Brothers mit ihrem Sujet «D’Hälfti». Kurzerhand halbierten sie die Bänke der mitgeführten Schulklasse und die Fahrzeuge der Gemeindearbeiter, welche überdies mit halben Uniformen halb nackt durch die Strassen marschierten, während sie auf halben Handys telefonierten. Eine witzige Anspielung auf das Referendum gegen die Steuererhöhung, das seit kurzem viel zu reden gibt im Dorf.

Durch den Gotthard in die Ferien

Auch die zweite Gotthardröhre war Thema mit einem aufwendig in die Höhe getürmten, fahrenden Bergmassiv, das jede Menge Schleckzeug und Konfetti ausspuckte. Mit reich dekorierten Fahrzeugen warteten die beiden Fasnachtskomitees Sins und Dietwil auf. Zu Ehren des Jubiläums schrill-bunt das eine, im sommerlich exotischen Ferien-Look das andere. Vom Wagen des Fussballclubs lärmte der Schweizer des Jahres, Polo Hofer, unter Dutzenden von Doppelgängern seine grössten Hits in die Menge.

Null-Bock-Generation

Eine lange Kolonne zipfelbemützter Urslis trug lustig dekorierte Blechdosenschellen vor sich her, und ein kühner Geissenpeter mit kurzen Hosen und blossen Knien schäkerte mit der kraushaarigen Heidi, einer übermütigen Ziege und dem gemütlichen Grossvater gleichermassen. Das Jahrgangsteam der ersten Oberstufe hatte sich der Gegensätzlichkeit der eigenen Generation gewidmet: die deprimierende Tristesse der Null-Bock-Abhänger einerseits, die nervöse Hyperaktivität der Sport- und Hobbysüchtigen andererseits. Eine gelungene, ernsthafte und vor allem in der Masse wirkungsvolle Darbietung.

Knöpfe bringen Farbe

Besonders fleissig bereiten sich jeweils die jüngsten Kinder auf die Fasnacht vor. Mangels Schnee hatten die Striezi-Spielgrüppler statt der Ski die Schwimmflügel montiert und watschelten im flotten Badelook durchs winterliche Dorf. Während sich die Purzelhus-Knöpfe in ebensolchem Outfit an die Rockstösse der Mütter klammerten, pinselten die Kindergärtler übermütig mit mannshohen, selbst gebastelten Werkzeugen imaginäre Farbe ins Publikum oder kurvten tollkühn mit drolligen Autos der Marke Eigenbau in der Gegend herum. Magisch hatte sich das Schulvolk Aettenschwil herausgeputzt und zauberte den Zuschauern mit Spitzhut, Stab und Umhang ein Lächeln ins Gesicht. Auf lustige Clowns mit bunten Ballonsträussen, süsse Eskimos, gefährliche Diebe und Piraten folgten farbige Paradiesvögel, niedliche Wespen und schrille Flower-Power-Fans. Überall flog reichlich Konfetti, sodass die letzten der 27 Nummern über einen bunten Papierteppich schritten.

Noch lange nicht Feierabend

Wers geschickt anstellte, konnte sich während des Umzugs häppchenweise einen währschaften Zvieri einfangen oder sich einen heiteren kleinen Schwips antrinken. Denn die meisten Sujet-Gruppen teilten grosszügig Süssigkeiten, Knabbereien und Getränke aus.

Fürs wackere Umzugsvolk gabs im Anschluss an den Marsch durchs Dorf eine willkommene Stärkung. Lediglich für die Guggenmusigen war noch lange nicht Feierabend, denn ihnen oblag abwechselnd die Unterhaltung des Publikums mit schmissiger Dauerkakofonie auf dem Schulhausplatz Ammannsmatt, wo dieses Jahr auch der Kifasi-Kinderball mit Maskenprämierung im Freien stattfand.

Cornelia Bisch