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Kommentar

Skepsis? «Ja, aber ...»

Livio Brandenberg, Redaktor Zuger Zeitung, über das potenzielle Reputationsrisiko Kryptobranche für Zug.
Livio Brandenberg
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«Schon wieder», dürfte manch einer gedacht haben, als Ende der Woche bekannt wurde, dass sich beim Baarer Kryptounternehmen Envion Gründer und CEO verkracht haben. Gegenseitige Vorwürfe der unrechtmässigen Bereicherung und weiteren Übeltaten stehen im Raum, es geht um viel Geld, der Fall ist kompliziert. Berichten zufolge hatte Envion im Januar ein Initial Coin Offering (ICO) gemacht und dabei rund 100 Millionen US-Dollar eingenommen. Bei einem ICO werden gegen Geld – meist in Kryptowährungen bezahlt – elektronische Tokens ausgegeben, die ähnlich wie Aktien Anteilsrechte für die Investoren beinhalten oder eine künftige Gewinnbeteiligung versprechen. Das Verfahren ist schnell, bisher wenig beaufsichtigt – und darum beliebt.

Der neue Streit um Kryptomillionen weckt in Zug schlechte Erinnerungen: Im Fall der Tezos-Stiftung mit Sitz in der Stadt Zug bekämpften sich bis Ende Februar das Gründerehepaar Breitman und der Stiftungsratspräsident Johann Gevers. Es ging um noch mehr Geld (gut 230 Millionen Dollar), welches blockiert wurde, und in den USA wurden mehrere Sammelklagen eingereicht. Ruhe kehrte erst ein, als Gevers seinen Rücktritt erklärte.

So komplex und undurchschaubar diese Fälle sind, sie haben in Zug zu interessieren. Denn vier der zehn grössten ICOs weltweit haben ihren Ursprung in der Schweiz. Meistens steckt eine Stiftung dahinter, und meistens hat diese ihren Sitz in Zug. Experten schätzen, dass bei den 50 grössten ICOs bisher die Zuger zwei Drittel des Schweizer Volumens ausmachen. Die Frage muss deshalb gestellt werden: Gefährdet Zug so seinen Ruf? Auch in unserer Zeitung wurde sie schon gestellt. Es gelte, die Entwicklungen mit einer gehörigen Portion Skepsis zu begleiten, so das Fazit vor rund einem halben Jahr.

Und nun fragt auch die Zuger Politik nochmals nach: In einer Interpellation will die Alternative-die Grünen wissen, welche Schlüsse der Stadtrat aus dem Fall Envion ziehe und was dieser zur Reputationsfrage meine. Diese Reaktion ist verständlich. Doch hier handelt es sich um einen klassischen Fall von «Ja, aber ...»: Skepsis ja, aber bitte keinen Aktionismus. In der Kryptobranche dürfte es nicht mehr Betrug oder unlautere Geschäfte geben als in anderen Branchen. Deshalb sollten die Entscheidungsträger in Stadt und Kanton Zug nun keinesfalls zu Spitzkehren ansetzen. Denn Innovation und Wachstum können durch übermässige Regulierung ganz schnell abgewürgt werden.

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