So kommt der Himmel in die Kirche

Die Pfarrei St. Matthias verbindet die «SchöpfungsZeit 2018» mit einem Kunstprojekt. Die vier Gemälde der einheimischen Künstlerin Myrtha Steiner sollen zum Nachdenken anregen.

Monika Wegmann
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Myrtha Steiner hat die Himmelsbilder (im Hintergrund) gemalt. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 4. September 2018)

Myrtha Steiner hat die Himmelsbilder (im Hintergrund) gemalt. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 4. September 2018)

Wieso befasst sich eine Künstlerin wie Myrtha Steiner so intensiv mit dem Himmel, dass sie ihn ­serienmässig malt? «Die Natur ist ein Kernthema von mir», sagt sie. Doch die Himmelsmotive hätten sich zufällig ergeben. Sie sei vor neun Jahren in Zürich in eine Wohnung mit grossem Balkon gezogen. Von dort sehe man weit über die Stadt und ganz viel vom Himmel. Immer wieder habe sie gedacht: «Irgendwann, wenn ich alt bin, setze ich mich hierher und male diesen Himmel.» Jahrelang hätten sie dessen unterschied­lichen Stimmungen und Farben fasziniert. Bis sie so durchdrungen war von diesem Firmament, dass sie 2017 mit den ersten Himmelsbildern begann.

Nun sind vier dieser Werke von Myrtha Steiner (52), die das Himmlische thematisieren, in den Räumen der Don-Bosco-­Kirche in Steinhausen zu sehen. Eines der Bilder schmückt die Wand hinter dem Altar, die übrigen drei sind im Saal nebenan der farbige Blickpunkt.

Bilder sollen zum Nachdenken anregen

Und so ist der Gottesdienst vom Sonntag anschliessend mit einer Vernissage verbunden – mit Apéro und einem Gespräch mit der Künstlerin. Mit dem künstlerischen Akzent wird die diesjährige «SchöpfungsZeit» in der katholischen Pfarrei Steinhausen eingeläutet, die unter dem Motto «Taste, fühle, begreife» steht.

Bei den vier mit Gouache und Acryl in abstrakter Manier gemalten Gemälden von Myrtha Steiner fallen die dynamischen Streifen über den diversen Farbschichten auf. Wie beim Himmel in der Natur sind auf den Werken neben verschiedenen blauen auch graue, grünliche, zartgelbe und rötliche Töne enthalten.

«Wenn ich hinaufschaue, spüre ich, wie klein der Mensch ist.»
Myrtha Steiner, Künstlerin

«Die Himmelsbilder von Myrtha Steiner passen gut zu unserem Motto. Ausserdem wird im Gottesdienst der Himmel eine Rolle spielen», sagt die Steinhauser Religionspädagogin Ingeborg Prigl.

Die Aktion sei Teil des in der Pfarrei laufenden Projekts «Kunst im Kirchenraum – KIK». Wie Prigl erwähnt, sei die Kunstaktion auch vom Gemeindeleiter Ruedi Odermatt und dem Team abgesegnet worden. Noch immer ist Ingeborg Prigl begeistert, wenn sie die Bilder betrachtet: «Diese Farbigkeit und Lebendigkeit. Auf dem Bild links ist der Himmel ins Abendrot eingetaucht. Ich bin bewegt, und je länger ich das Bild anschaue, umso tiefer werde ich hineingezogen. Und der Himmel ist nicht statisch, er bewegt sich», sagt sie mit leuchtenden Augen. Sie ist überzeugt, dass die Betrachtung der Sujets bei den Menschen etwas auslösen und sie zum Nachdenken anregen kann.

Künstlerin Myrtha Steiner vor ihren Himmelsbildern. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 4.September 2018))

Künstlerin Myrtha Steiner vor ihren Himmelsbildern. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 4.September 2018))

Der Kontakt zwischen Ingeborg Prigl und der Künstlerin entstand zufällig an einer Feier im Steinhauser Seniorenzentrum: «Ich traf dort Myrtha Steiner, die ihre Mutter besuchte, und erzählte ihr von unserem Kunstprojekt. So hörte ich von den Himmelsbildern und äusserte den Wunsch zu einem Besuch in ihrem Atelier.»

Künstlerin hat Bezug zu Steinhausen

Myrtha Steiner, die neben der künstlerischen Tätigkeit als Kunsthistorikerin wirkt, hört lächelnd zu und erzählt, dass ihre Eltern 1960 in den Kanton Zug gezogen seien. «Ich bin mit drei Geschwistern in Steinhausen aufgewachsen. Und ich erinnere mich noch gut, als das Zentrum Chilematt gebaut worden ist. Es gefällt mir besonders, dass es neben dem kirchlichen Bedarf auch Gemeinderäume enthält.»

Wegen ihres Bezugs zur Gemeinde freut sie sich, dass sie jetzt ihre tiefsinnigen Kunstwerke ausstellen kann. «Vielleicht überlegen sich die Menschen nachher, was sie beim Betrachten des Himmels empfinden. Wenn ich hinaufschaue, spüre ich, wie klein der Mensch ist. Das macht demütig. Wenn man länger studiert, kommt man auf die grossen, philosophischen Fragen der Menschheit. Da geht es nicht um katholisch oder christlich, sondern um die Natur und die ganze grosse Schöpfung. Viele lassen sich davon berühren. Die Kunst kann aufmerksam machen – und man fängt an nachzudenken.»

Hinweis:
Am Sonntag, 9. September, findet um 10.15 Uhr in der Don-Bosco-Kirche Steinhausen ein Gottesdienst mit der Vernissage für die vier Himmelsbilder von Myrtha Steiner statt. Die Werke bleiben bis am 2. Oktober in den Kirchenräumen ausgestellt.