So nimmt Muttergottes in der Pfarrkirche Sins keinen Schaden

Der Schutz von kulturellem Erbe ist im Katastrophenfall von grosser Bedeutung. Das Feuerwehrkader und die Zivilschutzorganisation Oberfreiamt haben den Kulturgüterschutz in der Pfarrkirche geübt.

Eddy Schambron
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Einsatzübung der Feuerwehr und der Zivilschutzorganisation Oberfreiamt in der Pfarrkirche Sins. (Bild: Eddy Schambron)

Einsatzübung der Feuerwehr und der Zivilschutzorganisation Oberfreiamt in der Pfarrkirche Sins. (Bild: Eddy Schambron)

Keine Berührungsängste: Notfalls muss man halt auf den Altar steigen, um eine Statue vor der Vernichtung zu retten. Der Schutz wertvoller Kulturgüter ist bei einem Schadenereignis wie einem Brand allerdings keine Hauruck-Übung, sondern eine wohlüberlegte Aktion, wie eine Einsatzübung der Zivilschutzorganisation (ZSO) Oberfreiamt mit dem Kader der Feuerwehr Sins-Abtwil in der Pfarrkirche Sins zeigte. Wie wichtig solche Einsätze sein können, zeigte auf schmerzliche Weise erst vor kurzem der Brand in der Pariser Kathedrale Notre Dame. Letztes Jahr wurden die Kulturgüter der Kirche Sins durch die ZSO erfasst und inventiert, wie Romuald Brem, Kommandant der ZSO Oberfreiamt, unterstrich. Jetzt verfügt die Feuerwehr Sins-Abtwil unter dem Kommando von Thomas Huber über eine Notfalldokumentation.

In einem theoretischen Teil wurde das Feuerwehrkader über den richtigen Umgang mit Kulturgütern instruiert, in einem praktischen das erworbene Wissen gleich umgesetzt. Mit dabei war auch Jonas Kallenbach, Bauberater Denkmalpflege Kanton Aargau und Kulturgüterbeauftragter. «Die Sinser Kirche weist eine sehr reichhaltige Ausstattung auf», machte er deutlich.

Wohlüberlegt handeln

Nicht einfach drauflos gehen: Man muss sich überlegen, wo man die Leiter anstellt, damit man keinen zusätzlichen Schaden anrichtet. Man muss beim Demontieren von Kulturgütern Vorsicht walten lassen. «Der Kelch bei einer Heiligenfigur ist vielleicht nur gesteckt», sagte Simon Wicki, Kulturgüterbeauftragter der ZSO Oberfreiamt. Oder lieber mit schmutzigen Handschuhen eine wertvolle Figur anfassen als mit blossen Händen, weil Dreck leichter wegzumachen ist als Hautfett auf den Objekten. Russ, Rauch und Feuchtigkeit sind, neben dem Feuer an sich, die hauptsächlichsten Gefahren, die Kulturgütern drohen. «Auch Löschwasser kann neue Gefahren heraufbeschwören». In Sicherheit gebrachte Gegenstände dürfen nicht einfach mal «vor der Kirche deponiert», sondern müssen an einer klar definierten Übergabestelle in sorgsame Hände gegeben werden. Dort werden sie protokolliert und weiter geschützt, zum Beispiel mit Luftpolsterfolie oder anderem, passendem Material. «Arbeitet sorgfältig, das ist ein anderer Einsatz als sonst, hier geht es nicht um Tempo», mahnte Wicki die Feuerwehrleute.

Das Notfallkonzept hält nicht nur fest, welche Kulturgüter in der Pfarrkirche Sins sich wo befinden, sondern auch, wie sie am besten zu demontieren sind und mit welchem Werkzeug. Die Dokumentation enthält eine Priorisierung der Objekte, die im Ernstfall zu retten oder zu schützen sind. Die Objekte werden aber nicht publik gemacht, sondern – im Gegenteil – diskret gehalten. Bei der Priorisierung der Kulturgüter wird allerdings nur die kulturelle Bedeutung beachtet. «Der materielle Wert spielt keine Rolle, er ist auch schwer abzuschätzen», erklärt Jonas Kallenbach. Klar ist, dass die Pfarrkirche von Sins einen grossen Stellenwert in der Kulturlandschaft aufweist. In ihr befinden sich, nicht nur im Kirchenschiff, zum Teil einzigartige Objekte, die älter sind als die Kirche selber.

Bauarbeiten bergen auch Risiken

«Der Brand in der Kathedrale Notre Dame hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie schnell so eine Katastrophe passieren kann», machte Kallenbach deutlich. Auch bei uns. Er erinnerte an den Kirchenbrand von 1984 in Bremgarten, bei dem glücklicherweise wegen der stattfindenden Bauarbeiten die Kulturgüter bereits entfernt waren. Oder an den Brand in der denkmalgeschützten Unteren Mühle in Seon, der 2014 den Mühle-Festsaal aus dem 17. Jahrhundert zerstörte. Ende August 2017 stand das Landgut Hirzenberg, südlich der Altstadt von Zofingen, in Flammen. «Wenn man weiss, dass alle zwei Jahre im Aargau eine Kirche saniert wird und Bauarbeiten auch gewisse Gefahren bedeuten, dann erkennt man auch die Bedeutung des Kulturgüterschutzes.»