So sprechen die Zuger Lokalparteien Neuzuzüger an

Manche verschicken einen Brief, andere eine E-Mail – bis jetzt haben die Zuger Parteien noch keine einheitliche Strategie.

Fabian Gubser
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Kürzlich zog eine Bekannte nach Cham. Bald fand sie Post in ihrem Briefkasten: Die SP Cham und die FDP Cham stellten sich in einem Schreiben vor. Während der Brief der SP nach einer unpersönlichen Anrede die allgemeinen Ziele der Partei auflistete, sprach der Brief der FDP die Bekannte mit ihrem Namen an und verwies auf ein aktuelles Anliegen, nämlich auf den Bau einer Kantonsschule in Cham.

Wie handhaben die Zuger Parteien die Ansprache von Neuzuzügern? Wie kommen Sie an die Adressen? Und was bedeutet eine Mitgliedschaft heute noch? Im Kanton Zug regeln die jeweiligen Ortssektionen die Ansprache der Neuzuzüger. Dies teilen die Parteipräsidenten auf Anfrage mit. Alle Parteien nehmen wenn möglich an den Neuzuzüger-Anlässen teil. Je nach Gemeinde geht das unterschiedlich vonstatten: In Baar führt man heute zu diesem Anlass einen Spaziergang durch, früher traf man sich dazu im Gemeindesaal. Teilweise ist seitens der Parteien nur der Gemeinderat vor Ort, welcher die Neuzuzüger offiziell begrüsst. Bei anderen Gemeinden durfte man auch schon einen kleinen Stand aufbauen.

Neuzuzüger-Anlässe und Telefonanrufe

Das Anschreiben per Brief ist verbreitet. Aber zwischen den verschiedenen Parteien gibt es Unterschiede. Barbara Gysel, Präsidentin der SP Kanton Zug, sagt, dass man Neuzugezogene teilweise auch per Telefon kontaktiere. Gewisse Ortssektionen verzichten aber ganz auf die Begrüssung: so etwa die FDP Stadt Zug. Laut Präsident Cédric Schmid habe man bereits viele Neumitglieder. Diese meldeten sich meist durch Weiterempfehlungen. Wenn aber ein bereits registriertes FDP-Mitglied zuzieht, schreibe man es gezielt per E-Mail an. Auch einige Ortssektionen der SVP begrüssen bereits bestehende Mitglieder, die ihren Wohnort gewechselt haben. Einzig die GLP des Kantons Zug kann die Neuzuzüger mangels Personalressourcen nicht begrüssen, wie Co-Präsident Daniel Stadlin mitteilt.

Gemeinden müssen Adressen herausgeben

Laut einem Gerichtsbeschluss von 2016 müssen die Zuger Gemeinden den Parteien die Adressen von Neuzuzügern auf Anfrage herausgeben. Zuvor gab es keine einheitliche Regelung. Beispielsweise stellte die Gemeinde Baar den Parteien bis dahin einmal jährlich die Daten der Neuzugezogenen zu. Als die SVP im Wahljahr 2015 gleichzeitig alle elf Gemeinden anfragte, um – laut dem Urteilstext – «die Stimmbeteiligung wieder signifikant zu steigern», blitzte sie bei den Gemeinden ab, gewann aber letztlich vor dem Verwaltungsgericht. Dies trotz Bedenken der damaligen Datenschützerin.

Bleibt die Frage nach der Bedeutung der Mitgliedschaft. Dazu sagt Thomas Aeschi, Präsident der SVP Kanton Zug:

«Die Tendenz ist schweizweit so, dass die Parteimitgliedschaft weniger gesucht ist als früher.»

Eine Studie der Universität Zürich bestätigt diesen Eindruck. Dies habe unter anderem mit einem Wertewandel und einer besseren Bildung zu tun. So orientieren sich Bürgerinnen und Bürger heute weniger an Autoritäten wie Parteien und informieren sich nicht mehr ausschliesslich über ihre eigene Partei. Ausserdem kann man auch ohne Mitgliedschaft wählen und sich für eine Partei engagieren.

Von den kantonalen Zuger Parteien zählt die FDP zirka 1800 Mitglieder, die SVP 1000, die ALG 252, die SP liegt laut Barbara Gysel «im tiefen hundertstelligen Bereich» und die GLP hat 100 Mitglieder. Die CVP konnte bis Redaktionsschluss keine Auskunft geben. Der Begriff «Mitglied» setzte sich übrigens erste ab Anfang des 20. Jahrhunderts bei den sozialistischen Parteien durch. Nach und nach wurde das Prinzip der Mitgliedschaft auf die anderen Parteien übertragen.