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Kleine funkelnde musikalische Juwelen auf dem Victoria-Areal in Baar

Im Rahmen des Festivals Sommerklänge 2019 musizierte das Wiener Quartett «Strings & Bass» im Victoria-Areal Baar.
Dorotea Bitterli
Georg Breinschmid (links) und Freunde am dritten Konzert des Festivals Sommerklänge. Bild: Patrick Hürlimann (Baar, 21. Juli 2019)

Georg Breinschmid (links) und Freunde am dritten Konzert des Festivals Sommerklänge. Bild: Patrick Hürlimann (Baar, 21. Juli 2019)

Das dritte Konzert des diesjährigen klassischen Musikfestivals Sommerklänge findet bei heissem Wetter unter einem hölzernen Dachstuhl im Victoria-Areal statt. «Willkommen zum ersten offiziellen Saunakonzert», scherzt Georg Breinschmid, bevor er sich an seinen Kontrabass stellt, Ivan Turkaly das Cello installiert, Florian Willeitner und Johannes Dickbauer ihre Violinen ans Kinn heben.

Der Wiener Humor ist von Anfang an da. Das ungewöhnlich zusammengestellte Streichquartett aber setzt bereits mit dem ersten Stück «O(s)iris» die Segel zu einer musikalischen Reise, die so mitreisst, berührt, beunruhigt und beschäftigt, dass man alles vergisst.

Einflüsse aus
aller Welt

Eines ist sofort klar: Die Häfen, von denen aus das Publikum gleichsam auf ein unendliches Meer musikalischer Fantasie gelockt wird, haben zwar Namen: Klassik, Jazz, Pop, Folk und Wienerlied zum Beispiel. Die Schifffahrt, die von da aus unternommen wird, kennt ihre Polarsterne und Navigationssysteme sehr genau, erweitert sie jedoch unbändig kreativ, lustvoll und spielerisch, verschiebt Grenzen und Hoheitsansprüche. Und so werden neue musikalische Inseln und Kontinente entdeckt, sprich eine eigene, fast möchte man sagen, globalisierte Tonsprache erschaffen.

Der Programmtitel «Irish Wedding in Bukarest» tönt die ethno-geographische Vielfalt an Einflüssen an. Drei der vier Interpreten von «Strings & Bass» zeichnen verantwortlich für Kompositionen und Arrangements. Allen voran der Primgeiger Florian Willeitner. Der 27-jährige deutsche Solist und Kammermusiker mit Wurzeln in Klassik und Jazz studierte während mehrmonatiger Reisen verschiedenste Musikkulturen der Welt: Frankreich, Spanien, die Bretagne, Kuba, USA waren Stationen, vor allem aber Irland.

Das längste Stück des Konzertabends, «Valentinair», ist von seiner Liebe zur grünen Insel und zum Irish Folk geprägt. «Die ursprünglich symphonische Fassung war meinem Lehrer, dem Stargeiger Benjamin Schmid gewidmet, und der Solopart wurde bei der Uraufführung 2015 im Festspielhaus Salzburg von ihm gespielt», erzählt der Komponist. Die Musik beginnt ruhig und langsam, wie eine Morgendämmerung.

Das von Willeitner gespielte leitmotivische «Air» erhält bald eine zweite Stimme in Dickbauers Violine, die beiden Melodiefäden verweben sich, um dann in plötzlichem rhythmischem Wechsel in einen Tanz auszubrechen, der an Rasanz dauernd zulegt und dem Kontrabassisten quasi den Part der Pauke zuschreibt, während die Violinen zu Verrückten werden. Nach kurzem Break soliert Willeitner mit höchster Virtuosität, dann aber übernimmt Turkalys Cello die Melodie, tiefer, innig, jubelnd. Neue Tanzrhythmen tauchen auf; es ist eine ständig modulierte wilde Jagd zu viert.

Irgendwann baut Breinschmid mit langen Strichen einen tiefen Orgelpunkt unter die weitertobenden Violinen in höchster Lage, dann aber wird die Air-Melodie langsamer, trauriger, dissonant variiert, und erlischt am Ende zitternd, zart, ganz hoch und fein.

Akustische
«Farbenspiele»

Gelegentlich ist sie programmatisch. «Haschi» Dickbauers «Welcome to the World» beispielsweise feiert die Geburt seiner Tochter. Breinschmid aber komponiert Musik in komplexen Rhythmen. Als Laie vermag man nicht mehr genau zu folgen, hört einfach eine sehr schräge, eigenwillige, mal bodenständig-optimistische, mal sehnsüchtig-melancholische Musik. Bei «Strings & Bass» sind höchste Perfektion und musikantische Verspieltheit keine Gegensätze.

Überschäumende Improvisation und subtil erdachte Komposition stehen nebeneinander und werden kunstvoll zu kleinen funkelnden Schmuckstücken verbaut. Die vom Publikum erklatschte Zugabe «Parting Glass» ist das vermutlich zugänglichste Stück, basiert es doch auf einem populären irischen Abschiedssong.

Willeitner bezeichnet das Lied als «eine der schönsten Melodien überhaupt» und hat es zuerst klassisch, dann jazzig und schliesslich freitonal harmonisiert, wodurch akustische «Farbenspiele» entstehen. Vielleicht ist dieses Wort das beste Bild für diese aussergewöhnliche Musik.


Alle Konzert des Festivals der Sommerklänge 2019 finden Sie unter www.sommerklaenge.ch

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