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«Sommerklänge»: Lange Suche nach der definitiven Form

Das Festival «Sommerklänge» hat mit dem ersten Konzert in der Zwischennutzung «Nordpol» erfolgreich begonnen.
Jürg Röthlisberger
Das Ensemble Chamäleon spielt zum Auftakt des Klassikfestivals «Sommerklänge» in den Räumen der Zwischennutzung «Nordpol» 
in Zug. Bild: Stefan Kaiser (7. Juli 2019)

Das Ensemble Chamäleon spielt zum Auftakt des Klassikfestivals «Sommerklänge» in den Räumen der Zwischennutzung «Nordpol» 
in Zug. Bild: Stefan Kaiser (7. Juli 2019)

Die Eröffnung der diesjährigen «Sommerklänge» erfolgte in traditioneller Form: ein auf sieben Mitwirkende erweitertes Ensemble «Chamäleon», gehaltvolle Werke der Romantik und Spätromantik, zahlreiches Publikum, ungewohnter Aufführungsort.

Der Absprung des bisherigen Hauptsponsors – bei Banken geht das manchmal sehr schnell – führte glücklicherweise nicht zum Ende der beliebten «Sommerklänge»-Reihe. Wie Peter Hoppe schon in den Einleitungsworten ankündigen konnte, hat man durch die Zusammenarbeit vor allem mit Kanton und Stadt Zug, mit der Korporation Zug und der Theater- und Musikgesellschaft Zug eine neue und beständige Lösung gefunden.

Kein festes Repertoire 
ist Tradition

Die Tradition der «Sommerklänge» besteht genau darin, dass es kein festes Repertoire gibt. Der Autor hat in den 19 bisherigen Zyklen zahlreiche Konzerte besucht, aber noch keine einzige der Darbietungen als Repetition zum zweiten Mal gehört. Das Quintett D-Dur von Ralph Vaughan Williams (1872–1958), das Klavierquintett f-Moll, Opus 34, von Johannes Brahms: beide verlangten von den Ausführenden – auch auf Profi-Niveau – einen grossen Vorbereitungsaufwand, etwas, was insbesondere die Kernbesetzung (Madeleine Nussbaumer, Klavier, Tobias Steymans, Violine, und Luzius Gartmann, Violoncello) Jahr für Jahr scheinbar wie selbstverständlich ­leistet.

Mit Romantik im weiteren Sinn schöpften beide Komponisten aus dem gleichen Stilbereich. Beiden Komponisten gemeinsam war aber auch eine überaus kritische Selbstbeurteilung. Das Quintett von Williams entstand anscheinend 1898 und wurde damals auch aufgeführt. Aber ein späteres Aufführungsverbot durch den Komponisten verhinderte die Drucklegung bis zu dessen Tod.

Das f-Moll-Quintett schrieb Brahms zuerst für Streichquintett. Später überarbeitete er es für zwei Klaviere; erst die dritte Fassung als Klavierquintett mit vier Streichern anerkannte er schliesslich als eigene vollgültige Komposition.

Beeindruckendes 
unbekanntes Werk

Bei einmaligem Anhören beeindruckte das unbekannte Werk des bekannten Komponisten Williams durch vielfältige musikalische Erfindung mit grosser Liebe zum Detail. Zur Kernbesetzung integrierten sich hier Filipa Nunes, Klarinette, und der Hornist Tomas Gallart. Schon von den Satzbezeichnungen her war das Werk nicht auf Tempo-Kontraste angelegt, so dass durch die zahlreichen Tempowechsel innerhalb der einzelnen Sätze fliessende Elemente und Übergänge dominierten. Williams wusste offensichtlich, was Musiker mit entsprechendem Können auf den von ihm ausgewählten Instrumenten gerne spielen. So kamen auch virtuose Komponenten ausreichend zur Geltung.

Für das Brahmsquintett ergänzte man sich mit Nadezhda Korshkova, 2. Violine, und Natalia Mosca, Viola. Ein weiteres Mal beeindruckte, wie Madeleine Nussbaumer den umfangreichen und technisch anspruchsvollen Notentext souverän und in sehr sicherer Übereinstimmung mit den Streichern gestaltete. Sicher und spielfreudig beteiligte sich die schon bei verschiedenen früheren Gelegenheiten mitwirkende Bratschistin am musikalischen Geschehen. Recht dürftig erschien von der Komposition her der Part der zweiten Violine, welche oft zu pausieren hatte; eine etwas gar vorsichtige Interpretation wusste die Füllstimme nicht aufzuwerten.

Die leicht trockene, aber ausgeglichene Akustik im «Nordpol» ermöglichte ein in sich gerundetes Konzerterlebnis. Wie aber Beat Weiss als Geschäftsführer der V-Zug Immobilien AG in den Einleitungsworten mitteilte, wird das Gebäude in wenigen Monaten abgerissen, um einer verdichteten Neunutzung des ganzen Industrieareals Göbli Platz zu machen. So findet der Raum nur bedingt Aufnahme in die Liste der bisher 82 (!) Aufführungsorte, an welchen die Sommerklänge bereits gastiert haben.

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