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Sommerserie: Der Zuger Wald, ein Übungsplatz fürs Leben

Wie die Natur zum Spielplatz und Schulzimmer werden kann.
Zoe Gwerder

Der Wald ist nicht nur Rohstofflieferant und ein Zuhause für Pflanzen und Tiere, sondern kann auch Spielplatz und Ausbildungsstätte zugleich sein. Acht Pfadfinder-Abteilungen verteilt über den ganzen Kanton Zug sowie zwölf Scharen von Jungwacht und Blauring – um nur die grössten solcher Freizeitgruppen zu nennen – nutzen die Wälder regelmässig mit Kindern.

Doch auch Spielgruppen und Schulen entdecken den Wald immer mehr für sich. Gemäss dem Spielgruppenverband des Kantons Zug gibt es derzeit vier Waldspielgruppen, die dem Verband angehören. Auch die meisten Volksschulen im Kanton Zug kennen Aktionen im Wald. Primarlehrer und Erlebnispädagoge Michi Müller ist regelmässig mit Klassen der Schulen Cham im Wald unterwegs. Dieser biete die Möglichkeit, die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Kompetenzen fördern zu können. So könnten beispielsweise Ziele der Sozialkompetenz in einer Gruppenaufgabe sichtbar gemacht, geübt und anschliessend in den Schulalltag transferiert werden. «Die Kinder erhalten die Chance, sich von einer anderen Seite zu zeigen», erklärt Müller. «Und dies betreffe nicht nur Kinder, die mit dem klassischen Schulstoff wie Mathe oder Deutsch Mühe haben. «Beim Hüttenbau oder Feuer machen üben sich alle in verschiedenen Bereichen der Sozialkompetenz.» Im Gegensatz zum Schulzimmer hätten aber auch Erfolge und Misserfolge viel direktere Auswirkungen im Wald: «Kann man ein Feuer entfachen, kann es im Winter warmen Tee zum Znüni geben. Dieser schmeckt den Kindern dann meist besonders gut, da sie selber für diesen gesorgt haben. Gelingt es aber nicht, gibt es keinen Tee.»

Viel Effekt mit wenig Mitteln

Auch sonst ist der Wald ein guter Lehrmeister: «Das Feedback der Natur ist sehr direkt und kommt oft unmittelbar», erklärt Müller. «Die Schülerin, die unachtsam ihren Rucksack mit ihrer Znünibox neben einem Ameisenhaufen platziert, merkt schnell, dass sie ihren Platz beim nächsten Mal achtsamer auslesen muss.» Für einen Tag mit Kindern im Wald benötigt es nicht viel. «Ich habe immer Seile, Blachen, Schnüre, Sackmesser und einen Kochtopf dabei.» Damit kann man Hütten, Schaukeln oder auch einen kleinen Seilpark bauen und etwas zum Essen oder Trinken zubereiten. Wenn es um die Sicherheit geht, hat der Erlebnispädagoge eine einfache Faustregel: «Am besten nichts über Hüfthöhe bauen. Und auch bei kleinen Seilpärken braucht es ja nicht gleich eine Seilbahn.» Habe man trotzdem Lust auf eine solche, müsse man diese ja nicht für den Transport von Menschen erstellen. «Ein Seil über den Bach, an welchem man Essen oder Holz hin und her schicken kann, reicht da völlig aus.»

Hilfe beschränkt sich auf das Nötigste

Dass der Wald für die Kinder eine derart gute Lehrstätte ist, habe auch mit den Urinstinkten zu tun. «Sich ein Camp mit einem Dach über dem Kopf bauen und Feuer machen sind urarchaische Triebe des Menschens», erklärt Müller. Eine direkte Anleitung gibt es meistens nicht. Insbesondere bei Sachen wie dem Hüttenbauen überlässt es der Erlebnispädagoge den Kindern, einen Weg zum Resultat zu finden. «Beim Feuer machen hingegen helfe ich. Das ist je nach Ort und Wetter eben immer wieder etwas anders.» Mit dem Grundsatz: «So wenig Hilfe wie möglich, aber so viel wie nötig.»

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