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SOMMERSERIE: Die Party unter freiem Himmel

Am Zugersee-Ufer treffen sich die Jugendlichen. Die 14- bis 16-Jährigen wollen an den Abenden vor allem das Zusammensein geniessen und Spass haben. Auf einer einst berüchtigten Wiese ist hingegen nicht mehr viel los.
Andrea Muff
Das schöne Panorama lockt viele Leute an die Zugersee-Promenade. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 15. Juli 2017))

Das schöne Panorama lockt viele Leute an die Zugersee-Promenade. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 15. Juli 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Auf einer Decke sitzend, die Beine gestreckt, neben sich eine Pappschachtel mit Pizza und ein Bier in der Hand: So sieht der Feierabend auf der Rössliwiese in der Stadt Zug aus. Eine kühle Brise streift durch die Haare, und der Sonnenuntergang spiegelt sich im Zugersee. Es herrscht eine überaus romantische Stimmung im Dämmerlicht. Kein Gekreische, keine Musik und kein Saufgelage. Ganz anders, als es früher gewesen sei, meint Pascal (34): «In meiner Jugend war ich oft auf der Rössliwiese. Man musste keine Zeit abmachen, man traf sich hier einfach – alle waren da.» Heute sei er nur auf besagtem Rasen, weil seine Kollegin ihn gefragt habe. «Zug ist nicht mehr das, was es einmal war», sagt er mit einem versonnenen Blick Richtung Zugersee. Nachdenklich mustert er die Leute, die an der Rössliwiese vorbeigehen. Er nimmt einen Schluck von seinem Dosenbier.

Auf dem Quai ist viel los: Zahlreiche Gruppen, Paare und Einzelpersonen spazieren am See entlang – meist Richtung Zuger Altstadt. Modisch gekleidet, oft auch in Abendgarderobe, machen sich Familien auf, um in einem der nahe gelegenen Restaurants zu essen. Die Flaniermeile entwickelt sich in der Dämmerung zum Catwalk – Frauen zeigen ihr neustes Kleid, und Männer präsentieren ihre Frau. Jugendliche lassen sich von ihren Freunden vor dem Zugersee mit dem Pilatus als Hintergrund fotografieren. Der laue Sommerabend ergibt eine perfekte Kulisse. Ab und zu heult bei der Vorstadt ein Auto auf. Aus einem Cabriolet ist ein lautes «Salü zäme» zu hören. Die Pärchen und kleinen Gruppen auf der Wiese verfolgen das Schauspiel und verschlingen dazu ihr mitgebrachtes Essen. Die vielen Schachteln wiederum landen später, wie es sich gehört, im Abfalleimer.

Hundesitter-Angebote sind zahlreich

Auf der Rössliwiese liegen aber nicht nur die Einheimischen: Auch Expats geniessen den schönen Sommerabend. Der Amerikaner Doug und seine Freundin Siggi aus Australien sind miteinander beschäftigt, und die Flaniermeile unten am See interessiert sie anscheinend wenig. «Wir schätzen, dass es nicht so viele Leute hat», erklärt Siggi, die in Oberägeri wohnt. Doug fügt hinzu: «Wir treffen uns hier nach der Arbeit für eine Happy Hour – oder zwei oder drei.» Die beiden lachen und meinen: «Später gehen wir nach Oberägeri zum Schwimmen.»

Mit ihren viel jüngeren Nachbarn haben die beiden Exoten schon Bekanntschaft gemacht. Das verbindende Glied heisst: Eron. Dieser ist erst vier Monate alt, hat ein schwarzes, weiches Fell und ist verspielt. Die Leine des Hundes hält die 25-jährige Mirjam: «Wir haben heute schon viele Angebote von Hundesittern bekommen», erzählt sie. Zusammen mit ihrer Namensvetterin Miriam (24) hat sie es sich auf einer Decke bequem gemacht. Mit 14 Jahren hätten sie sich oft hier am See mit Freunden getroffen: «Aber jetzt trinken wir auch nicht mehr so viel Bier», sagt Miriam lachend.

Inzwischen gehen die Uhrzeiger Richtung halb elf, eine vierköpfige Gruppe hat es sich auf der Rössliwiese gemütlich gemacht – in ihrer Mitte eine offene Flasche Wein. Der 15-jährige Kilian ist der Hahn im Korb und sagt: «Wenn wir es ruhiger haben möchten, kommen wir gerne hierher.» Später würden sie am See entlang nach Hause gehen. Er verrät: «Richtung Schützenmatt ist bedeutend mehr los. Dort kann man auch alleine hingehen, irgendjemanden kennt man immer.» Und woher kommt eigentlich der Alkohol? «Den bringen wir selber mit.» Der Zuger zeigt auf eine Freundin: «Sie ist schon 16 Jahre alt.» Praktisch also.

Auch für die Schreibende wird es zu romantisch auf der Rössliwiese. Deshalb ein Szenenwechsel: Richtung Schützenmatt vor der Turnhalle auf dem Asphalt direkt am See ist tatsächlich mehr los. Schon von weitem sind Wortfetzen zu vernehmen. Inzwischen ist die Dunkelheit über Zug hereingebrochen. Die Bänke am See sind mit Jugendlichen besetzt – sie trinken, rauchen, reden und lachen. Musik hört man keine, und die leeren Flaschen sind fein säuberlich zum Mitnehmen bereitgestellt. Nico (16) erklärt: «Wir dürfen keine Musik hören, und Littering ist auch verboten. Daran halten sich eigentlich die meisten hier.» Der Zuger verrät, dass er öfters hier sei – fast jedes Wochenende. Meist sei er mit seinen Freunden unterwegs: «Aber auch sonst lerne ich hier immer neue Leute kennen. Das ist toll.» Das Trinken stehe dabei nicht an oberster Stelle, «ein Feierabend-Bier liegt aber immer drin», so der 16-Jährige.

Bei einer Gruppe von jungen Frauen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren ist der Geräuschpegel dann doch etwas höher: Gekreische und lautes Lachen herrschen vor. Ihre Namen möchten sie nicht in der Zeitung lesen, und sie verstecken auch schnell ihre Zigarette hinter ihrem Rücken. «Wir treffen uns am Bahnhofsplatz, gehen dort einkaufen und kommen danach hierher», sagt eine 18-Jährige. Schliesslich sei es Sommer und sehr schön, mit Freunden zusammen am See zu sitzen. «Wo sollen wir denn sonst hin?», meint eine andere. Sie spielt darauf an, dass die Ausgangslokale unter 18-Jährigen keinen Einlass gewähren. Zudem: «Hier ist es viel billiger – kein Eintritt, und auch die Getränke sind günstiger», erläutert die Älteste der Gruppe weiter.

Im Hintergrund liegt eine der Freundinnen auf einer wellenförmigen Liegebank. Ihre Kolleginnen versuchen das junge Mädchen wieder aufzupäppeln: Denn sie muss noch fahren. «Sie muss mit dem Velo nach Hause», erklärt eine andere. Das Patentrezept heisst in einem solchen Fall: Essen und Wasser trinken. Nun wird sie mit Vollkorngebäck gefüttert – ob das hilft? «Wir lassen nie jemanden alleine und gehen zusammen nach Hause», sagt eine andere und reicht der Angetrunkenen die Wasserflasche. Auch Nico bestätigt, dass der Zusammenhalt in seinem Freundeskreis hoch sei: «Wir schauen aufeinander.»

Ein Burger zum Frühstück

Nach Mitternacht herrscht Aufbruchstimmung. Die Mädchen erklären: «Die meisten gehen mit dem letzten Bus heim.» Es sei aber auch schon vorgekommen, dass sie bis morgens um fünf Uhr am See ausgeharrt hätten. Danach folge stets ein Frühstück in einem der bekannten Burgerläden. Doch an diesem Abend sind nur noch ein paar Grüppchen übrig: «Heute ist nicht viel los», stellt ein weiterer Jugendlicher fest, der seinen Namen nicht nennen will. Der Altersdurchschnitt auf seiner Bank ist hingegen etwas über 20 Jahre. Auf die Frage, was sie hier machen, ertönt es grölend im Chor: «Wir saufen!» Die Getränke holen sie sich nicht beim Bahnhof, sondern bestellen den Drink bei einem nahe gelegenen Restaurant über die Gasse. Im Pappbecher nippen sie an ihrem süssen Longdrink und unterhalten sich. Und wie sehen ihre Pläne für die Nacht aus? «Also wir bewegen uns dann schon noch», sind sie sich einig – doch jetzt geniessen sie, wie es ruhiger um sie herum wird.

Hinweis

In unserer Sommerserie «Zug bei Nacht» begleiten wir während der Sommerferien Menschen, die nachts arbeiten oder unterwegs sind. Mehr zu diesem Thema finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/dossier.

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